Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt, wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt, wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt, wenn der Laute bei dem Stummen verweilt und begreift, was der Stumme sagen will, wenn das Leise laut wird und das Laute still, wenn das bedeutungsvolle bedeutungslos, das scheinbar Unwichtige wichtig und groß, wenn mitten im Dunkel ein winziges Licht Geborgenheit, helles Licht verspricht, und du zögerst nicht, sondern du gehst so wie du bist darauf zu, ja, dann fängt Weihnachten an.
Von draußen schallt ein fröhlich muntres Treiben, jauchzende Lacher dringen an mein Ohr. Neugierig schau ich durch die Fensterscheiben, die Welt, sie kommt im Weiß mir bunter vor.
Ganz eifrig bauen Kinder einen Schneemann, zwei Hunde toben tollend übers Feld. Schnee schippt mit roter Nase Nachbar Lehmann, hoch blinzelnd, ob noch mehr vom Himmel fällt.
Im Vogelhäuschen wirbelt reges Leben. Frau Meise wiegt am Knödel sich im Takt, ein Spätzchen zeigt sein Zittern und sein Beben, weil ihm Herr Fink ein Körnchen weggeschnappt.
Jetzt fassen sich die Kinder an den Händen, sie tanzen mit den Flocken Ringelrein. Nun hält mich nichts mehr hier in meinen Wänden, schnell schlüpfe ich ins Winterkleid hinein.
Die Luft schenkt Weihnachtsraunen. Glöckchen klingen, an Pferd und Schlitten sind sie angebracht. Von fern tönt wundersames Hirtensingen uns zu verkünden:
Wenn mir einer die Frage stellt, nach Weihnachten in unserer Welt. Will ich ihm zeigen was damals begann, als Weihnachten seinen Anfang nahm. Wo einer dem Anderen neu vertraut, und ihm eine Brücke baut, um Hass und Feindschaft zu überwinden, da kannst du Weihnachtensspuren finden. Wo einer im Dunkeln nicht verstummt, sondern das Lied der Hoffnung summt, um Angst und Stille zu überwinden, da kannst du Weihnachtensspuren finden. Wo einer gegen die Strömung schwimmt, und fremde Lasten auf sich nimmt, um Not und Elend zu überwinden, da kannst du Weihnachtensspuren finden. Wo einer am Ende nicht verzagt, und einen neuen Anfang wagt, um Leid und Trauer zu überwinden, da kannst du Weihnachtensspuren finden. Wo einer dich aus Trägheit weckt, und einen Weg mit dir entdeckt, um hohe Mauern zu überwinden, da kannst du Weihnachtsspuren finden.
Beim Evangelisten Lukas ist zu lesen, Bethlehem sei der Geburtsort Jesu gewesen. Joseph kam mit Maria von Nazareth her, der Weg nach Bethlehem war mühsam und schwer.
Maria konnte nicht mehr länger gehen, drum musste sich Joseph nach einer Bleibe umsehen. Doch alle Quartiere waren schon ausgebucht, deshalb hat das Paar in einem Stall Zuflucht gesucht.
Hier waren auch Ochs und Esel untergebracht, diese haben Maria und Joseph willig Platz gemacht. Maria, vom weiten Weg müde und benommen, ist in der Nacht im Stall noch niedergekommen.
Über die Futterkrippe war die Mutter sehr froh. Sie bettete ihr Kind auf Heu und auf Stroh. Was ist nur in dieser Nacht Geheimnisvolles geschehen? Ein riesiger Komet blieb über dem Geburtsort stehen!
Das Kind, in Windeln gewickelt, war in helles Licht gehüllt. So hat sich die Weissagung schließlich erfüllt. Maria wurde von Gott zur Gnadenmutter erkoren, sie hatte den Heiland der Welt geboren.
In jener Nacht wurde die Macht der Liebe begründet, Engel haben diese Botschaft den Hirten verkündet. An Weihnachten erinnern wir uns an dieses Geschehen, wenn wir auf das Kind in der Krippe sehen.
Das Jahr neigt sich langsam dem Ende zu, auf den Strassen kehrt ein die Ruh. Festlich geschmückt sind Garten und Haus, Kinder schauen aus dem Fenster raus. Weiße Flocken rieseln vom Himmel, in der Stadt auf dem Markt ein großes Gewimmel. Leute lachen, trinken und haben Spaß, schenken sich Glühwein in das Glas. Bummeln gemütlich von Stand zu Stand, Menschen sind da aus jedem Land. Ein köstlicher Duft der die Sinne bewegt, der Geruch von Weihnachten über den Markt herweht. Alte Bekannte, Freunde und die Liebe, halten einen warm, wie dem Christuskind die Wiege. An der Kirche steht ein großer Chor, Weihnachtsmelodien klingen in jedem Ohr. Am Himmel die Sterne im hellen Glanz, hell leuchtet auch der große Weihnachtskranz. Vier Kerzen auf Ihren Sockeln brennen. Vier Kerzen jeder wird sie kennen. Stehen symbolisch für die Vorweihnachtszeit, und brennen alle, ist es soweit. Dann warten die Kinder gespannt in den Zimmern, man sieht schon die Neugierde in den Augen schimmern. Jedes mal so lang das Jahr, „Mami, wann war das Christkind denn endlich da?“ Alle warten, dass das Glöckchen klingt, besinnlich man schon Lieder singt. „Klingelingeling“ habt ihrs gehört? „Klingelingeling“ wer da die Ruhe stört? Ja es war da, das Heilige Kind, legte ab die Geschenke und verschwand wieder geschwind. Nun sind sie nicht mehr zu halten, jetzt kann man keine Gefühle mehr verwalten. Die Stunde worauf wir so lange gewartet haben. Endlich, endlich ist es Heilig Abend.