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Horn-Hugo und das frierende Jesuskind. Wie der Ochse im Stall zwei Wunder vollbrachte und eines erlebte!
Von heiligen Kühen ist öfter die Rede. Insbesondere, wenn es darum geht, solche zu schlachten. In Indien ist das verboten, bei uns hier versuchen es die Politiker ganz gerne mal. Allerdings meist erfolglos. Von heiligen Ochsen spricht jedoch keiner. Und doch gab es einen. Hugo hieß er und war in Bethlehem zu Hause. Hier ist seine Geschichte:
Hugo lebte vor über 2000 Jahren. Er gehörte einem Wirt, der ein Gasthaus in Bethlehem hatte. Im Frühling, Sommer und Herbst verrichtete er meist Arbeiten auf dem Feld. Er zog die Egge, half beim Pflügen, zog den Erntewagen, was eben gerade anstand. Er war ein gutmütiger Kerl, ziemlich groß und sehr stark und sein Herr behandelte ihn gut. Im Winter nahm ihn der Wirt zum Einkaufen mit, er hatte dann schwere Fässer auf den Karren geladen, die der Ochse sicher nach Hause brachte. Sonst gab es in dieser Jahreszeit nicht so viel für ihn zu tun, er verbrachte die meiste Zeit im Stall, wo er ein gemütliches Plätzchen in einer Ecke hatte. Dort stand er dann und kaute sein Heu.
So auch an jenem merkwürdigen Abend im Dezember, als er plötzlich Besuch bekam. Sein Herr brachte zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, herein. Sie hatten einen Esel bei sich. „Hier könnt ihr bleiben“ sprach der Wirt mit seiner dröhnenden Stimme. „Nicht gerade eine Luxusherberge, aber es gibt Stroh, auf das man sich legen kann und es ist warm und trocken hier drin. Ich muss mich jetzt wieder um meine Schänke kümmern“ mit diesen Worten verließ der Gastwirt den Stall.
Es sollte eine aufregende Nacht für Hugo werden. Josef, so hieß der Mann, versorgte zunächst den Esel. Danach bereitete er seiner Frau Maria ein Lager. Doch gerade in dem Moment, als sich beide, müde von der langen Reise, nieder legen wollten, setzten bei Maria die Wehen ein. Staunend sah der Ochse zu, wie die Frau einen Jungen zur Welt brachte. Wie Kälber geboren wurden, das hatte Hugo schon gesehen, aber bei Menschenkindern war er noch nie dabei gewesen.
Nun, das Baby war geboren und gestillt, Maria hatte es in eine Windel gewickelt und in die Krippe gelegt. Glücklich hatten sie und Josef zugeschaut, bis das Kind eingeschlafen war, dann waren beide völlig erschöpft ebenfalls eingeschlafen. Der Esel schnarchte ohnehin schon lange vor sich hin. Nur Hugo war wach, das war doch alles ziemlich aufregend für ihn gewesen. Er döste ein wenig vor sich hin, als er plötzlich etwas hörte. Riechen und hören können Rindviehcher nämlich ziemlich gut. Das Geräusch kam aus der Krippe. Hugo sah hinein. Das Kind hatte sich im Schlaf frei gestrampelt, die Windel war verrutscht und schließlich herunter gefallen. Das Baby weinte nicht, schaute ihn nur mit großen Augen an. Hugo scharrte mit den Hufen, um die Mutter oder den Vater wach zu machen, doch die schliefen tief und fest. Als alles nichts nützte, muhte er aus Leibeskräften. Doch Josef schimpfte nur „Gib Ruhe“ und drehte sich herum. Hugo bemerkte, dass das Kind fröstelte. Da rückte er bedächtig näher, immerhin wog er fast eine Tonne und konnte leicht etwas zerdrücken. Er öffnete sein Maul und hauchte seinen warmen, nach zermahlenem, wiedergekäutem Heu riechenden Atem in die Krippe. Der Geruch schien den Jungen nicht zu stören, er gluckste nur. So wärmte der Ochse das Kindlein wohl eine halbe Stunde, bis es wieder eingeschlafen war.
Doch wie nun weiter? Er konnte das doch nicht die ganze Nacht machen.
Vorsichtig senkte er das Haupt und versuchte, mit seinen Hörnern das am Boden liegende Tuch aufzugabeln. Nun hatte er nicht gerade einen kleinen Schädel und eckte überall an. Doch geduldig probierte er immer weiter. „Wenn doch die Hörner nicht so gerade wären“ sagte er mehr zu sich selbst, „dann ginge es leichter.“ Irgendwie gelang es ihm dann, die Windel mit einer Spitze des Horns aufzuspießen, es kam ihm vor, als habe das Ewigkeiten gedauert. Er hob das Tuch hoch und schüttelte es über der Krippe ab. Dann zog er es mit seinem unbehaarten, feuchten Maul so gut es eben ging über das schlafende Kind. Geschafft. Nach dieser filigranen Arbeit war auch der Ochse erledigt und nickt ein.
Er erwachte von einem Geräusch. Da flirrte etwas, im Gebälk und auch um seinen Kopf herum. Was war das? Seltsame kleine Wesen mit Flügeln schwirrten im Stall umher. Hatten sie das Licht mitgebracht, das plötzlich so hell strahlte. Meine Güte, was für eine Nacht.
Als am nächsten Tag sein Herr in den Stall kam, blickte er ihn nachdenklich an. Irgendwie sah sein Ochse anders aus. Er wusste zunächst nicht so recht, was anders war. Da plötzlich fiel ihm der Unterschied auf. „Die Hörner, die Hörner“ rief er nur und lief fuchtelnd davon.
Ob nun wirklich die Engel Hugos Hörner gebogen haben, weiß nur der liebe Gott, Jedenfalls haben seit jener Nacht in Bethlehems Stall die Rinder krumme Hörner.
(Autor: Gregor Schürer)

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