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Frannys Hanne Haller Fan-Forum

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Elli Offline

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23.06.2011 08:34
#221 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 23.06.2011 - Fronleichnam

An Straßenkreuzungen und Autobahnabfahrten fallen mir immer wieder die kleinen Kameras auf, die den Verkehr beobachten. Auf diese Weise können Leitstellen gezielter eingreifen. Die Videoüberwachung gehört inzwischen zum Alltag und wird immer wieder kritisiert. Die Persönlichkeitsrechte scheinen in Gefahr zu geraten. Schließlich weiß man nicht, zu welchem Zweck die Aufnahmen gespeichert werden. Da ist mir schon viel wohler zumute, wenn ich in der Bibel lese, dass "Gottes Augen alle Lande sehen, um zu stärken alle, die ihm vertrauen". Diese Absicht gefällt mir. Nicht einer, der mir vielleicht was will, weil ich zur falschen Zeit am falschen Ort war. Sondern ein fürsorglicher Gott, der im Bilde sein will, wie es mir geht. Damit er entsprechende Maßnahmen einleiten kann, um mein Leben auf einen guten Weg zu bringen. Katholische Christen feiern an diesem Tag das Fronleichnams-Fest. Sie denken dabei an die Einsetzung der Eucharistie.

Vergleichbar mit dem Abendmahl in evangelischen Kirchen und Freikirchen. In mehreren Bundesländern und Regionen ist deshalb heute Feiertag. Man möchte zum Ausdruck bringen, dass Jesus Christus in unserer Welt präsent ist. Aus meiner Kindheit habe ich die prächtigen Prozessionen am Fronleichnamstag in Erinnerung. Ausdruck für einen allgegenwärtigen Gott. Auch die Kreuze an vielen Orten und in öffentlichen Räumen tragen den Hinweis in sich, dass wir Menschen nicht einfach einem Schicksal ausgeliefert sind. Sondern unter ständiger Beobachtung der Schaltzentrale dieser Welt stehen. Aus liebevoller Absicht. Ich weiß, dass manche Leute sich über solche Aussagen ärgern. Weiß aber auch, dass selbst der strengste Atheist schon mal neidisch auf diejenigen schaut, die Gott vertrauen. Es hängt eben immer von der Lebenssituation ab. Gottes Augen jedenfalls sind auf Empfang geschaltet.


Christoph Maas

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Elli
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24.06.2011 09:57
#222 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Freitag, 24.06.2011 - Johannistag

In unserer Gesellschaft setzt sich die Grundhaltung durch: Ich muss immer größer werden und den anderen klein machen. Frauen und Männer. Angestellte und Führungskräfte. Zeitarbeiter und vierhundert Euro Jobber gehen heute Morgen mit diesem Gefühl zur Arbeit. Wenn ich nicht taktisch klug agiere, könnte mir bald ein anderer den Hammer aus der Hand nehmen. Ein unmenschlicher Kampf um die besten Plätze und die höchste Bezahlung. Wer im Weg ist, wird so lange gemobbt, bis er in der Klinik landet und danach als nicht mehr tragfähig gilt. Sie glauben, ich übertreibe? Vielleicht habe ich die Lage sogar noch zu harmlos geschildert.

Immer weniger Menschen schaffen es, einem anderen die höhere Stellung zu gönnen. Deshalb freue ich mich über den heutigen Johannistag. Die meisten werden gar nicht wissen, dass es den überhaupt gibt. Johannes war in biblischen Zeiten ein Senkrechtstarter, der von unwahrscheinlich vielen Menschen gehört wurde. Er nannte Missstände beim Namen. Trotz seines Erfolges machte er Werbung für einen anderen. "Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen" sagte er. Mit diesem anderen war Jesus gemeint. Ihm verdanken Christen ihren Glauben. Wie kam Johannes dazu, freiwillig auf seinen Status zu verzichten? Dieselbe Frage kann man stellen, wenn ältere Führungskräfte Jüngeren den Weg frei machen, damit sie ihre ganz anderen Qualitäten entfalten können.

Johannes besaß eine heute selten gewordene Eigenschaft. Er kannte seine Grenzen und wusste, dass sein Auftrag ein Ende haben würde. Leider nahm sein Leben ein tragisches Ende, als er Opfer einer Intrige wurde.

Diesen Teil seiner Geschichte verstehe ich bis heute nicht. Das Leben ist nicht unbedingt gerecht. Den Johannistag brauchen wir allerdings dringend als Programm gegen Hochnäsigkeit und Menschenverachtung.


Christoph Maas

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Elli
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28.06.2011 12:31
#223 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 28.06.2011 - Ich bin dabei

Auf dem Hügel von Taize ist es irgendwie immer windig.
Fromme Seelen behaupten, das wäre des Wehen des Heiligen Geistes. Davon kann man halten, was man will. Was stimmt, ist, dass hier wirklich ein besonderer Geist herrscht.

Für mich wird dies schon am ersten Tag im Zuge der Anmeldeformalitäten spürbar. Hunderte von Gruppen und zahlreiche Einzelreisende brauchen eine Unterkunft, Essenmarken, Ablaufpläne und vor allem einen Überblick über die Gegebenheiten vor Ort.
Innerhalb von wenigen Stunden sortiert sich das Chaos des Anreisetages. Ich finde mich in einer der unvermeidlichen Warteschlangen wieder und hoffe, die richtigen Listen dabei zu haben. Nach einer kurzen Informationsflut auf Englisch geht es ans Bezahlen. Und plötzlich habe ich einen Zettel mit zwei Summen vor der Nase, zwischen denen ich wählen kann. Weil ich nur Bahnhof verstehe, hilft mir ein Nachbar weiter und erklärt:
"Es gibt hier verschiedene Teilnehmerbeiträge, je nachdem, aus welchem Land man kommt. Die reicheren Länder zahlen einen Teil für die ärmeren mit. Weil es aber auch innerhalb der Länder noch Unterschiede gibt, gibt es einen Mindestbeitrag und ein entsprechendes Maximum. Du kannst wählen."

Ich brauche einen Moment, um dese Nachricht zu verdauen. Der Bruder an der Anmeldung wartet geduldig. Zweifellos hat er diese Situation schon unzählige Male erlebt.

Was mache ich jetzt? Mein erster Impuls geht klar zum Mindestbeitrag. Frei nach dem Motto: "Nie mehr bezahlen als unbedingt nötig." Immerhin ist es ja nicht nur mein Geld, über das ich verfüge, so rechtfertige ich diese doch recht zweifelhafte Position sofort vor mir selbst.
Aber etwas hält mich zurück:
Hat unsere Gruppe es nötig, hier auf Kosten der anderen zu leben? Wir haben eine bestimmte Summe für diese Fahrt eingeplant, warum also an dieser Stelle sparen? Ist es nicht vielmehr wirklich sinnvoll, mit unserem Beitrag anderen ein Hier-Sein zu ermöglichen?

Ich treffe eine Entscheidung und gehe nachdenklich weg.
Hier gilt es, das Leben miteinander zu teilen – auf allen Ebenen. Und dazu gehört in unserer Welt nun auch mal das Geld.

Dieser konkrete Ansatz solidarischen Lebens geht mir nach. Ich darf mich als Teil einer großen Gemeinschaft verstehen. Wer mehr hat, kann auch mehr geben. Und wer weniger hat, darf sich – ganz ohne Gewissensbisse - auch mal mittragen lassen.
Es ist ein Prinzip, das auch außerhalb von Taize funktionieren kann.
Ich bin dabei.


Monika Münch

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29.06.2011 10:02
#224 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Mittwoch, 29.06.2011 - Oase der Stille und beten

Wenn man eine "Woche der Begegnung" in Taize miterlebt, wird man Zeuge der verrücktesten Dinge:
Das endlose Stehen in der Wartschlange zum Essen wird untermalt von mitreißender Gitarrenmusik, der Großabwasch und das Putzen der Toiletten haben nahezu Partycharakter und aus Hunderten leerer Joghurtbecher wird mit großem Aufwand ein Torbogen gefertigt, der auch nahezu 20 Sekunden hält, bevor er unter großem Beifall in sich zusammenstürzt.

Aber wirklich verrückt ist für mich folgende Erfahrung:
Am dritten Morgen in Taize unterhalte ich mich mit einer offensichtlich übermüdeten Jugendlichen. Wann sie ins Bett gegangen sei, will ich wissen. "Naja, so gegen drei", antwortet sie mir. Und fügt, wohl wissend um die klar geregelte Nachtruhe im Zeltlager, hinzu: "Wir waren halt noch lange in der Kirche – zum Beten".

Ich komme mir zwar ziemlich veralbert vor, sage aber nichts.
Einen Tag später bin ich froh drum. Denn: was nach leicht durchschaubarer Ausrede klang, ist wirklich wahr. Als ich gegen Mitternacht aus der Kirche komme, winken mir ein paar der Mädchen fröhlich zu: "Wir gehen noch ein bisschen beten" und verschwinden im Innern der Kirche.

Das Abendgebet, an dem alle teilnehmen, ist schon seit Stunden zu Ende, der einzige Treffpunkt für den späteren Abend, das Oyak, macht halb zwölf die Lichter aus. Wer dann noch nicht schlafen will, hat nicht viele Alternativen. Beten scheint da durchaus attraktiv zu sein.

Wer sich darauf einlässt, der kann hier erfahren: Ich bin nicht allein. Da sind noch andere, die auf der Suche sind. Menschen, die sich angezogen fühlen von der besonderen Atmosphäre einer Gebetsgemeinschaft, die geprägt ist von wunderschönen Gesängen, kurzen Gebeten, Impulsen aus der Bibel und viel Stille.

Beten ist hier nicht anstrengend, sondern eher eine Oase für die Seele.
Und die Tatsache, dass ganz normale Sechzehnjährige nach drei langen Gebetszeiten am Tag noch eine Nachtschicht einlegen, ist für mich sowohl verrückt als auch faszinierend.

Wie viel Gespür für Echtheit und wie viel Sehnsucht nach Gott steckt doch in dieser Erfahrung. Das lässt sich im Alltag sicher nicht immer durch tragen. Und dennoch – ich wünsche es auch Ihnen, liebe Hörer:
Inmitten unserer Betriebsamkeit eine Oase der Stille, die vielleicht auch zum Gebet werden kann.


Monika Münch

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30.06.2011 09:31
#225 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 30.06.2011 - Der Himmel

Liebe Hörer, wie stellen Sie sich eigentlich den Himmel vor? Vielleicht als Ort des Lichtes fernab aller Dunkelheiten? Oder ist Himmel für Sie eher mit Emotionen verbunden - mit Harmonie und Frieden etwa oder auch mit: Langeweile? Der Himmel ist nicht greifbar, deshalb fasziniert er uns Menschen, weckt die Neugierde, lässt Bilder entstehen. Die schönsten Himmelsbilder stammen aus dem Munde Jesu. Das Himmelreich, das Königreich Gottes, war sein zentrales Thema. Jesu Geschichten sind mitunter rätselhaft, seine Bilder und Vergleiche jedoch immer aus dem Leben der Menschen gegriffen. Bei Jesus beginnt der Himmel nicht erst nach dem Tod. Nein, Gottes neue Welt ist für uns Menschen schon heute erfahrbar: Immer da, wo Menschen sich nach dem Guten ausstrecken und wirklich lieben. Immer da, wo Menschen erahnen: Es gibt mehr, als unsere Augen sehen können. Aus Jesu Sicht kann es in unserem Leben durchaus himmlische Erfahrungen geben. An einem Morgen in Taize sind wir aufgefordert, neue Bilder vom Himmelreich zu erfinden. Die Jugendlichen sind irritiert. Die meisten kennen die Gleichnisse vom kleinen Senfkorn, aus dem ein großer Baum hervorgeht, vom Sämann, vom Unkraut im Weizen. Es ist doch schon alles zu diesem Thema gesagt worden, oder nicht? So lässt sich das Gespräch in unserer Kleingruppe mühsam an.

Welche Bilder taugen als Vergleiche, welche dürfen wir so etwas Heiliges nehmen? Irgendwann platzt der Knoten: "Mit dem Himmelreich ist wie mit Facebook. Es ist nach allen Seiten offen. Du bist nie allein. Wer es einmal entdeckt hat, bleibt für immer.“ Stolz sind sie auf ihren Text - mit Facebook können alle was anfangen. Ein Schlüsselwort, in dem mehr mitschwingt als sie in ein paar Sätzen ausdrücken können. Aus den anderen Gruppen kommen ähnliche Vergleiche - allesamt frisch und unkonventionell. Es sind kurze Texte, die Bilder sprechen für sich. Ganz am Ende stehen zwei Jugendliche vorn. Sie halten einen kleinen Gegenstand in der Hand und sagen: "Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schweizer Taschenmesser - da ist alles drin, was man braucht".

Monika Münch

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01.07.2011 13:56
#226 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Freitag, 01.07.2011 - Gemeinsam singen

Musik ist in Taize ein ganz besonderes Thema. Mehrstimmige Gesänge, die meistens nur aus wenigen Versen bestehen, sind das prägende Element der gemeinsamen Gebete. Die Texte entstammen zumeist der Bibel. Sie werden in zahlreichen Sprachen gesungen und spiegeln so die Bandbreite derjenigen wieder, die sich in Taize in die Gruppe der Betenden einreihen. Ich genieße das gemeinsame Singen, auch, wenn ich gelegentlich nachschauen muss, was ich da eigentlich singe. Die vielen Wiederholungen lassen Raum für so manchen Gedanken, der mir durch den Kopf geht. Und manches Lied lenkt meine Gedanken in eine bestimmte Richtung: "Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, bei ihm ist Trost und Heil. Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein."

Während die Kirche voll ist vom Gesang der vielen Stimmen, denke ich an unsere Jüngste. Emilia hat gerade mal wieder eine Fremdelphase. Sie scheut sich vor Leuten mit einer Brille und vor Frauen mit langen, dunklen Haaren. Aus irgendeinem Grund schrillen bei ihr dann die Alarmglocken. Die sonst so mutige Anderthalbjährige verkriecht sich bei mir und möchte auf meinen Arm. Und auch dort presst sie sich an mich, wendet sich ab, um den größtmöglichen Abstand zwischen sich und ihrem Gegenüber zu bringen. Mit den Händen vor dem Gesicht verharrt sie reglos und wartet, dass die Gefahr vorübergeht. Die Situation berührt mich immer wieder. Welch ein Vertrauen setzt dieses kleine Menschenkind in mich? Emilia verlässt sich völlig auf mich, denn: solange Mama da ist, kann schließlich nichts passieren. "Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind…"

Meine Gedanken wandern zurück und während ich noch singe, merke ich - hier ist noch viel mehr gemeint: sich geborgen fühlen – still wie ein Kind – Frieden finden – das gilt nicht nur für meine Tochter. Diese Einladung gilt auch mir. Es ist sozusagen eine Einladung von ganz oben. Denn: So wie ich ein sicherer Hort für Emilia bin, so will Gott ein Ort der Geborgenheit und der letzten Sicherheit für mich sein. Auch als Erwachsene muss ich nicht immer nur geben. Das Wichtigste wird mir geschenkt. Ich muss es nur zulassen. Das dafür nötige Vertrauen kann ich mir dabei getrost von unserer Jüngsten abgucken.


Monika Münch

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02.07.2011 15:56
#227 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Sonnabend, 02.07.2011 - Wer glaubt, ist nicht allein

Die Jugendlichen, die mit uns eine Woche lang in Taize sind, bereiten sich auf die Firmung vor. Die Firmung ist in der katholischen Kirche eines der sieben Sakramente und beinhaltet sowohl eine persönliche Entscheidung für den Glauben, als auch die Stärkung durch den Heiligen Geist. Weil die Jugendlichen an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehen, wird es auch das "Sakrament der Mündigkeit" genannt.

Wir begleiten die 14 bis 16-Jährigen schon seit fast einem Jahr. Woche um Woche haben wir uns in kleinen Gruppen getroffen, Fragen aufgeworfen und gemeinsam nach Antworten gesucht, Projekte begleitet und wie nebenbei viel von den Sorgen und Hoffnungen der Jugendlichen erfahren. Die Fahrt nach Taize ist ein Teil der Firmvorbereitung, und ich staune, wie bereitwillig sich alle auf das Geschehen in dieser Woche einlassen. In einer Gesprächsrunde fragt einer der Brüder von Taize die Jugendlichen: „Warum wollt ihr euch eigentlich firmen lassen?“ Alle sind gefragt, keiner kann sich wegducken. Manch einer kommt ins Schwitzen. Ich bin gespannt. Erst zögernd, dann etwas mutiger erzählen die Firmlinge: Eine eigene Entscheidung von Tragweite treffen zu dürfen, sei ihnen wichtig. Und: immer wieder die Erfahrung von Gemeinschaft, die auch die Tage in Taize stark prägt. Einer sagt schlicht: "Ich weiß nicht sehr viel, aber ich glaube an Gott. Deshalb ist es doch klar, dass ich mich firmen lasse."

Mich berührt solche Aufrichtigkeit. Dieser 16-Jährige hat begriffen, dass es nicht um fertige Antworten gehen kann, wenn man versucht, seinen Glauben und seine Hoffnungen in Worte zu fassen. Firmung ist eine Wegstation. Ein Mädchen führt den Gedanken weiter: „Ich lasse mich firmen, weil ich dann in der ganzen Welt zuhause sein kann.“ Was für ein toller Gedanke! Wer gefirmt ist, gehört zur Kirche, zu einer Kirche, die über den ganzen Erdball verteilt ist. Und egal, wohin es mich einmal verschlägt, ich werde Menschen treffen, die meinen Glauben und meine Hoffnung auf Zukunft teilen. Papst Benedikt XVI. hat das so ähnlich ausgedrückt: "Wer glaubt, ist nicht allein."


Monika Münch

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04.07.2011 13:44
#228 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 04.07.2011 - Peinlich

Simon ist sieben Jahre alt. Braune Augen und schwarze Haare hat er wie sein Vater. Simon ist eher ein ruhiger Junge. Er denkt gründlich nach, bevor er sich äußert. Ein klarer wiederkehrender Tagesablauf tut ihm gut und dazu gehört, dass Mutter und Vater am Morgen und Abend wenigstens eine Geschichte lang für ihn Zeit haben.

Neulich dachte Simon über die Zukunft nach - seine Zukunft. Vater fragte besorgt, wieso er sich über die Zukunft Gedanken mache und meinte, Simon hätte die Folgen des Reaktorunglückes oder der Erdbeben und Vulkanausbrüche der letzten Monate noch als Bilder vor Augen. "Ich weiß nicht, was aus mir werden soll!" äußerte Simon unsicher. "Auf jeden Fall nicht Polizist und Pilot!" "Warum nicht?" fragte der Vater. "Das ist mir zu unsicher. Polizisten können erschossen werden und Piloten stürzen vielleicht ab. Und Pfarrer werde ich auch nicht!" fügte er entschieden dazu.

Simon gehört zu jenen Kindern, die regelmäßig in unserer Gemeinde zum Gottesdienst kommen. Wir kennen uns gut. Sein Vater reagierte: "Aber Pfarrer stürzen nicht ab und werden in der Regel auch nicht erschossen!" Simon darauf: "Aber es ist peinlich, in so einem schwarzen Mantel vor so vielen Menschen zu stehen!" – Wir mussten lachen als wir von Simons Argumenten hörten. Wer möchte schon einen Beruf, der für einen peinlich ist? Simon ist inzwischen getauft. Bei der Vorbereitung war für uns wichtig, dass er spürt, Taufen ist nicht peinlich, sondern gibt ein Gefühl von Sicherheit. Ich denke an die ehemalige Bischöfin Margot Käßmann als sie im Februar 2010 schweren Herzens ihren Rücktritt erklärte. Dass sie mit Alkohol im Blut am Steuer saß und dabei kontrolliert wurde, war ihr peinlich. Sie schrieb am Ende ihrer Erklärung: "Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand." Vielleicht denken Sie daran, wenn Ihnen heute etwas Peinliches unterläuft oder Sie unsicher werden.


Christian Mendt

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05.07.2011 10:33
#229 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 05.07.2011: Charlotte

Charlotte ist zehn und charmant. Sie hört gut zu und keiner kann ihr etwas vormachen. Im Religionsunterricht versteht sie nicht, warum Adam und Eva durch das Essen eines Apfels vom Baum der Erkenntnis zu Sündern geworden sein sollen. "Was sind Sünder?" fragt sie. "Menschen, die sich von Gott getrennt haben." "Aber wieso trennen sich Adam und Eva von Gott, wenn sie nur vom Baum der Erkenntnis essen? Trenne ich mich dann auch von Gott, wenn ich in der Schule Erkenntnisse über die Welt lerne?" Die Lehrerin antwortet: "Umso mehr Menschen über die Welt und über sich selbst wissen, umso mehr wollen sie selbst sein wie Gott. Sie meinen, sie könnten die Welt neu erschaffen und den Menschen neu erschaffen und dabei gefährden sie die Welt."

Charlotte überlegt: "Sie meinen, dass mancher Fortschritt gar nicht so fortschrittlich ist, wie zum Beispiel die Entdeckung der Kernenergie." "Ja, das ist ein gutes Beispiel. Aber ich denke nicht nur an diese großen Probleme, sondern es beginnt schon im Alltag. Zwischen uns Menschen. Wir wollen zum Beispiel jemanden etwas Gutes sagen und dann wirkt es gar nicht gut auf ihn." "Zum Beispiel?" fragt Charlotte. "Wenn ich beispielsweise merke, dass ein Schüler im Unterricht sehr unruhig ist und keine Kraft hat sich zu konzentrieren. Und anstatt, dass ich ihn frage, was ihn beschäftigt, werfe ich ihm an den Kopf, dass er mich nervt." Charlotte bestätigt: "Ja, das stimmt! Das geht mir auch manchmal so und dann schaukelt sich das Gespräch hoch. Am Ende fragt man sich, warum man sich eigentlich streitet." "Eben" erwidert die Lehrerin. "Streit trennt Menschen und Streit zwischen Menschen trennt von Gott. Denn Gott ist die Liebe – heißt es in unserer Bibel. Und wo Liebe ist, da ist Gott." Das ist der Kern unserer Bibel. Darum ist Religion im Alltag so nötig.


Christian Mendt

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06.07.2011 10:15
#230 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Mittwoch, 06.07.2011: Weil alles gut wird

Samstagmorgen gehe ich zum Briefkasten. Am Zaun steht ein langer Kerl mit Cowboyhut, in Ledergamaschen, gespornten Stiefel und langem Trappermantel. An der Seite baumelt ein Colt. Gespornte Stiefel? Ich schaue mich im Garten um, ob da nicht zufällig ein Pferd grast. Nein, kein Pferd, aber zwei Frauen im Outlook der Westernstädte suchen das Grundstück ab. "Ist das die Villa Bärenfett?" fragt mich der Westernheld. "Nein, nebenan“ sage ich. Klar, wir haben ja Karl-May-Festtage und in Radebeul trifft sich der Wilde Westen, manchmal auch in unserem Garten. Kein geringerer als der jetzt 82-jährige Winnetoudarsteller Pierre Brice war der Schirmherr dieses Festes und sichtlich gerührt, über soviele Fans. Sie lieben ihn, den klugen, beherrschten Häuptling und Blutsbruder mit dem guten Herzen. Was treibt Menschen dazu, sich so für die Zeit des Wilden Westens zu interessieren? Sind es nicht ausgelebte Kinderträume? Ist es die romantische Gefühlsmischung aus Drang nach Freiheit, einfachem Leben und neuem Anfang? Wir unterhalten uns darüber. "Es tut gut zu wissen: Wir gehören zu den Guten." Das leuchtet ein. Unsere Welt ist kompliziert. Gut und Böse lassen sich oft schwer unterscheiden. Da ist es schon einfacher, in eine Welt einzusteigen, wo der Gute von vornherein als Gewinner fest steht.

Wie anders der Christus aus unserer Bibel. Für die Welt war er ein Verlierer. Er kämpft nicht, sondern lässt sich ans Kreuz nageln. Er läuft ohne Waffen. Er reitet nicht einmal ein Pferd, sondern ist meistens zu Fuß unterwegs. Er streitet nur mit dem Wort für die Güte Gottes und heilt jeden, der ihm vertraut. Selbst Christen tun sich bis heute schwer, diesen Mann mit seiner Lehre nachzuahmen. Vielleicht, weil es schwerer ist, auf das eigene Herz zu hören, als auf den Colt im Halfter. Der schnell schießende Westernheld ist auf Dauer keine Lösung. Er macht neue Fronten auf. Vielleicht sind die jährlichen Festtage in Radebeul ein Einstieg, diese biblische Erkenntnis zu verstehen. "Überwinde das Böse durch Gutes," damit keiner verliert, sondern alle das Leben gewinnen.


Christian Mendt

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07.07.2011 11:55
#231 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 07.07.2011: Basketball des Lebens

Der sympathische Lange aus Würzburg hat es geschafft. Jetzt ist er unsterblich: Dirk Nowitzki hat als erster deutscher Basketballer im Juni den Meistertitel in der NBA gewonnen – und ist zudem noch als "wertvollster Spieler" der Finalserie ausgezeichnet worden. Die NBA ist weltweit die oberste Liga für Basketballer. Der deutsche Dirk Nowitzki steht an ihrer Spitze. Seine Art, zu spielen und zu gewinnen hat nicht nur mit seiner Körpergröße zu tun, sondern mit seinem Teamgeist, der Technik und ein hohes Maß an Fairness. Technik und Geschwindigkeit gehen vor Körperberührung und Gewalt.

Basketball ist ein schneller Kampf auf engem Raum, ohne brutale Zusammenstöße. Sein Erfinder war ein kanadischer Arzt und Pädagoge. Er war Mitglied des Vereins Christlicher Junger Männer und hatte von seinem Schuldirektor den Auftrag erhalten, im Wintersemester für eine Studentengruppe ein neues weniger brutales Hallenspiel zu entwickeln. Denn im Winter sorgte der American Football in der Sporthalle für viele Verletzungen.

Wie der Ball, so im Leben. Sein Leben annehmen, als sei es mir ein von Gott zugespielter Ball. Diesen Ball Leben festhalten, bleibt die Aufgabe eines jeden. Dann gelingt Leben. Und diesen Ball rechtzeitig loslassen können bzw. abgeben können, ist Sterbekunst. Denn kein Leben fängt einfach bei Null an. Wir knüpfen immer an Vorangegangenes an. Denn wir gehören uns nicht allein, sondern – wie im Spiel der Ball – treffen wir nur den Korb, wenn wir mit anderen zusammen spielen bzw. zusammenleben. "Haben als hätte man nicht!" beschreibt unsere Bibel eine Grundhaltung. Das funktioniert nur, wenn wir annehmen, festhalten und abgeben können, weil das Leben nicht mein, sondern unser Ball ist. Vielleicht achten Sie heute darauf, wann Ihnen jemand einen Lebensball zuspielt, wann sie in festhalten und wann sie ihn wieder abspielen sollten.

Christian Mendt

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08.07.2011 08:19
#232 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Freitag, 08.07.2011: Wahrheit

Heute geht ein Schuljahr in Sachsen zu ende. Schüler erhalten Zensuren und Lehrer fragen sich, ob die von Ihnen gegebenen Einschätzungen und Beurteilungen für Schüler und Eltern hilfreich sind oder abgelehnt werden. In unserer Zeit eine zutreffende Beurteilung zu den Lernleistungen eines Schülers zu schreiben, ist nicht einfach. In manchen Schulordnungen ist festgehalten, dass Zeugnisformulierungen in Berichtsform (meist in der 1. und 2. Grundschulklasse) keine negativen Bemerkungen enthalten dürfen. Dahinter steht eine pädagogische Grunderkenntnis, dass Positives motiviert und Negatives demotiviert. Allerdings erscheint mir diese Grunderkenntnis nicht immer hilfreich. Sie verpackt eine Rückmeldung in Watte, wo Klartext angebracht wäre. Denn mir scheinen immer häufiger wohlgemeinte positive Aussagen zu Leistungsmangel die Tatsachen so zu verschleiern, dass der Betroffene überhaupt nicht an eine Änderung seines Verhaltens denkt.

Ein inzwischen im Internet für jeden nachzulesender Kodex hat sich gebildet. Wenn in einer Beurteilung zum Beispiel steht: "Sie bemühte sich um sorgfältige Heftführung." Dann ist damit im Klartext gemeint: "Sie arbeitet immer noch schlampig." Oder: "Er erledigte seine Aufgaben im Allgemeinen sorgfältig" Das soll nichts anderes heißen als: "Er erledigt seine Aufgaben ganz und gar nicht immer." Wie würden Sie diese positiven Rückmeldungen heute vestehen? – Ich würde lesen, dass meine Tochter, mein Sohn in der Schule gute Schüler sind bis auf kleine Mängel.

Warum tun wir uns mit der Wahrheit so schwer? Unsere Bibel ist realistischer. Wir Menschen sind schwerfällig, wenn es darum geht, unser Verhalten zu bessern. Wir brauchen Wahrheit. Jesus hat das einmal so formuliert mit Blick auf die großen Wahrheiten in unserem Leben. "Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen." Ihm ging es dabei um unser ganzes Leben. Aber heute geht es nur um die Beurteilung eines letzten Schuljahres. Eine klare Rückmeldung, was gut und was schlecht war, erscheint mir hilfreich.

Christian Mendt

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11.07.2011 11:45
#233 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 11.07.2011: Ich weiß schon, was du meinst

"Ich weiß schon, was du meinst." "So? Na dann erzähl mal!" Leider tauscht man sich selten auf diese Weise aus. "Ich weiß schon, was du meinst!", denke ich stattdessen bei mir, "du brauchst es mir gar nicht zu erklären!" Erst wenn jemand so mit mir umspringt: zu wissen meinen, was ich meine, fällt mir auf, wie gemein das ist. "Ich weiß schon, was du meinst" – da kann man sich auch ganz schon täuschen!

Immer wieder einmal erzählt mein Vater schmunzelnd von dem Zugbegleiter, den er fragte, ob das der Zug nach Varna sei – denn dorthin wollten meine Eltern fahren. Der Mann in Uniform schüttelte den Kopf. Und so ließen meine Eltern den Zug abfahren und kamen dann erst sehr umständlich und mit großer Verspätung nach Varna. "Ich weiß schon, was du meinst!" – Ja, eben nicht. Ein Bulgare schüttelt den Kopf, wenn er "Ja" meint. Und er nickt, um etwas zu verneinen. Ja, wenn der Mann am Zug ein unverständliches Zeichen gemacht hätte, etwa eine Kreisbewegung! So aber hat er den Kopf geschüttelt – alles klar! Aber leider falsch.

"Ich weiß schon, was du meinst!", falle ich meinem Gegenüber ins Wort. "So? Na dann erzähl mal!" "Entschuldige, ich habe dich unterbrochen!" "Schon gut!" Und dann geht der Satz, den ich abkürzen wollte, plötzlich ganz anders weiter als erwartet. Am Ende von Psalm 139 heißt es: "Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine." Und, so setze ich hinzu: Hilf mir erkunden, wie es der andere meint.


Jörg Herrmann

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12.07.2011 13:21
#234 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 12.07.2011: "Irgendwie hat der was gegen mich"

Bernd meint von Arnd, dass der ihn nicht mag. Was gar nicht stimmt! Arnd macht sich über Bernd viel weniger Gedanken, als dieser vermutet. Aber aus irgend einem Grund scheint das für Bernd festzustehen: „Arnd mag mich nicht. Er hat etwas gegen mich. Ich merke es doch an der Art, wie er mit mir umgeht!“
Eines Tages erfährt Arnd, wie abfällig sich Bernd über ihn äußert. „Irgendwie hat der was gegen mich“, denkt jetzt Arnd über Bernd. Er gibt sich Mühe, ist besonders freundlich zu Bernd, fragt nach seinem Ergehen, versucht, konstruktiv zu sein. Das Gesicht von Bernd hellt sich dadurch nicht auf. Es scheint, als empfinde er die Freundlichkeit von Arnd als aufgesetzt, als falsch. Arnd merkt nur die unfreundliche Oberfläche, und er wird aus Bernd nicht schlau. Und eines Tages wird ihm die angespannte Stimmung zu viel. Er ist ärgerlich und reagiert abweisend auf Bernd. Und erfährt etwas später, dass Bernd daraufhin anderen erzählt hat: „Ich habe es die ganze Zeit gewusst! Arnd kann mich nicht leiden!“ Tja, nun stimmt es auch. Das hat Bernd erreicht. Eine „sich selbst erfüllende Prophezeihung“. Aber zu Anfang, als es noch nicht so war? Wie kam Bernd darauf? Warum meinte er, dass Arnd ihn nicht leiden kann? Der Grund muss in ihm selbst liegen. Und wahrscheinlich so tief, dass Bernd selbst sich gar nicht klar ist darüber.Am Ende von Psalm 139 heißt es: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.“ Nicht immer weiß ein Mensch, was in seiner eigenen Seele vorgeht. Darüber macht sich Arnd nun seine Gedanken. Und wünscht sich, Bernd verstehen zu können. Ach, wenn doch Bernd von diesem Wunsch wüsste!


Jörg Herrmann

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13.07.2011 16:13
#235 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Mittwoch, 13.07.2011: "Das habe ich nie gesagt!" "Doch, hast du!"

"Und wann soll ich das gesagt haben, in welchem Zusammenhang?" Die Erinnerung daran ist völlig verschüttet. Nur ganz langsam taucht sie wieder auf, dämmernd. Ist es möglich, dass ich das vergessen haben sollte? Es ist möglich! , … so wird mir erschreckend klar.

An meiner Großmutter habe ich das erlebt. Als Kind war ich sehr gern im riesigen Garten meiner Großeltern. Dort gab es einen „Teich“, in dem man baden konnte. Molche waren dort zu beobachten, und manchmal eine Blindschleiche. Am schönsten war es im Juni – in den Kirschbaum klettern und sich den Bauch vollschlagen! Schade, dass mein bester Freund das nicht miterleben konnte. „Na, dann bring ihn doch mal mit, deinen Freund!“, sagte Großmutter. Das merkte ich mir, weil es mich so freute. Im Sommer darauf erinnerte ich sie daran und fragte, wann denn mein Freund mal kommen könnte. „Was, das soll ich gesagt haben? Ich kenne doch deinen Freund gar nicht. Es wäre mir eigentlich nicht so recht, wenn du ihn mitbringst.“ So kannte ich Großmutter gar nicht: weder vergesslich war sie mir je vorgekommen, geschweige denn engherzig gegenüber den Wünschen ihrer Enkel. Deshalb fing ich an, an meiner Erinnerung zu zweifeln. Zum Glück erzählte ich meiner Mutter davon, und die erklärte, dass es durchaus möglich sei: dass Großmutter das voriges Jahr versprochen hatte, und dass sie sich aber tatsächlich nicht daran erinnern und auch nicht vorstellen konnte, so etwas gesagt zu haben. Es war das erste Mal, dass ich dem Phänomen der Verdrängung begegnet bin: Das Gedächtnis sortiert etwas Unangenehmes einfach aus. Wichtig zu wissen, dass mir genau das passieren kann!

Am Ende von Psalm 139 heißt es: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine.“ Nicht immer weiß ein Mensch, was in seiner eigenen Seele vorgeht. Das kann Gespräche ganz schön kompliziert machen.


Jörg Herrmann

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18.07.2011 10:00
#236 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 18. Juli 2011

„Zufrieden jauchzet groß und klein; hier bin ich Mensch, hier darf ich´s sein.“ So beschreibt
Goethes Faust die Stimmung beim Osterspaziergang im Angesicht der schön leuchtenden
Natur. Ähnlich werden die Empfindungen der vielen Menschen sein, die jetzt im Urlaub sind
oder sich darauf freuen. Dieses freudige Gefühl gönne ich allen, die in Urlaub fahren können,
und wünsche es auch denen, die daheim bleiben müssen und die frische Luft, die Sonne und
die Schönheit der Natur vielleicht nur durch das Fenster wahrnehmen können. Aber
gleichzeitig empfinde ich dieses so gerne zitierte Goethe-Wort als Motto für die
Urlaubsgefühle auch fragwürdig. Darf ich oder kann ich an anderen Orten und zu anderen
Zeiten nicht Mensch sein? Ist der Alltag bei der Arbeit so unmenschlich oder unerfreulich?
Bin ich da nur ein Rädchen im Getriebe, das zu funktionieren hat und sein Menschsein
unterdrücken muss? Muss ich da immer auf der Strecke bleiben mit meinen besondern
Gaben, Wünschen und Sehnsüchten? Und hängt damit zusammen, dass so viele Menschen
ihr letztes Geld zusammenkratzen, um möglichst oft und möglichst weit zu reisen? Nicht
ohne Grund gelten die Deutschen als Reiseweltmeister. „Ich lebe eigentlich immer nur von
Urlaub zu Urlaub“, sagte neulich eine Bekannte. Das finde ich bedenklich. Irgendetwas
stimmt da nicht, wenn man die Arbeitszeit gar nicht mehr als erfüllte Lebenszeit erleben
kann. Was ist faul in unserer Arbeitswelt? Gibt es da zu viel Zeitdruck und zu viel Zwang
zur Anpassung? Und was kann der Einzelne dagegen tun? Vielleicht sollten wir mehr
darüber nachdenken, wie sich die schönen Erfahrungen des Menschseins im Urlaub mit in
den Alltag nehmen lassen: Sich Zeit nehmen zu persönlichen Gesprächen, die Augen offen
halten für die Wunder des Lebens und der Schöpfung, die es doch auch im Alltag gibt: der
freundliche Blick, das heitere Gespräch, der Vogel vor dem Fenster, die Blume im Garten.
Ich bin überzeugt: Mit etwas Nachdenken wird jeder auch in seinem Alltag und in seinem
Beruf allerlei finden, was ihm Spaß macht, worauf er sich freut, wofür er dankbar sein kann.
„Sagt allezeit Gott Dank für alles“ heißt es in der Bibel. Allezeit – nicht nur in der
Ausnahme-Situation des Urlaubs.


Karl-Heinrich Lütcke

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19.07.2011 12:41
#237 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 19.07.2011 - Ein Leben wie im Paradies

Liebe Zuhörer, hatten nicht auch Sie schon einmal Sehnsucht danach? Eine Gruppe von Görlitzer Kindern geht heute dieser Frage nach. Der 9-jährige Sebastian zeigt mir sein Bild, auf dem vier Cola-Flaschen, Gummibärchen und eine Pizza zu sehen sind. In der Ecke entdecke ich noch ein kleines Computerspiel. Ich muss schmunzeln. "Und wer ist das?" - frage ich und tippe auf ein Strichmännchen am oberen Bildrand. "Na das bin ich!", "Und wie gefällt es dir in deinem Paradies?" möchte ich wissen. "Na gut, denn ich habe alles was ich mag.“, antwortet mir Sebastian. Plötzlich ruft die kleine Patrizia "Ich finde dein Paradies doof!" Der kleine Sebastian empört sich und fragt verärgert "Warum denn?" - "Na weil du ganz alleine bist!“ Es entsteht ein kleiner Streit. Doch plötzlich greift Sebastian zum Stift und malt kurzerhand vier weitere Strichmännchen in sein Bild. Auf die Frage, wer das denn nun sei, antwortet Sebastian: "Na meine Schwester, meine Eltern und mein Freund Max."

Liebe Zuhörer, manchmal merken wir erst, was wir aneinander haben, wenn der andere fehlt. Das kann für Kinder ein verlorenes Kuscheltier sein. Für Jugendliche am Ende der Schulzeit die gewohnte Umgebung der Klasse. Für Eltern nach dem Auszug der eigenen Kinder das seltsame Gefühl der nun leer gewordenen Wohnung. Und beim Abschied eines geliebten Menschen aus dieser Welt ist es die Trauer und der Schmerz über den Verlust. Wenn Jesus Christus in der Bibel vom Paradies spricht, dann meint er nicht ein Land, in dem wir ohne Mühe die Sehnsucht nach unseren meist irdischen Genüssen gestillt bekommen. Jesus Christus möchte sein Paradies schon hier und jetzt immer mehr sichtbar werden lassen. Im Zentrum seines Interesses stehen dabei die Menschen, die einander tragen und manchmal auch ertragen müssen. Jesus Christus trägt einen jeden von uns, so wie er ist - mit unseren Stärken, Fähigkeiten und Begabungen, aber eben auch mit unseren Schwäche und unserem Scheitern. Diese Annahme schenkt mir Liebe, Vertrauen und Freiheit - für mich ein Leben wie im Paradies.


Kaplan Markus Kurzweil

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20.07.2011 09:17
#238 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Mittwoch, 20.07.2011 - Abschied ist ein scharfes Schwert

Liebe Zuhörer, sicher kennen Sie den alten Schlager von Roger Whittaker, in dem er beschreibt, welchen Schmerz doch ein Abschied immer wieder unserem Herzen zufügt. Nun wissen wir, es gibt unzählige Abschiede in unserem Leben: Kinder wechseln die Schule und müssen sich so von der liebgewordenen Umgebung verabschieden, manch Erwachsener muss sich durch plötzliche Arbeitslosigkeit von seiner Arbeit trennen, und im Alter müssen wir uns von der Vorstellung eines gesunden und unversehrten Körpers verabschieden.
Und meist ist mit jeder dieser Situationen auch ein gewisser Schmerz verbunden, vieles bleibt zudem ungeklärt, unverstanden und so manches Problem ungelöst. In unserer religiösen Kinderwoche sprechen wir heute auch über die Erfahrung des Abschiednehmens. Die kleine Anna erzählt von dem traurigen Tag, an dem ihre beste Freundin Miriam mit ihrer Familie etwa 150 km weit wegzieht. Ihr Vater hatte dort ganz plötzlich eine neue Arbeitsstelle bekommen. Eine schöne große Wohnung war auch schon gefunden. Aber 150 km weit! Anna ist traurig, denn nachmittags gemeinsam spielen, sich eben schnell mal besuchen und morgens gemeinsam zur Schule gehen - all das ist dann nicht mehr möglich. Und plötzlich war er da - der Tag des Abschieds. Doch Anna hatte sich etwas überlegt. Aus ihrer Tasche holt sie ein selbst geknüpftes Freundschaftsbändchen, bindet es Mirijam um ihr Handgelenk, drückt sie noch einmal und sagt: "Das Freundschaftsbändchen soll dich an mich erinnern, damit du mich niemals vergisst."


Kaplan Markus Kurzweil

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21.07.2011 10:15
#239 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 21.07.2011 - Nichts für Kinder!

"Kinder können da nicht mit", sagte die Mutter. "Aber ich möchte wissen, was da gemacht wird" sagte der kleine Christian. "Es ist zu traurig für dich" sagte die Mutter. "Aber ich heule bestimmt nicht", wehrte sich Christian. Die Mutter sagte noch eine Menge: dass es eine ernste Feier sei, bei der die Leute schwarze Kleider anhaben, dass Kinder dort stören und dass es gar keinen Grund gäbe, Christian mitzunehmen, weil sie mit dem alten Mann von nebenan nicht einmal verwandt gewesen seien.

Liebe Zuhörer, ist der Friedhof ein Ort für Kinder? In der religiösen Kinderwoche wagen wir den mutigen Versuch und besuchen einen Friedhof. Zuvor haben wir noch ein paar Grabgestecke gebastelt und rote Grablichter gekauft. Ich bin gespannt, wie die Kinder reagieren werden. Wir stehen vor einem ersten Grab. "Wer ist das?", fragt ein Kind. Doch ich weiß nicht viel über die Verstorbene und sage: "Die Frau ist aus unserer Gemeinde, sie ist sehr alt geworden und liegt hier neben ihrem Mann." Wir legen das kleine Grabgesteck ab und entzünden das rote Licht. Ich spreche ein kurzes Gebet und ende mit den Worten "Das ewige Licht leuchte ihr!". Da äußert sich ein Kind verwundert: "Aber die Kerze kann doch nicht bis in die Erde leuchten!". Dieses Licht nicht, da hast du recht, aber wir wünschen ihnen, dass sie Jesus Christus finden - und er ist das ewige Licht." Nach kurzem Zögern sagt der Junge: "Wenn sie dadurch Jesus im Himmel finden, dann sollten wir hier überall Kerzen entzünden." Ich muss schmunzeln.

Liebe Zuhörer, bei jedem Friedhofsbesuch erinnern wir uns an den Gräbern unserer lieben Verstorbenen an die gemeinsame Zeit mit ihnen. Wir danken ihnen für das Licht, das sie uns in ihrem Leben geschenkt und denken an die Momente, da sie unser Leben erhellt haben. Doch nichts von diesen lichten Augenblicken geht mit dem Tod verloren, sie bleiben aufgehoben in unseren Erinnerungen und aufgehoben bei Gott. Auch im Tod sind wir Menschen in Gottes Händen gehalten und getragen. Jesus hat von sich gesagt: "Ich bin das Licht der Welt" und "Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben." In dem vagen Bewusstsein, für die Verstorbenen etwas Gutes getan zu haben, gehen wir mit den Kindern nach Hause, nach dem wir an knapp 30 Gräbern gebetet haben: "Das ewige Licht leuchte ihnen."


Kaplan Markus Kurzweil

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22.07.2011 08:56
#240 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Freitag, 22.07.2011 - Mit dem zweiten sieht man besser.

In der vergangenen Woche habe ich eine ältere Dame im Krankenhaus besucht. Ihr Gesicht war blass und von ihrer Krankheit bestimmt. Die vom Alter gezeichneten Falten wirkten auf den ersten Blick verbittert, müde und krank. Aber als wir uns dann miteinander unterhielten, entdeckte ich ein höchst lebendiges, spritziges und sogar humorvolles Gemüt dahinter. Doch dazu benötigte es eben noch einen zweiten Blick.Liebe Zuhörer, die katholische Kirche feiert heute den Gedenktag der Heiligen Maria Magdalena. Aus der Bibel wissen wir, dass sie beim Kreuz Jesu stand, dass sie beim Begräbnis Jesu dabei war und am Ostermorgen mit anderen Frauen zum Grab ging. Ihr ist Jesus Christus nach seiner Auferstehung zuerst erschienen. Doch wirklich erkannt hat sie ihn auf den ersten Blick nicht. "Sie weinte und dachte, es sei der Gärtner." - so lesen wir es in der Bibel. Voller Verzweiflung bittet sie den scheinbar fremden Mann, ihr zu sagen, wohin er den Leichnam Jesu gebracht hat. Jesus antwortet und sagt: "Maria!". Nun endlich erkennt sie den Auferstandenen und möchte ihn am liebsten festhalten.

Auch heute kann es uns immer wieder gelingen, den auferstandenen Christus mit dem zweiten Blick in unserem Alltag zu erkennen: z.B. dort wo ich genau wie Maria Magdalena mit meinem Namen angesprochen werde und merke, hier bin wirklich ich gemeint: Hier darf ich lachen, wenn ich lachen möchte; hier kann ich weinen, wenn ich weinen möchte; hier kann ich das leben, was in mir ist. Hier kann ich sein mit all dem was mich ausmacht, auch mit meinen Sorgen. "Kommt all zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt, denn bei mir findet ihr Ruhe." - so lädt uns Christus ein. Wo habe ich in meinem Leben solch einen Ort? Und kann nicht auch ich selbst für andere so ein Ort werden? Mit den Kleinsten unserer Religiösen Kinderwoche folgt am Abend ein Spiel, bei dem über den anderen einmal nur das gesagt wird, was er besonders gut kann." Es lohnt sich hier einmal genauer hinzuschauen, denn mit dem zweiten sieht man besser.


Kaplan Markus Kurzweil

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