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Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

14.10.2011 10:09
#261 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 14. Oktober - Marc Chagall

Der jüdische Künstler Marc Chagall stellte während der Zeit des Naziregimes etliche gesellschafts-
kritische Bilder her. Viele dieser Bilder wurden verbrannt. Chagall selbst musste in die USA fliehen.
In der Fremde erfuhr er dann vom Schrecken der Verfolgung: Viele seiner Verwandten und Freunde
wurden während dieser Zeit ermordet; sein Heimatort in Weißrussland wurde nahezu dem Erdboden
gleichgemacht. Es sollte einige Jahre dauern, bis sich Marc Chagall von diesem Schock erholte. In
den frühen Fünfzigern des 20. Jahrhunderts fing er schließlich an, die biblischen Geschichten zu
malen, mit denen er groß geworden war. Sein Hauptargument: Hätten die Verursacher der Judenver-
folgung die biblischen Geschichten und die darin enthaltenen Werte gekannt, wäre all das wohl nicht
passiert. So widmete er bald danach über zehn Jahre seines langen Lebens der Erstellung von zahl-
reichen Lithographien mit biblischen Motiven.

Diese hervorragenden Bilder können heute in dem französischen Museum in Nizza und in zahlreichen
Ausstellungen bewundert werden. Aus einer schlimmen Krise seines Lebens, wurden eine Vision und
deren Umsetzung geboren, deren Ergebnis wir noch heute bewundern können! Das Erleben von
Chagall kann uns dabei helfen, den Krisen unseres Lebens noch etwas Gutes abzugewinnen. Gott hat
uns seine Gegenwart für die schwierigen Zeiten unseres Lebens zugesagt.

Ein Lied der Bibel fordert uns sogar dazu auf, diese Notzeiten mit ihm durchstehen. Dort heißt es:
"Rufe mich an am Tag deiner Not, so will ich dich retten und du sollst mich dafür ehren."

Martin Kölli, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde für Menschen in Aschersleben

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

17.10.2011 11:04
#262 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Montag, 17. Oktober - Eine kleine albanische Nonne

Vor 21 Jahren fuhr eine kleine albanische Nonne nach Oslo um den Friedensnobelpreis in
Empfang zu nehmen. Ihren bürgerlichen Namen Anjezë Gonxhe Bojaxhiu kennen die wenigsten.
Unter ihrem Ordensnamen Mutter Teresa ist sie weltbekannt. Als junge Frau ging sie ins
Kloster nach Kalkutta. In der unbeschreiblichen Not dieser indischen Riesenstadt kümmerte
sie sich um Arme, Leprakranke und Sterbende. 1950 gründete sie den Orden
"Missionarinnen der Nächstenliebe", der sich weltweit für Arme einsetzt.

Als ihr 1979 der Friedennobelpreis überreicht wurde, erzählte sie diese Geschichte:
"Eines kam ich zu einer Hindufamilie mit acht Kindern, die schon lange Zeit hungerten
und brachte ihnen Schüssel mit Reis. Ihre Augen glänzten vor Hunger. Während ich noch
dort war, teilte die Mutter den Reis und ging mit einer Hälfte hinaus. Als sie zurückkam,
fragte ich sie, was sie getan habe. Sie antwortete: 'Sie sind auch hungrig.' Sie wusste,
dass ihre Nachbarn, eine Moslemfamilie, auch hungrig waren. Was mich am meisten
erstaunte, war nicht, dass sie den Nachbarn etwas mitgab, sondern dass sie in ihrem
Leiden, in ihrem Hunger wusste, dass noch jemand hungrig war. Sie hatte den Mut und
die Liebe zu teilen."

Eines Tages bat eine Schwester um 50.000 Rupien, um ein Kinderheim einzurichten.
Mutter Teresa lehnte ab. Die Schwestern hatten das Geld nicht. Am selben Tag verlieh ihr
die Regierung der Philippinen einen Preis und 50.000 Rupien Preisgeld. "Anscheinend will
Gott das Kinderheim", war ihre Reaktion und das Problem war gelöst. Heute vor zehn
Jahren wurde Mutter Theresa selig gesprochen.

Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

18.10.2011 10:42
#263 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 18. Oktober - Einfach mal richtig streiten

Neulich bin ich mit meiner neunjährigen Tochter nach Leipzig gefahren. Die beiden
Kleinen bleiben mit Mama daheim im Land der Frühaufsteher. Etwas frustriert meldet
sich am Abend Malwyne, die freche Erstklässlerin, übers Telefon: „Ohne Jola ist es richtig
langweilig. Ich habe niemanden, mit dem ich mich streiten kann.

Grund genug einmal über die positiven Aspekte von Streit nachzudenken. Viel zu schnell
sind wir dabei, Streit als etwas abzutun, was wir nicht brauchen. Doch oft klärt ein
ordentlich geführter Streit weitaus besser Probleme, als wenn über schwierige Themen
der rosarote Mantel der Liebe gebreitet wird. Ein richtig guter Streit ist ein Erlebnis. Denn
darin geht es um die Sache, um richtige Lösungen und nicht darum, sich gegenseitig
abzuqualifizieren. Streit kann sehr produktiv sein.

Im Unterschied zu Streithähnen akzeptieren sich Streitpartner trotz ihrer unter-
schiedlichen Meinungen, pflegen einen offenen und ehrlichen Umgang und lassen
Hinterhältigkeiten einfach draußen. Wer zu so einem Streit in der Lage ist, darf inhaltlich
ruhig die Fetzen fliegen lassen. Was jeden guten Streit tötet, ist ein geistloses Klima, in
dem plump gegenseitig Vorwürfe um die Ohren gehauen werden.

Zurück zu unseren Töchtern. Eigentlich mögen sie sich, spielen zusammen, ärgern ihre
Eltern und kommen im Großen und Ganzen mit sich und der Welt klar. Keine Frage:
Diese beiden Streithammel gehören zur Familie. Langweilig ist es bei uns nicht!

Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

19.10.2011 14:06
#264 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 19. Oktober - Scheintote in Fußgängerzonen

Juni 2011: Dresden erlebt bei strahlendem Sonnenschein den 33. evangelischen
Kirchentag. Auf der Prager Straße, der Dresdner Flaniermeile steht ein ziemlich ernst
daher blickender Mann und reckt ein Pappschild in die Höhe: "Bist Du vorbereitet auf den
Tod?", verkündet es warnend mit selbstgemalten Buchstaben. Er sieht recht unerlöst aus,
wie er sich da mit trotzigem Elan gegen all die Vorbeieilenden stellt.

Die Frage dahinter soll uns wahrlich erschüttern, zum Nachdenken bringen und uns
unserer Begrenztheit bewusst machen. Was wird das für ein Mann sein, der da, trotz
allem Kopfschütteln, sein warnendes Fragen in den Himmel sticht: Ein unerkannter
Prophet? Ein Mahner und Rufer? Ein Heiliger?

Wohl eher nicht, denn, entschuldigen Sie bitte die Direktheit: er stellt schlicht die falsche
Frage. "Bist Du vorbereitet auf die Auferstehung", müsste diese lauten. Diese Frage ist
spannender und vor allem mit viel mehr Leben gefüllt als das morbide Drohen. Die
Botschaft der Bibel sucht die Lebenden nicht bei den Toten und so, verzeihen sie den
frechen Ton, glaube ich einfach nicht daran, dass Scheintote mit ihrem angstbesetzten
Gottesbild die richtigen sind, den Gott des Lebens zu verkünden. Natürlich sollen wir den
Tod nicht verdrängen. Und sicher darf uns der Tod eines lieben Menschen traurig
machen. Aber dann ist der Glaube gefragt. Christen können von ihrer Hoffnung sprechen:
davon, dass der Tod kein Schlussstrich ist sondern ein Doppelpunkt.

Mit dieser Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus muss sich niemand mit warnenden
Pappschildern in die Fußgängerzone stellen. Die Hoffnung des Glaubens heißt Vertrauen
in die Kraft des Lebens!

Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

20.10.2011 10:22
#265 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Donnerstag, 20. Oktober - Gewehre, die in jedes Haus gehören

"Das ist doch ein Lebendschießgewehr", sagte meine kleine Tochter als ich ihr den Holzstock mit dem
sie durch die Gegend ballerte, gerade wegnehmen wollte. Meine ungläubigen Augen können sie sich
vielleicht vorstellen. "Pass mal auf", sagte sie. "Peng - dort krabbelt jetzt ein Käfer! Bumm - hier lebt es
jetzt im Wasser! Krach - schau mal wie der Vogel fliegt!"

Ein Lebendschießgewehr, dafür sollte sie den Nobelpreis bekommen. Mich begeistert ihr Blickrichtungs-
wechsel. Mit so einer Knarre muss ich nicht darauf schauen, was ich zerstören will, sondern brauche
den Blick dafür, wo Leben nötig ist. Bei all den Konflikten, die in dieser Welt toben. Was wäre wohl los,
wenn eine der verfeindeten Parteien anfinge, mit solchen lebensbringenden Gewehren zu schießen.
Träumereien von Kindern?

So ganz leicht lässt sich das nicht abtun. Auch die Bibel kennt utopisch anmutende Friedenvisionen.
Im alten Testament ist von Löwen zu lesen, die friedlich bei den Schafen liegen und von Kindern, die
mit Nattern spielen. Im Neuen Testament empfiehlt Jesus, wenn man einen Schlag bekommen hat,
nicht mit dem nächsten in die Magengrube zu antworten, sondern die andere Seite hinzuhalten.
Einem Konflikt muss mit anderen Mitteln beizukommen sein als mit Retourkutschen. Denn Gewalt
erzeugt Gegengewalt, Verletzungen und Rachegelüste.

Am Anfang steht eine Vision. Es sind die Kinder und Schwachen, die sie träumen, es sind die wirklich
Großen und Starken, die sie leben.

Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

21.10.2011 11:24
#266 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 21. Oktober - Sprachkurs Ökumene: Warum Katholiken "evangelisch" und Evangelische "katholisch" werden müssen

"Wann spricht der denn mal evangelisch?" Meine fünfjährige Tochter war enttäuscht, der befreundete
evangelische Pastor war gegangen. Nun war er weg und sie hatte kein einziges evangelisches Wort
aus seinem Munde gehört. Klar, es gibt englisch, russisch, französisch, polnisch, da muss doch auch
evangelisch irgendwie anders klingen.

Erklären Sie mal einem aufgeweckten Kind, dass evangelisch nicht die Sprache ist, die in
"Evangelistan" gesprochen wird. Nein, der Pastor war gut zu verstehen, obwohl er nicht katholisch ist.
Der Gedanke hat schon etwas fröhlich Visionäres: Alle Christen sprechen eine Sprache. So wie es
Pfingsten schon einmal funktioniert hat. Wenn alle sich im Geiste des Evangeliums verstehen, ist das
dann evangelisch?

Dieses "evangelisch" könnte eine Sprache sein, in der Wort und Tat zusammen klingen; eine Sprache,
die die frohe Botschaft ins Heute hinein sagt. Eine Sprache die Christen die Kraft gibt, die Erde
gemeinsam zu verändern. Und was machen wir mit dem katholisch? Ganz einfach, der Begriff meint
nichts mehr und nicht weniger als die "allgemein" und umfassende Kirche und geht weit über ein
römisch-katholisches Kirchenverständnis hinaus. Katholisch ist ein Begriff der deutlich macht, dass die
Christen, sagen wir mal einfach, wie eine große Familie sein sollen.

Über alle Differenzen sollten wir Christen uns "katholisch" verstehen und "evangelisch" sprechen.
Sonst geht es uns wie dem kleinen Jungen, der von seiner Kindergartenfreundin gefragt wird: "Bist du
auch katholisch?" "Nein", antwortet der Kleine, "ich habe eine andere Konfrontation".

Guido Erbrich vom Roncalli-Haus Magdeburg

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

24.10.2011 12:55
#267 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Montag, 24. Oktober: Freude am Lernen

Kinder lernen gerne. Wenn nur ihre Ideen gefragt sind und ein vielfältiges Material ihre Entdeckerfreude anregt.
So habe ich es beim Besuch in einer Grundschule in Halle erlebt: Zwei Jungen rollen ein dickes Seil aus.
Es verwandelt sich in einen Zeitstrahl. Mit Begeisterung legen sie Karten und Bilder zu den Erdzeitaltern.
Dazu kommen Dinosaurier, Wale und Eisbären aus Kunststoff. Auch ein paar Muscheln werden von der Fensterbank
genommen und eingefügt.

Die beiden Jungen sind stolz auf ihr Ergebnis. "Dürfen wir das in unser Heft abmalen?",
fragen sie ihre Lehrerin. "Ja, macht das, wenn ihr wollt, dafür reicht die Zeit noch!"

Andere Kinder gestalten Sternbilder mit bunten Stecknadelköpfen auf dunklem Stoff. Ein Mädchen
schreibt Buchstaben in den Sand, andere versuchen mit Memorykarten Zusammenhänge zu erfassen.

So eine Art des Lernens beeindruckt mich. Wie gut, dass es an vielen Schulen Lehrerinnen und
Lehrer gibt, die sich darum bemühen. Voller Ideen und mit Freude am Experimentieren. Bei so einem
Lernen wird das, was Gott in einem jeden Kind angelegt hat, zum Vorschein gebracht, vertieft und
ergänzt. Entdeckerfreude wird gefördert und jedes Mädchen und jeder Junge kann sich nach seinen
Möglichkeiten entfalten.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

25.10.2011 10:11
#268 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 25. Oktober: Tevje

Der Milchmann Tevje lebt als gläubiger Jude in Anatevka. Er hat drei Töchter im heiratsfähigen Alter
und viele Sorgen. Die Älteste heiratet nicht den begüterten Fleischer, sondern den armen Schneider.
Die Zweite folgt einem Revolutionär in die Verbannung und die Dritte liebt gar einen Nichtjuden.

Die Töchter gehen andere Wege, als die Eltern es sich vorstellen und wünschen. Verlassen die
Traditionen, in denen sie aufgewachsen sind. Dazu kommt die judenfeindliche Stimmung in Russland
am Ende des 19. Jahrhunderts.

Wie soll Tevje das alles ertragen? Immer wieder nimmt er sich die Zeit, um mit seinem Herrgott zu
reden. Ihm schüttet er sein Herz aus: "Was soll ich mit meiner Tochter machen, wenn sie den
Fleischer nicht will?" Und immer gibt es ein Einerseits und ein Anderseits. "Vielleicht wäre auch alles
leichter, wenn ich einmal reich bin", sagt er. "Jedenfalls würde es mir schon helfen, Gott, wenn
wenigstens mein Pferd gesund wäre." Tevje wird das Herz leichter, wenn er mit Gott spricht. Es
zeigen sich ihm neue Wege und er behält seinen Humor.

Das heißt nicht, dass sich alle seine Wünsche erfüllen. Tevje selbst verändert sich, indem er betet. Er
wird zu einem Menschen, der Traditionen relativieren kann. Und der das Leben meistert trotz des
Schweren, das ihm auferlegt ist.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

26.10.2011 11:45
#269 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 26. Oktober: Nacht mit Angst

Seit gut einem Jahr wohnen meine Frau und ich in Halle. Am Rathenauplatz, mit Blick auf den
Hasenberg und die Pauluskirche. Die Geräusche im Haus sind uns inzwischen vertraut. Das war im
letzten Jahr noch anders. Noch bevor die Lampen an der Decke hingen, war ich für ein paar Tage
ganz allein in der fast leeren Wohnung.

In einer Nacht schrecke ich aus dem Schlaf. Was ist das, frage ich mich? Poltert da jemand über
meinen Flur? Ich schaue nach der Zeit: drei Uhr. Sind das Einbrecher? Hellwach liege ich im Bett.

Schließlich ist es still. Ich öffne die Schlafzimmertür. Auf dem Flur ist nichts zu sehen. Ich gehe in das
Zimmer gegenüber. Hier müsste mein Tisch stehen mit Stuhl und Laptop. Doch das Zimmer ist leer.
Das gibt es doch nicht, denke ich. Ich taste mich über den dunklen Flur zur Eingangstür. Nichts. Ich
gehe zurück. Alles fort. Nur mein Talar hängt da noch. - Moment mal. Den Talar hatte ich doch in
einem anderen Zimmer. Nicht dort, wo der Tisch steht. Ich gehe in das Nebenzimmer. Tatsächlich, ich
habe mich in der Finsternis geirrt. Mein Tisch, Stuhl und Computer: Es ist alles noch da.

Am Morgen weckt mich die Sonne. Ich muss über mein Erlebnis lachen. Mir fällt eine Liedstrophe ein:
"Gott, ich danke dir von Herzen, dass du mich in dieser Nacht vor Gefahr, Angst, Not und Schmerzen
hast behütet und bewacht."

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

27.10.2011 12:14
#270 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Donnerstag, 27. Oktober: Überlichtschnelle Teilchen

Die Zeitungsmeldung hat mich verblüfft. Wissenschaftler haben Teilchen entdeckt, die schneller sind
als das Licht. Eigentlich kann es die gar nicht geben. So habe ich es noch in der Schule gelernt. Ich
sehe meinen Physiklehrer vor mir. Er sagt: "Nichts kann schneller sein als das Licht. Wer hat diese
Theorie aufgestellt - Hans-Jürgen?" "Albert Einstein, geboren 1879, gestorben 1955. Er hat darauf
sein System der Physik aufgebaut", antworte ich. Brav gepaukt.

Und jetzt dies: Teilchen, ultraleicht, fliegen dem Licht davon. In den unterirdischen Laboren bei Genf
und in den italienischen Abruzzen reiben sich die Forscher die Augen. Das gibt es doch nicht! Wenn
hier kein Messfehler vorliegt, fallen wichtige Theorien über den Haufen.

Die Welt ist voller Geheimnisse. Wir Menschen versuchen die Naturgesetze zu ergründen. Forscher
finden Antworten und neue Fragen. Da sind mein Kopf und mein Nachdenken gefragt. Doch mein
Staunen bleibt: Hinter allen Dingen ahne ich eine schöpferische Kraft, die alles durchdringt. Gott, der
ganz am Anfang steht. Der da ist und bei dem ich aufgehoben bleibe – als Mensch mit meinen Fragen
und meinem Suchen. Auch mit meiner Freude an den Teilchen, die schneller sind als das Licht.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

28.10.2011 09:40
#271 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 28. Oktober: Liebesbriefe

Fast zwei Drittel aller Deutschen heben ihre Schulzeugnisse auf, aber nur ein Drittel die alten
Liebesbriefe. So hat es eine Umfrage ergeben.

Na klar, das Abschlusszeugnis benötigt man für Bewerbungen. Aber die Liebesbriefe wärmen mir das
Herz. Bis heute. Sie liegen in einem alten Karton, zusammen mit manch anderen Erinnerungen.
"Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei", so heißt es in der Bibel, "aber die Liebe ist die
Größte unter ihnen".

Die Liebesbriefe in meinem Karton sind entstanden, wenn wir für einige Zeit getrennt waren. Bunte
Postkarten sind dabei. Und auch ein Brief, den mir meine Liebste mit auf eine Reise gegeben hat. Da
war ich noch Student und als Liegewagenschaffner unterwegs zwischen Leipzig und Binz. "Zu lesen
bei der ersten Morgenröte", steht auf dem Umschlag. Ich sehe es noch vor mir: der Zug rollt über den
Rügendamm bei Stralsund. Ich stehe am Fenster und entziffre im Frühlicht, was sie mir geschrieben hat.

Ein Handy gab es damals noch nicht, Mitte der 1980er-Jahre. Und keine E-Mails, kein Twitter und
Facebook. Aber schönes Briefpapier. Manchmal nach Rosenöl duftend. Und Worte mit dem
Füllfederhalter geschrieben. Umrankt von ein paar Blumen, selbst gemalt.

Die Liebe ist das Größte. Ein Gottesgeschenk. Es tut gut, sie zu erleben und sich daran zu erinnern.

Hans-Jürgen Kant, Superintendent des Kirchenkreises Halle-Saalkreis

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

01.11.2011 10:24
#272 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Montag, 31. Oktober - Reformationstag und Halloween

So schnell, so einig und selbstbewusst waren sie lange nicht. Als ich die Kinder im Unterricht fragte:
Warum sie am Montag, also heute frei haben? Alle antworteten klar und deutlich im Chor: Wir feiern Halloween.

Ich musste erst mal Luftholen. Die Antwort auf meine Frage wäre gewesen, wie es im Kalender steht,
der Gedenktag der Reformation.

Vermutlich geht Halloween auf eine Tradition der alten Kelten zurück. Sie lebten vor vielen
Jahrhunderten in Irland, Schottland und weiteren Gebieten Europas. Sie feierten damals eine Art
Totenfest mit dem Namen "Samhain" - das bedeutet etwa "Ende des Sommers".

Damals glaubte man, dass der Sommer die Zeit des Lebens sei und der Winter die Zeit des Todes.
Und in der Nacht des Samhain begegnen sich nach Auffassung der Kelten diese beiden Welten.

Das Fest Samhain wird im Laufe der Zeit verändert. Die Christen machen daraus das Fest am
Vorabend des Allerheiligen-Tages. Und der heißt auf englisch "All Hallows Evening" also "Abend aller
Heiligen". Am Ende wurde daraus dann Halloween. Ein Geisterfest.

Katholische Christen feiern also morgen, das mehr als tausend Jahre alte Fest Allerheiligen. Freude
und Dank bestimmen dieses Fest, weil es zu allen Zeiten Menschen gibt, die die Welt heller und
lebenswerter machen.

Menschen, die mit Herz, Sinn und Verstand im Geiste Jesu Gutes wirken gibt es aber auch heute.
Menschen, die Vorbild und Hilfe sind, durch ihr Dasein. Auch sie feiern wir zu Allerheiligen.

Katharina Reiß, Gemeindereferentin in Wolfen-Zörbig

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

01.11.2011 10:25
#273 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 1. November - Staunen und Nachahmen

Staunen und Nachahmen. Alles wird genaustens beobachtet. Und jeden Tag gibt es etwas Neues zu
entdecken. So erlebe ich es immer wieder bei meinen Enkeln Clara und Isabel.

Clara, gerade mal zwei Jahre alt, schüttelt ihre Bettdecke energisch auf und will sie ordentlich
zusammenlegen, will Wäsche waschen und spricht jedes Wort nach. Die Farben, Zahlen und Vögel
werden benannt. Klara: Ich will selbst bestimmen. Und Isabel freut sich, wenn sie angelacht wird.
Selbst Mille, Mille, also Kater wird mit Streicheleinheiten und Futter bedacht.

Staunen und Nachahmen. So hat es auch eine Klara im Mittelalter gemacht. Klara von Assisi staunte
über den Lebenswandel von Franz, auch bekannt als der heilige Franziskus. Sein Verzicht auf
jeglichen Besitz wurde für sie zum Lebensideal. Die Flucht Klaras aus dem Reichtum in die Armut war
die Geburtsstunde des Klarissenordens.

Staunen und Nachahmen. So haben es die Menschen vor 2.000 Jahren um Jesus gemacht. Jesus hat
es vorgelebt, wie Leben durch die Liebe Gottes im Guten möglich ist.

Heute, am Fest Allerheiligen, denken Christen an viele leuchtende Vorbilder, an Heilige, die ihr Leben
nach dem Vorbild Jesu ausgerichtet haben.

Staunen, Nachahmen und den Mut haben, seinen ganz persönlichen Weg zu finden, das wünsche ich
mir und gerne auch Ihnen.

Katharina Reiß, Gemeindereferentin in Wolfen-Zörbig

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

02.11.2011 10:36
#274 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 2. November – Allerseelen

Gerade 18. Neun Jahre gehofft und gekämpft. Zwischendurch die Diagnose: Er ist wieder völlig
gesund. An einem 2. November, am Gedenktag Allerseelen, ist er gestorben. Christian, mein Neffe,
mein Patenkind. Mit neun Jahren wird festgestellt: Er hat Leukämie. Das Leben ändert sich. Für uns alle.

Krankenhausaufenthalte, Entscheidung für Operationen, Genesung. Ruhe. Urlaub. Lange Wege
gehen wir. Gespräche, viele Fragen über Gott und die Welt. Medizin will er studieren. Und dann
kommt alles anders. Ein neuer Tumor. Menschlicher Einsatz bis zum Schluss. Es wird gekämpft,
gebetet und gehofft.

Dann das Abschiednehmen. Die Schulfreunde singen im Gottesdienst für Christian und uns. Mir
zerreißt es das Herz. Eine ganze Schulklasse. Jugendliche, Freunde so alt, so jung wie Christian.

Heute ist für katholische Christen der Gedenktag Allerseelen. Wir denken an unsere lieben
Verstorbenen. Und danken, dass wir mit ihnen hier auf Erden Leben konnten.

Wir Christen hoffen auf ein Leben nach dem Sterben, auf ein Leben das weiter geht bei Gott. In der
Bibel wird an vielen Stellen berichtet, dass dieses Leben heller, reicher und vollkommen sein wird, so
wie Gott es für uns vorgesehen hat.

Diese Gedanken trösten mich und stärken die Hoffnung auf ein gutes Wiedersehen.

Katharina Reiß, Gemeindereferentin in Wolfen-Zörbig

Ivonne Offline




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03.11.2011 10:47
#275 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Donnerstag, 3. November - Ein schöner Tag

"Mama, heute war ein schöner Tag". So klingt es mir noch in den Ohren. Auf dem
Petersberg waren wir. Mit Kindern und Enkeln.

Gerne fahren wir dorthin. Eine willkommene Abwechslung für die ganze Familie. Immer
besuchen wir auch das Tiergehege. Doch manchen Tieren begegnete meine Enkelin Clara
immer wieder mit größtem Respekt. Um Schafe, Pferde und Wölfe machte sie stets einen
großen Bogen. Da half kein Mut machen und Überreden. Nein. Nein. Nein.

Doch dieses Mal war alles anders. Selbst bei den Polarwölfen kam sie mit in den
Sicherheitsbereich der Tierpfleger. So nah. Das hätten wir ihr nicht zugetraut. Was war
geschehen? War es der Wiederholungseffekt oder hatte sie sich einfach weiter
entwickelt? Ich weiß es nicht. Vielleicht war es dieses sich nach und nach vertraut
machen.

Doch der Satz: "Mama, das war ein schöner Tag". Der hat bei mir eine nachhaltige Wirkung.

Wenn der Tag zu Ende geht, sage ich auch gerne "Danke", dem, der alles so gefügt hat.
Dem, der mich inspiriert und gelenkt hat. Ich danke Gott für so manch gelungenen und
schönen Tag.

Nun wünsche ich Ihnen einen frohen und schönen Tag.

Katharina Reiß, Gemeindereferentin in Wolfen-Zörbig

Ivonne Offline




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08.11.2011 16:17
#276 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Montag, 7. November: Aus alt mach neu

Ich hänge oft an alten Sachen, kann schwer etwas wegschmeißen. Man könnte es ja nochmal
gebrauchen. Das hab ich wohl von meinem Opa geerbt. Alles hat er repariert. Und er konnte das
auch! In der Schmiede stand er mit seiner Lederschürze und einer Zange in der Hand vor dem
glühenden Ofen. Ein kaputter Auspuff? Kein Problem, das kann man doch wieder zusammen-
schweißen. Der Kochtopf hat ein Loch? Er konnte es flicken und den Topf wieder zusammenlöten.
Gebogene Nägel? Die hat er mit dem Hammer wieder gerade gebogen.

Was heute alles billig produziert wird, damit man es gleich wegschmeißt, wenn es kaputt geht – ihm
hätte es das Herz gebrochen, das zu sehen. Ein kaputter Reißverschluss – die Jacke ist nicht mehr zu
gebrauchen. Das Kabel gebrochen? Den Akku können Sie gleich ganz wegschmeißen. Der
Staubsauger kaputt? Ein neuer kommt fast billiger als die Reparatur.

"Verkehrte Welt", höre ich den Opa sagen. Und irgendwie hat er da recht. "Wir haben die Welt nicht
geerbt von unseren Eltern, sondern geborgt von unseren Kindern." So hätte das mein Opa vielleicht
nicht ausgedrückt. Aber gehandelt hat er danach.

Damals war das der kreative Umgang mit der Mangelwirtschaft. Heute ist es revolutionär, so zu leben.
Nur wenige tun es. Ihr Credo heißt: Wir könnten alles kaufen – aber wir verzichten darauf. Aus
ökologischen Gründen. Weil wir Teil der Schöpfung sind, nicht die Herren dieser Schöpfung.

Susanne Platzhoff aus Halle

Ivonne Offline




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08.11.2011 16:18
#277 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 8. November: Nichts Menschliches ist Jesus fremd

"Wer ist das?" Marthas kleiner Zeigefinger deutet auf die Postkarte, die bei mir über dem Schreibtisch
hängt. Darauf sieht man eine ziemlich korpulente Frau weit ausholen, um dem Kind über ihren Knien
den Hintern zu versohlen. Ein zarter Heiligenschein schwebt über dem Kopf der Frau – der
Heiligenschein des Kindes ist für den Moment vom blonden Lockenschopf gefallen und liegt in der
unteren Ecke.

Ich frage Martha zurück. "Was denkst Du denn? Wer könnte das sein?" "Hmm. Weiß nicht." Und
dann, nach einigem Zögern: "Ist das Maria mit dem Jesuskind?" "Stimmt", sage ich, "das sind Maria
und Jesus". "Aber" – jetzt mischt sich Marthas siebenjährige Schwester Henriette ein – "das kann
doch gar nicht sein. Weil der Jesus, der war doch heilig".

Gerade die menschliche Seite zu zeigen, jenseits einer Familienidylle, daran lag Max Ernst, dem
Künstler, der das Bild Mitte der 1920er-Jahre gemalt hat. Mit einem Augenzwinkern zeigt er: Nichts
Menschliches ist Jesus fremd. Er ist keiner, der mit den Füßen über dem Boden schwebt und nie
aneckt. Er kennt das Leben von allen Seiten. Kennt Wut und Zorn. Am Ende seines Lebens setzt es
mehr als Hiebe. Aber auch das hat er durchgestanden.

Er ist verwundbar und er wird verwundet. Ja, er stirbt sogar an den Wunden, die ihm andere zufügen.
Aber er schlägt nicht zurück. Zahlt nicht mit gleicher Münze heim. Steigt aus, aus dem Kreislauf von
Gewalt und Gegengewalt. Das ist übermenschlich. Das ist göttlich!

Susanne Platzhoff aus Halle

Ivonne Offline




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09.11.2011 12:17
#278 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 9. November: Der Geruch nach Freiheit

"Wie ein Film laufen diese Bilder bei mir ab", sagt Helga, wenn sie an den 9. November im Jahr 1989
denkt. Gebannt verfolgt sie damals am Fernsehen die Pressekonferenz mit Günter Schabowski, die
live übertragen wird. Erst trägt der Mann vom ZK die Meldung vor, dass Privatreisen ins Ausland in
Zukunft ohne Voraussetzungen möglich sein werden. Dann fragt ein Journalist, ab wann das denn gilt.
Schabowski stockt. "Sofort, unverzüglich", antwortet er.

"Ab dann waren wir nicht mehr wegzukriegen von dem Fernseher und haben immer wieder
Nachrichten gehört", erinnert sich Helga, "bis tief in die Nacht". Was wie ein ganz normaler Arbeitstag
begonnen hat, wird zu einem Tag, der das Leben in einem ganzen Land verändern sollte.

Respekt hat sie auch vor den Grenzsoldaten. "Die wussten ja von gar nichts und plötzlich standen da
immer mehr Menschen. Und ihre Vorgesetzten gingen nicht mehr ans Telefon." Einer der Offiziere
entscheidet: "Wir müssen jetzt die Grenze öffnen, sonst gibt es ein Blutbad." Das findet sie ungeheuer mutig.

Dass die innere Freiheit wächst, das hatte sie schon auf den Demonstrationen in den Tagen vorher
gespürt. Einschüchtern lassen wollte sie sich nicht mehr. Jetzt aber war es auch nach außen sichtbar:
Die Macht war gebrochen.

Die Welt, in der wir heute leben wäre nicht die gleiche ohne die Menschen von damals, die den Mut
hatten, auf die Straße zu gehen. Es wäre auch nicht gegangen ohne die Soldaten an der Grenze, die
den Mut hatten, die Grenze zu öffnen. Die eine Waffe in der Hand hatten – und sie nicht benutzt haben.

Sich nicht abfinden, mit dem was unumstößlich scheint. Das riecht nach Freiheit. Und ist etwas, das
wir heute genauso gut gebrauchen können!

Susanne Platzhoff aus Halle.

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

10.11.2011 11:52
#279 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Donnerstag, 10. November: Ein warmer Glanz in den Augen

"Hast Du eigentlich Kinder?", frage ich Carina, die in Schweden Pfarrerinnen und Pfarrer ausbildet.
Seit einer Woche sitzen wir bei einer Weiterbildung nebeneinander und unterhalten uns oft in den
Pausen. "Ich hatte mal zwei Söhne und eine Tochter." "Oh", denke ich erschrocken und überlege
schon, wie ich ihr sage, dass mir das leid tut.

Da fährt sie ganz fröhlich fort: "Ja, und jetzt habe ich drei Söhne." "Wie das?" – Ich bin verwirrt.
"Nun ja", erzählt sie weiter. "Meine Tochter hat lange Zeit gesucht, wer sie ist. Dann ging sie zum
Studium nach Stockholm. Irgendwann hat sie uns erzählt, dass sie in Stockholm als Mann lebt. Und
dass das von jetzt an so bleiben soll und sie sich wünscht, von ihrer Familie so akzeptiert zu werden."
"Ist Euch das am Anfang nicht schwergefallen?", frage ich weiter.

"Nein", sagt sie ganz klar. "Eigentlich nicht. Es war so klar, dass sie als Mann einfach glücklicher ist.
Wir haben die ganze Zeit offen miteinander geredet. Das war das Beste, was wir tun konnten." Dann
strahlt sie: "Er ist wirklich ein sehr schöner Mann und ich bin stolz auf alle meine Kinder."

Ich kneife die Augen zusammen. Nein, Flügel sind noch nicht zu sehen. Aber ein ganz warmer Glanz
in den Augen. Schon wie sie ihre Geschichte erzählt – so liebevoll – ist etwas Besonderes.
"Wie schön wäre es", denke ich, "wenn jedes Kind jemanden hat, der ihn mit so warmen Augen ansieht!"

Susanne Platzhoff aus Halle

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

11.11.2011 12:02
#280 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 11. November: Teilen

Vielleicht begegnet ihnen heute mitten in der Fußgängerzone oder auf der Dorfstraße ein Mann auf
einem Pferd, begleitet von einigen Kindern mit Laterne. Darf ich vorstellen? Das ist der heilige Martin.

Gelebt hat er im 4. Jahrhundert, als die Römer noch in Europa herrschten. Als er 15 ist, schickt ihn
sein Vater in die Armee. Später wird er Offizier und zieht aus seiner ungarischen Heimat nach
Frankreich. Berühmt wird er aber nicht als Kriegsherr, sondern wegen einer außergewöhnlichen
Begabung: Martin konnte mit dem Herzen sehen. So klar, wie kaum ein anderer.

Eines Tages – so wird erzählt – begegnet ihm ein Bettler. Der zittert am ganzen Leib, so verfroren ist
er. Als Martin das sieht, steigt er von seinem Pferd, zieht sein Schwert und teilt damit seinen Mantel.
Die eine Hälfte gibt er dem Bettler, die andere behält er. In der Nacht darauf träumt er. Im Traum
begegnet ihm Christus. Er sagt: "Du bist heute einem meiner geringsten Brüder begegnet. Was du für
ihn getan hast, das hast Du mir getan." Später lässt sich Martin taufen und wird sogar Bischof.

"Was kann ich teilen?" Das ist die Frage, die Martin auf den Leib gerückt ist, als er den frierenden
Bettler sieht. Die Frage ist gut – und seine Antwort ist noch besser: es ist ganz einfach. Es muss ja
nicht immer der Mantel sein – vielleicht haben Sie andere Schätze, die Anderen gut tun? Ein
aufbauendes Wort? Eine helfende Hand? Oder ein leckeres Stück Kuchen? Vielleicht auch eine
Einladung zur Martinsgans – das wäre doch ein guter Anfang!

Susanne Platzhoff aus Halle

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