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Grüß Euch Gott, Ihr lieben Ratefüchse, mein neues Rätsel kommt nicht aus der Zauberbüchse. Hab ich Euch das Raten schon ausgetrieben? Verzeiht, ich hab schon wieder ein neues Rätsel geschrieben:
Wer bin ich?
Im Sommer wurde ich in einer trockenen Mauernische geboren, fast hätte ich mein junges Leben schon im Anfangsstadium verloren. Denn viele der Eltern kennen weder Erbarmen noch fürsorgliche Liebe, sie befinden sich in der Gewalt von einem grausamen kannibalischen Triebe.
Haben sie Hunger, sind sie manchmal wie vom Teufel besessen, dann können sie aus reinem Selbsterhaltungstrieb leicht ihre Nachkommenschaft fressen. Mir ist dieses harte Los Gott sei Dank erspart geblieben, und so hat man über mich noch keine schlimmen Nachrichten oder einen Nachruf geschrieben.
Ich bin ein Kriechtier und gehöre zur Gattung der Reptilien, so mancherorts findet man von uns noch sehr gut erhaltene Fossilien. Im Ei war ich unsichtbar und vor der Umwelt gut verhüllt, meine Mutter hat mit der Eiablage ihr Soll für die Fortpflanzung erfüllt.
Fünf Wochen später hab ich den Kontakt mit meiner Nährmutter abgebrochen, denn dann bin ich kurz entschlossen aus dem Ei gekrochen. Doch möchte ich hier ja nicht angeben oder gar prahlen, meine Geburtshelfer waren die warmen durchdringenden Sonnenstrahlen.
Um mich zu schützen und bei Gefahr zusammen zu kauern, suche ich bei Bedarf Einlass in den alten Kalksteinmauern. Meine Körpertemperatur ist konstant wechselwarm, aber im Winter bin ich regungslos und nicht nur bewegungsarm.
Ich bin schweigsam und kann keine Reden schwingen, kann weder schreien, pfeifen oder gar singen. Meine Kriechtour führt mich oft zum Bächlein hin, weil ich durstig und mitunter schwimmbegierig bin.
Ich nehme schon früh am Morgen ein Bad in der warmen Sonne, dies ist für meinen Körper eine Wohltat und große Wonne. Dann krieche ich rasch durch den Gartenzaun, die Haut meines schlanken Körpers ist schuppig und wirkt beige-braun.
Würde man ein Maßband an meinem zierlichen Körper anlegen, dürfte sich meine Größe nur um circa 5 bis 7 cm bewegen. Mein Schwanz aber hat zusätzlich mehr als die doppelte Länge drauf, so steig ich in der Mess-Scala noch ein Stück höher hinauf.
Sind die Mauerwände auch senkrecht und sehr steil, brauche ich doch zum Hinauf- und Hinabklettern keine Haken und kein Seil. Auf vier gelenkigen Beinen bewege ich mich sehr flink und flott, aber auch die übrigen Körperteile sind brauchbar und absolut kein Schrott.
Pro Fuß besitze ich je fünf lange Zehen, damit lässt sich gut laufen, festhalten und auch gehen. Beim Betrachten meiner männlichen Genossen bekomm ich regelrecht einen Stich, denn sie haben einen größeren Kopf und außerdem den schöneren Außenanstrich.
Diese aggressiven Burschen sind in ihrer Angriffslust kaum zu dämpfen, wenn sie mit ihren Rivalen um ein Stück ausgesuchtes Territorium kämpfen. Der Ausgang des Kampfes ist von vornherein ungewiss, für den Unterlegenen endet er nicht selten mit einem blutenden Biss.
Mut und Größe des Siegers haben mir mächtig imponiert, so erschien er mir als Vater meiner Kinder geeignet und prädestiniert. Für die Nachkommen hat er allerdings nur seinen Samen gespendet, damit war sein Beitrag für die Fortpflanzung auch schon beendet.
Auch ich muss mich in den Fußstapfen meiner Mutter bewegen und deshalb sechs pergamentartige Eier in einen geschützten Mauerspalt ablegen. Zu Fuchs, Dachs und Raubvögeln halte ich große Distanz, als Täuschungsmanöver opfere ich ihnen mitunter einen Teil von meinem Schwanz.
Doch ist dieser Verlust für mein Aussehen nicht lang eine Schmach, denn der verlorene Schwanz wächst in Kürze wieder nach. Noch ehe ich mich so recht auf mich selbst besinne, entdecke ich auf einem Stein eine dicke Spinne.
Ich werde mir auf dem Boden noch ein paar Schnecken schnappen, vielleicht kann es ja auch mit einem saftigen Regenwürmchen klappen. Aber ebenso von Hautflüglern, den Wespen und Bienen, lässt sich mein Magen gerne verwöhnen und bedienen.
Ferner werde ich Käfer, Raupen, Grillen und Ameisen ebenfalls mit großem Appetit genussvoll verspeisen. Für unser Dasein benötigen wir Tiere grünes Land, Mauern, Steine, lockere Erde und auch weichen Sand.
Die Menschen sollten darum unsere natürlichen Lebensräume erhalten und diese nicht nach naturfeindlichen Aspekten einfach umgestalten. Wir Tierlein geben zwar keinen Füllstoff ab für ein Gedicht, aber ein Teil unseres Namens hat große Bedeutung auch beim Gericht.
Ebenso finden sich diese drei Buchstaben bei den Schweizer Genossen. Einer von ihnen hat mit der Armbrust den Apfel abgeschossen.
Monika H.G.
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