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Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

09.04.2009 12:51
Der Osterhase Zitat · antworten



Woher kommt eigentlich der Osterhase?

Eine interessante Frage, aber sicher nicht die einzige in Bezug auf den Osterhasen, der
übrigens den wissenschaftlichen Namen lepus europaeus osteriensis trägt. Obwohl der
Osterhase zur wichtigsten Figur des deutschen Osterfestes wurde, ist er nach wie vor ein
unbekanntes Wesen.
Zoologen und Wissenschaftler sind sich noch nicht einmal einig, ob er die Eier nun legt
oder ob er sie nur sammelt. Leider ist man dabei weitgehend auf unqualifizierte
Einzelaussagen angewiesen. Das ist ähnlich wie bei Nessie oder den Ufos: immer wieder
einmal schwört jemand Stein und Bein, dass er sie gesehen hat. Tatsache ist, dass es
noch nicht einmal Heinz Sielmann oder Professor Grzimek gelungen ist, den Osterhasen
beim Eierlegen zu filmen. Einige Forscher schließen daraus, dass der Osterhase die Eier
in unterirdischen Großraumhöhlen legt und anschließend in mühevoller Kleinarbeit
bemalt. Die meisten jedoch vertreten die These, dass er sie nur sammelt und dann
bemalt. Wie das Tier auf diese merkwürdige Verhaltensweise gekommen ist, bleibt allen
ein Rätsel.
Einige Verhaltensforscher vermuten, dass es sich dabei um eine besonders raffinierte
Form des Paarungsverhaltens handelt. Sollte der Osterhase die bunten Eier tatsächlich
dazu benutzen, seine Partnerin anzulocken und zu umwerben? Dann wären die Ostereier
lediglich ein Abfallprodukt des Sexualverhaltens von Lepus europaeus osteriensis. Eine
ernüchternde Vorstellung. Oder sammelt der Osterhase die Eier lediglich als
Wintervorrat? Wozu aber dann die teilweise recht kunstvolle und aufwendige Bemalung?
Weitgehend ungeklärt ist auch die Frage, wie der Osterhase den Rest des Jahres
verbringt, wenn er die vielen schönen Ostereier an den Mann gebracht hat,
beziehungsweise, wenn er sie für die Kinder versteckt hat. Auf unsere Anfrage bestätigte
uns die zoologische Fakultät der Universität der Osterinseln die Vermutung, dass
Osterhasen den Rest des Jahres damit verbringen, Nachkommen zu zeugen, zu gebären
und sie dann zu guten Osterhasen auszubilden. Das heißt, sie müssen lernen, die Eier
nach alter Hasentradition zu bemalen. Dennoch bleiben viele Fragen offen.

Aber mal im Ernst: Es ist wirklich nicht exakt auszumachen, wer den Osterhasen
erfunden hat und wann das war. Die älteste Quelle, die von einem eierlegenden Hasen
berichtet, stammt aus dem Jahre 1682. Damit wissen wir eigentlich immer noch nicht viel
mehr. Nur, dass der Osterhase lediglich 300 Jahre alt ist. Und das ist nicht viel. Doch
auch davor gab es schon einige eierlegende und -bringende Fabeltiere, wie den Kranich,
Storch, Fuchs, das Lamm oder die Himmelshenne. Sie alle hat der Hase ziemlich radikal
als Ostereier-Leger verdrängt.
Wie konnte es dazu kommen? Nun die einfachste Erklärung könnte sein, dass man dem
Fruchtbarkeitssymbol "Ei" ein weiteres, den "Hasen" beigegeben hat. Genauso simpel ist
die Erklärung für die Existenz des Osterhasen, dass Kinder um die Osterzeit herum häufig
Hasen auf den Feldern sehen können. Das ist nun doch zu einfach, denn der Hase spielt
immerhin in Mythologie und Volksglaube schon seit Jahrtausenden eine große Rolle. So
wird dem Mondtier Hase bereits im chinesischen Kalender die Tag- und Nachtgleiche des
Frühlings zugeordnet. Auch im europäischen Kulturkreis war er schon immer eine
wichtige Figur. Im griechisch-römischen Altertum war er seiner Fruchtbarkeit wegen der
Liebesgöttin Aphrodite als heiliges Tier geweiht. Aus dem selben Grund galt er allerdings
im christlichen Mittelalter als unkeusches und damit unreines Tier. Andererseits hatte er
für die Christen noch einen ganz anderen Symbolcharakter: So war er im frühen
Christentum das Symbol für den Heiden, der sich dem Christentum zuwendet. Schließlich
hat man dem Hasen auch Magisches zugetraut: Nach dem "Handwörterbuch des
Deutschen Aberglaubens" ist er für fast jeden Zauber gut. Man denke nur an die
glückbringende Hasenpfote als Amulett.
Doch zugegeben, dies alles erklärt noch nicht die Wandlung des Hasen zum Osterhasen.
Eine plausible, aber ebenfalls recht unromantische Erklärung versuchten einige
Brauchtumsforscher, als sie folgende Hypothese aufstellten: Im Mittelalter wurden zum
Osterfest Gebildbrote in Form eines Lammes gebacken. Wir erinnern uns, das Lamm ist
ein sehr altes christliches Symbol. Ethymologen glauben nun, dass einige zeichnerisch
Unbegabten ihr Lamm so misslang, dass es eher der Form eines Hasen glich. Wie dem
auch sei, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatte der Osterhase bereits große
Verbreitung gefunden, insbesondere in Norddeutschland war er überall bekannt. Einen
weiteren Sprung in der Hitliste nach oben machte der Osterhase, als um die
Jahrhundertwende die Glückwunschkarte aufkam. Durch sie wurde er regelrecht zum
Star. Er wurde mindestens so häufig abgebildet wie der Weihnachtsmann. Noch beliebter
wurde er dann durch die Erfindung der Schokoladeneier, die geradezu seine Domäne
sind. Heute ist jedenfalls der Osterhase eine der beliebtesten Kinderfiguren.

(Verfasser unbekannt)


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