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Frannys Hanne Haller Fan-Forum

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Elli Offline

Administrator


Beiträge: 600

04.10.2010 11:05
#61 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 04.10.2010 - Bei sich sein

Liebe Hörer, kennen Sie das Buch "Der weiße Neger Wumbaba"? Der Titel ist politisch nicht besonders korrekt, ich weiß, aber er ist ja ein Missverständnis. In diesem Buch geht es um Hörfehler und akustische Irrtümer. Da hat doch tatsächlich über Jahre hinweg ein Kind das schöne Lied von Matthias Claudius missverstanden und statt: "... und aus den Wiesen steiget der weiße Nebel wunderbar" verstanden und auch gesungen: "... und aus den Wiesen steiget der weiße Neger Wumbaba". Was mag nur im Kopf des Kindes vorgegangen sein, wenn es versucht hat, den Text zu verstehen.

Mir ging es kürzlich ähnlich. Im Radio hörte ich, dass die Lutherausstellung auf der Wartburg den Titel "Bei sich sein ist Nutz und Not" tragen soll. Ein edles und hehres Wort. Bei sich sein. Schon das ist ein Anspruch. Wer ist schon bei sich, wer ruht schon in sich. Das gelingt nur selten. Das setzt innere Größe und Abstand voraus. Dass das Nutz und Not, also Erkenntnis in alle Richtungen bringen kann, ist einleuchtend.

Dann suchte ich den schönen Spruch im Internet und traute meinen Augen nicht. Ich hatte diese Worte völlig falsch verstanden. "Bei sich" sein schrieb sich "Beyssig", also bissig. Der Text sollte bedeuten: "Bissig sein ist Nutz und Not." Das war nun wirklich Luther, kontrovers, überdeutlich, eben bissig. Nun passte der Spruch zur Ausstellung über die Reformation. Seltsam aber, dass beide Varianten, also die reale, die bissige, wie auch meine missverständliche gleichermaßen sinnvoll waren, jedoch mit völlig unterschiedlicher Sinnspitze.

Vor knapp 500 Jahren wurden die Kontroversen über die Reformation durchaus bissig ausgetragen. Da ersparten sich Katholiken und Protestanten nichts. Der Papst wurde als Antichrist, und Luther als geiferndes Eberschwein bezeichnet. Das war wirklich eine bissige Zeit. Heute gestalten sich die Beziehungen zwischen beiden Kirchen viel entspannter. Vielleicht haben unfreiwillig dazu auch die Diktaturen des vergangenen Jahrhunderts beigetragen, die die Christen beider Konfessionen vor harte Proben stellten. Man weiß heute freilich über die nach wie vor bestehenden Unterschiede, das Gemeinsame ist aber im Vordergrund. Somit stimmt dann auch in diesem Zusammenhang mein Missverständnis. "Bei sich - also beieinander – sein ist Nutz und Not". Nutz, das Erreichte, und Not, das noch Trennende.


Christoph Pötzsch

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

Administrator


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05.10.2010 09:32
#62 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 05.10.2010 - Armut

Alljährlich gibt es in Deutschland den sogenannten Armutsbericht. Diese Veröffentlichung macht mitunter sehr nachdenklich.

Dennoch, im Vergleich zu einigen Regionen der Dritten Welt, ist Armut in unserem Lande noch erträglich. Man soll Afrika nicht unbedingt gegen Deutschland aufrechnen, das wäre zynisch, aber Armut ist natürlich dort besonders bedrückend, wo es ums blanke Überleben geht. So kritisch ist es zum Glück in unserem Land nicht.

Armut habe ich aber vor kurzer Zeit aus einer ganz anderen Sicht erlebt. Eine Ordensschwester, die in unserer Pfarrgemeinde tätig war, wurde an einen anderen Ort versetzt. Wir planten die Abschiedsfeier für sie und fragten höflicherweise, ob wir ihr beim Umzug helfen könnten. Da hatte sie nur gelacht und gemeint, ihre beiden Reisetaschen wären schnell gepackt, mehr wäre da nicht. Wenn ich dagegen an meinen letzten Umzug denke ... Ein riesiger Möbelwagen und zahllose Umzugskisten, dazu nicht wenige Lastenträger.

Das, liebe Hörer, was unsere Ordensschwester lebt, ist nun wieder eine Armut ganz eigener Art. Zugegeben, sie und ihre Mitschwestern leben diesbezüglich besonders radikal. Aber dennoch, wenn ich meinen Umzug und den der Schwester vergleiche, gerade mal mit zwei Taschen, da komme ich schon ins Grübeln. Klar habe ich viel mehr materielle Werte, aber bin ich dadurch reicher? Im finanziellen Sinne sicher, aber ist es das?

Für unsere Ordensfrau ist ein Umzug oder eine Versetzung an einen anderen Ort nicht das große Problem. Sie kann gut und schnell loslassen, von materiellen Werten, die sie halten könnten, ist sie nicht abhängig. Zwei Taschen reichen. Sie sagt, dass sie dadurch frei sei.

So ist für unsere Ordensschwester diese besondere Form der Armut eher ein Reichtum. Ein Stück habe ich sie darum beneidet, wenngleich, das gebe ich offen zu, ich nicht so leben könnte.

Der große Dichter Exupery, von dem wir den "Kleinen Prinzen" kennen hat einmal gesagt, dass Vollkommenheit nicht dann entsteht, wenn man nichts mehr hinzuzufügen hat, sondern wenn man nichts mehr wegnehmen kann. Ein Loblied der Einfachheit. Klar sind wir Kinder der Zeit und der Konsumgesellschaft. Aber Armut und Reichtum allein mit Geld zu messen, das wäre zu wenig.

Christoph Pötzsch

Liebe Grüsse
Elli
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Ivonne Offline




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06.10.2010 10:27
#63 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 06.10.2010 – Christusfenster

Um das Kloster Helfta bei Eisleben gibt es ein Geheimnis. Das Kloster wurde 1229 gegründet und
erlebte in der Zeit des späten Mittelalters eine Blüte als Zentrum der Mystik. Drei bedeutende
Äbtissinnen machten das Kloster weithin berühmt. Gertrud die Große, Mechthild von Hackeborn
und Mechthild von Magdeburg waren im 13. Jahrhundert prägende Gestalten.

Im Bauernkrieg wurde das Kloster verwüstet und wenig später säkularisiert. Zu DDR-Zeiten war
das große Klostergelände Volkseigenes Gut. Die noch bestehenden Klostergebäude dienten als
Ställe, das Kirchgebäude hatte der LGG-Vorsitzende als Garage für Landmaschinen bestimmt.

Das Kirchgebäude hat drei romanische Fenster. Die Legende berichtet, dass die Heilige Gertrud in
dieser Kirche durch das linke Fenster im 13. Jahrhundert Jesus gesehen habe. Dieses hieß seitdem
das "Christusfenster".

Als man nach dem Bauernkrieg die Ordensschwestern verjagt hatte, vermauerte man diese drei
Fenster. Allerdings hielten seltsamerweise die Steine nicht, die das Christusfenster schließen sollten.
Sie fielen immer wieder heraus.

Als die Klosteranlagen in der DDR für die Landwirtschaft zweckentfremdet, oder sollten wir lieber
sagen: missbraucht wurden, versuchte man erneut, das Christusfenster zuzumauern. Diesmal
wollte man mit dieser religiösen Geschichte endgültig Schluß machen. Zwar ging es nur um ein
Fenster, in Wirklichkeit stand für die Kommunisten schon mehr auf dem Spiel. Drei Versuche
unternahm man, das linke Fenster zu vermauern. Beste Materialien und äußerst fachkundige
Maurer wurden geholt. nie hielten die Steine. Schließlich vernagelte man resigniert dieses linke
Fenster mit Holz.

Zu DDR-Zeiten kursierte diese Geschichte durch die Region, und das geschändete Gebäude mit
zwei zugemauerten und einem vernagelten Fenster wurde eine Sehenswürdigkeit für viele.

Als nach der friedlichen Revolution die politischen Maßregelungen aufhörten, stand die Frage, was
nun aus der riesigen Anlage werden solle. Und wieder passierte etwas Unerklärbares. Förmlich aus
dem Nichts boten sich Ordensschwestern aus dem bayerischen Seligenthal an, sie übernahmen in
ihrer Armut die marode Bausubstanz. Als erstes hat man die drei Fenster wieder öffnen lassen.

Heute ist dieses Kloster in einem guten Zustand, der Konvent der Schwestern ein Segen für das
ganze Land - und das Geheimnis um Helfta gelüftet.


Christoph Pötzsch

Monika Offline



Beiträge: 148

06.10.2010 19:25
#64 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Liebe Ivonne,

herzlichen Dank für den Bericht von Christoph Pötzsch vom 06.10.2010 über das Kloster Helfta und das Christusfenster.
Das Kloster Helfta ist uns durch eine Sendung des Bayerischen Fernsehens vor einiger Zeit bekannt und vertraut geworden.
Die Sendung zeigte die bayerischen Schwestern aus Seligenthal bei ihrem segensreichen Wirken in der Gemeinde und deren Umgebung. Die wundersame Geschichte vom Christusfenster, die mit herkömmlichen Methoden nicht zu erklären ist, verdeutlicht, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die unsere Schulweisheit nicht zu erklären vermag. Wir glauben, dass es geistige Kräfte gibt, die wirksamer sind als der härteste Beton.
Wir wünschen Dir, uns und allen Fans wundersame Begegnungen, die uns die Welt mit anderen Augen sehen lassen.

Liebe Grüße
Monika und Brigitte

Elli Offline

Administrator


Beiträge: 600

07.10.2010 10:25
#65 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 07.10.2010 - Facebook

Kennen Sie Facebook? Klar, kennen Sie Facebook, diese Internetplattform, dieses "soziale Netzwerk". Man gibt seine persönlichen Angaben ein, sein Profil – wie es heißt – und nach und nach kommen die ersten Reaktionen. Menschen, die nach einem gesucht haben, melden sich. Selbst kann man auch nach anderen suchen. Das macht Spaß, in der eigenen Vergangenheit zu suchen. Klassentreffen lassen sich mit Facebook toll organisieren. Langjährig Verschollene tauchen plötzlich wieder auf.
"Finden Sie Freunde bei Facebook", so heißt es.

Kürzlich war ich unfreiwilliger Zeuge eines Gesprächs zweier Jugendlicher, eben über Facebook. Beide berichteten sich stolz, schon mehr als 40 Freunde zu haben. 40 Freunde, na ja, ein Privileg der Jugend.

Die Zahl meiner Freunde ist geringer, eigentlich kann ich sie an einer Hand abzählen. Aber die sind schon lange meine Freunde. Ich kenne sie aus meiner Schulzeit, aus der Zeit des Studiums, also schon über Jahrzehnte hinweg. Diese Freundschaften haben überdauert. Weder meine persönlichen familiären Entwicklungen, weder die Fährnisse der Zeit noch die Verwerfungen nach der Wende haben diese Freundschaften verblassen lassen.

Meine Freunde sind immer da für mich, auch bei räumlicher Trennung. Ich weiß, wenn ich sie brauchte, wenn etwas Dringendes geschähe – sie wären sofort zur Stelle. Umgekehrt übrigens auch.

Bei Facebook kann man sicher ehemalige Freunde wiederfinden. Ob man aber im Internet neue Freunde finden kann, ich habe da meine Zweifel. Kontakte knüpfen ja, Freundschaften wohl eher nicht.
Freundschaften aufzubauen braucht persönlichen Kontakt, menschliche Nähe, braucht Begegnung, auch Bewährung. Den Freund erkennt man in der Not, ein kluges Sprichwort. Deshalb gehe ich mit dem Begriff "Freund" ziemlich zurückhaltend um. Freund sein ist ein Ritterschlag, ein Ehrentitel.

In der Jugend knüpfen sich Freundschaften leicht. Vielleicht ist man da offener, gibt mehr von sich preis. Wenn man es schafft, diese Freundschaften, oder wenigstens einige von ihnen, über die Jahre und Jahrzehnte zu bewahren und zu pflegen, so hat man einen Schatz, der unersetzbar ist. Aber das tut sich nicht von allein.

So grüße ich heute meine Freunde, sofern sie gerade zuhören. Und Sie, liebe Hörer, vielleicht rufen Sie heute mal Ihre Freunde und sagen ihnen etwas Gutes ...

Christoph Pötzsch

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

Administrator


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08.10.2010 15:22
#66 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Freitag, 08.10.2010 - Verbindung über Handy

Handys, liebe Hörer, haben unsere Welt verändert. Keine Frage, es ist schon faszinierend, wie schnell es eine technische Erfindung geschafft hat, von der Entwicklung bis in die Jackentasche eines jeden.
Handys haben einen großen und unbestreitbaren Vorteil: Das ist die jederzeitige Erreichbarkeit.
Handys haben aber, und das wissen Sie auch, einen unbestreitbaren Nachteil: Das ist die jederzeitige Erreichbarkeit.

Ich habe dies vor ein paar Tagen erlebt. Seit meine Söhne erwachsen und aus dem Haus sind, schicken wir uns aller zwei bis drei Tage eine SMS "Hallo wie geht’s, was gibt’s Neues?" Mehr nicht. Aber ich habe meine Ruhe als Vater.

So schickte ich also meinem großen Sohn mal wieder die bewußte SMS und erhielt nicht sofort Antwort. Kein Problem, kann ja mal passieren.
Auch am nächsten Tag gab es keine Antwort auf meine SMS, am dritten Tag – immer noch ohne Nachricht.

Ich wurde bereits unruhig. Als auch am 4. und am 5. Tag keine Antwort kam, begann ich mich ernsthaft zu sorgen. Am 6. Tag steigerte sich meine Sorge in gelinde Panik. Immer noch nichts. Alle möglichen Schreckensszenarien gingen mir durch den Kopf. Ich solidarisierte mich innerlich mit dem Vater des verlorenen Sohnes aus dem biblischen Gleichnis. Am 8. Tag ohne Nachricht sah ich nur noch feurige Kreise vor meinen Augen. Da piepte es plötzlich und mein Sohn, der Verschollene, fragte mich fröhlich per SMS, wie es mir denn so ginge.

Seine unschuldige Begründung: Sein Handy war kaputt.
So einfach.
Früher, in der handyfreien Zeit wäre das nicht passiert.
Natürlich haben diese Geräte ihren Vorteil. Aber ich habe in diesen acht Tagen gemerkt, wie man plötzlich von einem kleinen Stück Technik vereinnahmt wird. Das Handy hatte mich voll im Griff. Ständig starrte ich auf diese acht Tage drauf.

Natürlich ist es faszinierend, überall mit der Welt verbunden zu sein. Aber wie an alle technischen Errungenschaften gewöhnt man sich allmählich daran, wenn die Faszination abgeklungen ist. Und man wird abhängig. Ohne es zu merken. Wenn der Strom ausfällt, die Waschmaschine streikt, oder eben das Handy seinen Dienst verweigert, fallen wir aus allen Wolken. Diese technischen Errungenschaften sind in die Welt gekommen, um den Menschen das Leben zu erleichtern und ihnen mehr Zeit zu schenken. Ich selbst nutze gern die Annehmlichkeiten der modernen Technik. Mehr freie Zeit habe ich allerdings dadurch nicht.

Weiterhin tausche ich mit meinen Söhnen aller drei Tage die SMS aus. Aber ich weiß seitdem, dass ein kaputtes Handy zwar ärgerlich, aber vielleicht auch lehrreich sein kann.

Christoph Pötzsch

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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11.10.2010 07:49
#67 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 11.10.2010 - VIPs willkommen!

Neulich entdeckte ich ein großes Blatt Papier an einer Wohnungstür in unserem Haus: "VIPs willkommen" stand darauf: V – I – P groß hervorgehoben. Das Blatt war bunt gestaltet und wirkte sehr einladend. Am Sonntag darauf hörte ich im Hausflur ausgelassene Mädchenstimmen. Die gute Stimmung bei der Geburtstagsparty war unschwer zu erkennen. "VIPs willkommen", eine Abkürzung aus dem englischen Sprachgebrauch: "very important persons", deutsch "sehr wichtige Personen". An Nebeneingängen von Fußballstadien oder an Orten, wo andere Großveranstaltungen stattfinden, entdeckt man diese Abkürzung bisweilen. Dabei wirkt sie elitär und ausgrenzend. Hier aber – auf dem netten Plakat an der Wohnungstür - war die Wirkung ganz anders.

Vielleicht der Botschaft wegen, die darin anklang: Meine Gäste sind für mich alle einzeln "very important persons", also sehr wichtige Personen! Besser kann man nicht begrüßt werden. Für jemanden die wichtigste Person zu sein oder zu den wichtigsten Personen zu gehören, das ist eine Ehre. Ich würde mich darüber freuen, wenn mir das so gesagt würde.

In einem Lied, das in unserer Bibel zu finden ist, lautet eine rhetorische Frage an Gott: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?" (Psalm 8,5) Sehr wichtige Personen sind alle Menschen für Gott, sagt damit der Dichter dieses Liedes. Es tut gut, so betrachtet zu werden. Man kann es auch mit einfachen Worten zu einem nahe stehenden Menschen sagen: Ich mag dich. Du bist mir wichtig. Ich hab dich lieb. Mit dir bin ich gern zusammen. An deiner Seite fühle ich mich wohl. Auf unnötige englische Vokabeln können wir dabei verzichten. Und doch hatte das Begrüßungsplakat in unserem Haus seinen ganz besonderen Charme und bestimmt auch eine besondere Wirkung: "VIPs willkommen".

Frank del Chin

Liebe Grüsse
Elli
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12.10.2010 09:17
#68 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Dienstag, 12.10.2010 - Kinder sind Leben

Aus dem Spielplatz meiner Kindertage ist inzwischen ein Parkplatz geworden. Statt Kinderlärm hört man heute Autolärm.
Als Kinder hatten wir oft Ärger mit Erwachsenen. Mal haben wir einen Ball in die Wäsche geschossen, die zum Bleichen ausgebreitet auf der Wiese lag; bei Regen bauten wir Dämme, aus denen sich dann mit einem Mal das Wasser auf die Straße ergoss und viel Sand mitschwemmte. Wenn das passierte, wurden auch die Erwachsenen laut. Aber nur selten beschwerten sie sich grundsätzlich über unser Spiel; und wir waren ganz sicher nicht leise. Denn wo gibt es das, dass Kinder zum Spiel beisammen sind und es still zugeht?

"Kinder sind eine Gabe des Herrn." (Psalm 127,3) sagt die Bibel. In unserer Tageszeitung wurde jedoch davon berichtet, dass staatliche Gerichte immer häufiger über Klagen gegen Kinderlärm zu verhandeln haben. Von Berlin habe ich gehört, dass man dort solche Klagen gar nicht mehr zulassen will. Es mag Situationen geben, wo Lärm zur Unzeit oder völlig unverhältnismäßig durch das Spiel von Kindern entsteht. Dann wird es darauf ankommen, dass sich die Eltern oder Erzieher bemühen, Abhilfe zu schaffen ohne die Kinder generell am Spiel zu hindern. Denn es gehört zur Erziehung dazu, dass Kinder auch lernen Rücksicht zu nehmen. Was aber nicht geht, dass gegen Spielen im Freien in Kindergärten oder Schulen geklagt wird mit dem Ziel, fröhliches Toben zu verhindern. Auch müssen Familien die Möglichkeit haben, ihre Kinder in Hof oder Garten spielen zu lassen. Was für eine Welt wäre das, in der Kinderlärm in abgegrenzte Flächen aus Wohngebieten verbannt würde?

Für mich sind Kinderlachen, -rufen und –toben schöne Lebenszeichen. Eine Redewendung sagt: Auf den Friedhof kommen wir noch früh genug. Dort ist Ruhe und Stille ganz angemessen. Bis dahin aber wollen wir dankbar sein für das Leben, das in den Kinder so hörbar und erlebbar weitergeht.

Frank del Chin

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Elli
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Elli Offline

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13.10.2010 09:00
#69 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Mittwoch, 13.10.2010 - Moderne Technik

Ich war verblüfft: Wir saßen am Tisch und unterhielten uns. Im Hintergrund lief die Musik von einer CD. Da holte ein Freund sein Handy aus der Tasche, hielt es in die Nähe des Lautsprechers und sagte nach kurzer Zeit: Rudolf Mauersberger, Dresdner Kreuzchor und den Titel dazu. Elektronische Musikerkennung.

Moderne Technik kann mich überraschen und verblüffen. Es ist faszinierend, was Menschen erfinden und wie rasant die Entwicklung geht. Manchen älteren Menschen wird dabei unheimlich zumute. Sie merken, dass sie nicht mehr mitkommen. Aber muss man das? Ich habe nicht den Drang gespürt, das gleiche Gerät wie mein Freund besitzen zu müssen. Und dennoch beeindruckt es mich.

Ach Vati, sagen meine Kinder, wenn ich am Computer für sie zu langsam oder zu ängstlich bin. Und Ruckzuck haben Sie die richtige Taste gefunden. Ein älterer Herr, der knapp vor dem 80. Geburtstag steht, sprach neulich von seinem Computerkurs in der Volkshochschule. Alle Achtung, dachte ich.

Ich kenne einige allein lebende ältere Menschen, die sehr dankbar sind, dass es heute so einfach ist, durch Telefonanrufe in Kontakt zu bleiben. Es bewahrt sie vor schwer auszuhaltender Einsamkeit. Und oft haben Handys bei Unfällen schon geholfen, Leben zu retten!

Freilich gibt es auch Missbrauch: Handymanie, mit der man in der Straßenbahn oder im Zug unfreiwillig zum Zeugen banaler oder gar intimer Gespräche wird.
So kann man davon sprechen, dass Segen und Fluch eng beieinander liegen.

Es ist gut, dass es diese Technik gibt.
Technikskepsis gab es auch bei Erfindung der Eisenbahn oder des Automobils. Wer aber möchte heute darauf verzichten? Es bleibt immer eine ethische Herausforderung, mit den Möglichkeiten der Technik verantwortlich umzugehen.

Ich habe nicht den Ehrgeiz, bei allen Dingen mithalten oder alles beherrschen zu wollen. Für mich ist die biblische Maxime "Prüfet aber alles und das Gute behaltet!" (1. Thessalonicher 5,12) auch hier ein guter Grundsatz. Über das Gute kann mich freuen und nutze es gern.

Frank del Chin

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Elli
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Elli Offline

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14.10.2010 09:46
#70 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Donnerstag, 14.10.2010 - Leben mit Handicap

In meinem Geburtsort Sebnitz gab es zu meiner Kinderzeit vor über 40 Jahren einige stadtbekannte Leute, die eine Behinderung hatten, wegen der sie im Stadtbild auffielen. Besonders wir Kinder begegneten ihnen mit wenig Respekt.

Sie hatten alle eine Aufgabe, meist einfache Arbeiten. Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Es waren teilweise entwürdigende Tätigkeiten.
Als Gesellschaft haben wir dazu gelernt. Es gibt sie kaum mehr, die abschätzig, aber manchmal auch mit liebevollem Zungenschlag "Dorf- oder Stadttrottel" genannt wurden. Gut, dass sie nicht mehr dem Gespött preisgegeben sind. Und dennoch erinnere ich mich auch mit etwas Wehmut. Denn die andere Seite der Medaille war, dass diese Menschen im Bewusstsein ihrer Mitbürger tatsächlich auftauchten. Täglich begegnete man ihnen. In vielen Betrieben waren sie beschäftigt. Heute arbeiten sie in geschützten Werkstätten unter tausendmal besseren Bedingungen, unter professioneller Förderung und Begleitung. Aber meistens fahren Sie früh zeitig zur Werkstatt am Rande einer Stadt und kehren erst am späteren Nachmittag zurück. Auf den Straßen sind sie deshalb nur selten zu sehen. Viele von ihnen leben in Wohnstätten oder Heimen. Auch diese Stätten sind ein Segen, und segensreich setzt man sich dort für sie ein. Aber so kommt es, dass in manchen Orten Menschen mit auffälligen Beeinträchtigungen oder Behinderungen einfach nicht mehr öffentlich vorkommen.

Das ist schade. So kann der Eindruck entstehen, als gehörten Behinderungen gar nicht zum Leben, zum Alltag und seien absolute Ausnahmen.
Als mein Sohn sein Zivildienstjahr mit behinderten Menschen begonnen hat, hat er uns einen eindrücklichen Brief geschrieben und darin gefragt. Wer ist eigentlich normal in dieser Welt? Wir oder diese Menschen, die viel unmittelbarer ihre Gefühle ausdrücken können.

Es wäre schade, wenn junge Leute solche Fragen nicht mehr stellen, weil sie ihnen nicht mehr in menschlicher Gestalt begegnen.

Frank del Chin

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Elli
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Ivonne Offline




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15.10.2010 08:10
#71 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 15.10.2010 - Zuversicht und Hoffnung

59 Prozent der Jugendlichen in unserem Land blicken ihrer Zukunft zuversichtlich entgegen.
Das ergab eine repräsentative Umfrage. Es sind damit neun Prozent mehr als noch vor vier Jahren.
Bei vielen Aspekten der sogenannten Shell-Studie, einer Umfrage, die alle vier Jahre wiederholt
wird, ist ein deutlich positiver Trend zu erkennen.

Zuversicht und Hoffnung sind für das Leben so nötig wie Essen und Trinken. Wo Zuversicht und
Hoffnung sind, bewegt sich etwas, packen Menschen ihr Leben an, gestalten sie die Zukunft.
Sie sind Voraussetzung, dass Menschen sich für Kinder entscheiden, dass sie vor Problemen
nicht weglaufen, dass sie Aufgaben übernehmen und mit Freude nach Lösungen suchen.

Als neulich eine Schule nach langer Renovierung wieder eröffnet wurde, führte uns ein Schüler
durch das Gebäude. Er war sichtlich stolz. Mit Recht, denn es sind wunderbare Bedingungen zum
Lernen entstanden. Ich glaube bei ihm kam die Botschaft an: Wir setzen auf Euch junge Leute.
Ihr sollt gute Voraussetzungen haben zum Lernen. Einmal hat er sogar etwas ironisch bemerkt:
"Was braucht man nicht alles!", weil das Ausstattungsniveau einen übertriebenen Eindruck machte.
Diese Schule ist ein Beispiel für sichtbaren Zukunftsoptimismus.

Die Jugendstudie macht aber auch deutlich, dass es Gruppen von Jugendlichen aus benachteiligten
Familien gibt, unter denen sich die positive Grundstimmung noch nicht ausbreitet. Das zeigt,
dass die allgemeine Tendenz nicht an solch vorzeigbaren Dingen wie einer neuen Schule festzumachen
ist. Es ist vielmehr ein Phänomen, für das es viele Erklärungsversuche gibt. Einer davon ist,
dass junge Leute spüren müssen: Uns wird etwas zugetraut. Wir können unsere Zukunft mitgestalten
und uns für etwas nützlich machen. Dieses Zutrauen ist nicht nur an finanzielle Zuwendungen oder
besondere Ausstattungen gebunden. Es wird in erster Linie durch eine optimistische und
hoffnungsvolle Grundhaltung befördert, mit der wir Älteren jungen Menschen begegnen.

So kann jeder etwas dafür tun, dass der positive Trend unter den jungen Leuten anhält und auch
jene erreicht, die noch nicht so optimistisch in die Zukunft schauen. Denn eigentlich ist es doch so,
wie es mit Blick auf die Verheißung neuen Lebens in der Bibel steht: "Die Hoffnung, die man sieht,
ist nicht Hoffnung, denn wie kann man auf das hoffen, was man sieht?" (Römer 8,24)


Frank del Chin

Ivonne Offline




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16.10.2010 15:53
#72 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Sonnabend, 16.10.2010 – Gastfreundschaft

Neulich lud uns ein Ehepaar nach einer spontanen Begegnung auf ein Glas Wein zu sich nach Hause ein.
Ab und zu waren wir uns schon begegnet, kannten uns aber noch nicht näher. Es war nur ein kurzer Blickkontakt
zu meiner Frau nötig und wir konnten sofort zusagen. Wir waren verblüfft und angenehm überrascht.
Denn das kommt selten vor. Die meisten Einladungen geschehen überlegt und geplant.

Wir laden selber gern Gäste ein. Aber es dauert schon eine gewisse Zeit, bevor es dazu kommt.
Eine Party im Garten oder ein Treffen an neutralem Ort ergeben sich schneller mal.
Dabei entstehen Freundschaften. Denn Vertrauen wächst dann, wenn man sich anderen öffnet und
etwas von sich zeigt. Das kann bei der Wohnung beginnen. Die Gastgeber zeigen wie sie leben und
wo sie sich wohl fühlen. Als Gäste lernen wir kennen, womit sie sich täglich umgeben. Möbelstücke
gehören ebenso dazu wie Bücher oder Musik-CDs. Die Vorlieben werden sichtbar und manches
Hobby, manche stille Leidenschaft: Vielleicht eine Sammlung Keramik oder alte Fotos, die die Wände
schmücken oder auch eine Modellbahnanlage, die einen ganzen Raum füllt.

Wer Gäste in sein Haus einlädt macht deutlich: Ich genüge mir nicht allein. Neben seinen Stärken und
Vorlieben gibt man auch etwas von den Schwächen preis und macht sich in gewisser Weise verletzlich.
Davor haben manche Menschen Angst. Sie scheuen jeden Gast, der nicht unmittelbar zur Familie gehört.
Das ist sehr schade, denn so bleiben Begegnungen auf der Strecke, die wohltuende Nähe ermöglichen.
Aus manchen ärmeren Ländern weiß ich, dass die Gastfreundschaft dort sehr ausgeprägt ist.
Und die Leute dort machen trotz ihrer Armut oft einen sehr frohen Eindruck. Sie müssen gute Erfahrungen
mit einer ausgeprägten Gastfreundschaft machen!

In einem Brief des Neuen Testamentes der Bibel heißt es:
"Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt." (Hebräer 13,2)


Frank del Chin

Ivonne Offline




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18.10.2010 08:02
#73 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Montag, 18.10.2010 - Wissen, wohin man gehört

Jeden Morgen, wenn ich aufstehe, führen mich meine ersten Schritte zur Veranda. Ich öffne die Außentür
und lasse unseren Kater in die Wohnung. Meistens wartet er schon mauzend davor und springt dann gleich
an mir vorbei zu seinem Futternapf – allerdings nicht, ohne sich kurz an meine Beine zu drücken und mich
auf diese Art zu begrüßen. Unser Kater weiß, wo er zuhause ist. Hier, bei uns, bekommt er täglich seine Milch
und etwas Trockenfutter. Die Mäuse holt er sich von außerhalb. Die ganze Nacht und oft auch einen Großteil
des Tages verbringt er draußen, streunt durch Gärten und den nahen Park, besucht andere Familien.
Unser Kater geht selbstständig seine Wege, aber er weiß, wo er hingehört. Er ist unabhängig, und doch Mitglied
unserer Familie. Auch wenn die Kinder ihn gelegentlich am Schwanz ziehen oder jemand aus Versehen auf
seine Pfoten tritt, wenn er unterm Küchentisch liegt, scheint er sich bei uns zuhause zu fühlen.

In der Bibel lese ich: "Ein Ochse kennt seinen Herrn und ein Esel die Krippe seines Herrn."
Tiere sind sehr anhänglich. Sie sind Menschen treu verbunden, von denen sie liebevoll versorgt und zärtlich
gestreichelt werden. Tiere wissen, wo es gut für sie ist, wo sie angenommen sind, wo sie die Dinge finden,
die sie zum Leben brauchen. Doch das ist nicht nur bei den Tieren so. Was für sie gilt, sollte doch erst recht
für uns Menschen selbstverständlich sein. Auch wir brauchen einen Platz, wo es uns gut geht.
Ein Zuhause, wo wir uns angenommen und akzeptiert fühlen – das kann die Familie, aber auch die Arbeitsstelle,
der Sportverein sein. Ich jedenfalls freue mich, wenn ich weiß, wo ich hingehöre.

Und ich erlebe eine Geborgenheit, die noch darüber hinausgeht. Ähnlich wie Ochse, Esel und auch unser Kater
habe ich einen Herrn. Ich weiß mich bei Gott, dem Schöpfer und Bewahrer dieser Welt aufgehoben.
Wenn ich ihn kenne und zu ihm gehöre, habe ich immer ein sicheres Zuhause.
Gott, der Herr, sorgt für mich, jeden Tag neu.


Thomas Przyluski

Ivonne Offline




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19.10.2010 08:07
#74 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 19.10.2010 - Respekt vor Kindern

"Kinder sind kleine Majestäten. Sie sollten nicht anders behandelt werden wie ein König." – Wenn ich diesen Satz höre,
denke ich an die rosafarbene Prinzessin Lillifee, die an manchen Tagen durch unsere Wohnung stolziert.
Bisweilen gesellen sich dann weitere phantasievoll geschmückte Majestäten dazu, bis ein bunter Hofstaat
das ganze Haus bevölkert. Unsere Kinder spielen das gerne.

"Kinder sind kleine Majestäten. Sie sollten nicht anders behandelt werden wie ein König."
Doch Rollenspiele und Karneval hatte Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf nicht im Sinn,
als er vor mehr als 250 Jahren diesen Satz sagte. Ihm ging es um etwas Grundsätzlicheres.
Er suchte Antworten auf die Fragen: Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft?
Wie sollten erwachsene Menschen mit Kindern umgehen?

Nun kenne ich tatsächlich Familien, in denen die Kinder sozusagen auf dem Thron sitzen – auch ohne jegliche Verkleidung.
Sie lassen sich königlich bedienen und haben ihre Eltern ganz gut im Griff. Und in anderen Familien
werden die Kinder mit Geschenken überhäuft, wie früher nur die Könige. – Doch es geht um mehr,
wenn ich in den Kindern kleine Majestäten sehe: Wie begegne ich ihnen im Alltag?
Nehme ich sie und ihre Fragen ernst oder mache ich mich über ihre unbeholfene Ausdrucksweise lustig?

Manche Leute reden mit Kindern geradezu kindisch anstatt kindlich gerecht. Andere können nicht einmal Kinder
in ihrer Umgebung ertragen. Bis hin zur Unterschriftensammlung gegen einen geplanten Kindergarten in der Nachbarschaft.
Kindern wird ein gemächlicher, spielerischer Start ins Leben verweigert. Sie haben bereits einen vollen Terminkalender
mit Sportverein, Musikschule und so weiter. Früh werden sie mit unserer Leistungsgesellschaft konfrontiert.

Zinzendorf fand noch weitere anschauliche Bilder, mit denen er uns empfindlich macht für einen respektvollen,
wertschätzenden Umgang mit Kindern: "Kinder sollte man hübsch wie ein rohes Ei behandeln"
oder "wie einen Schatz, den man in einem zerbrechlichen Gefäß über einen schmalen Steg trägt".


Thomas Przyluski

Ivonne Offline




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20.10.2010 09:06
#75 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Mittwoch, 20.10.2010 - Starker Weggefährte

"Es lebe die Arbeiterklasse!", "Je stärker der Sozialismus – desto sicherer der Frieden!",
"Wie wir heute arbeiten, werden wir morgen leben", "Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen!"
Auf großen roten Bannern waren diese Losungen überall in der DDR zu lesen: an Schulen, Fabriken
und bei Demonstrationen. Sie sollten die Menschen täglich mahnen, in welche Richtung sie zu denken
hatten.

Einige haben auch daran geglaubt, viele haben sich über diese Losungen amüsiert, mancher hatte
den Mut darüber zu diskutieren. Aber für alle diese Losungen gilt wohl: Sie hatten wenig Bezug zum
Alltag – und schon gar keinen wohltuenden.
Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, wo die DDR fast zu Ende war – an der Grenze zu Polen und
Tschechien. Natürlich gab es auch hier die offiziellen Staatslosungen an Häusern und Wänden. Aber
bei uns gab es auch andere Losungen: die Herrnhuter Losungen. Zwei Bibelworte für jeden Tag,
zusammengefasst in einem kleinen Büchlein. Nicht ausgesucht oder passend zu bestimmten
Ereignissen ausgewählt, sondern, wie es der Name ja auch sagt, ausgelost.

Heute lese ich zum Beispiel in meinem Losungsbuch: Jesus Christus sagt: "Wenn ihr mich um etwas
bittet und euch dabei auf mich beruft, werde ich eure Bitte erfüllen." Wer unter diesem Motto einen
Tag beginnen kann, braucht eigentlich keine Angst vor Prüfungen, heiklen Entscheidungen oder
unangenehmen Begegnungen zu haben. Wer mit Jesus Christus durchs Leben geht, hat immer einen
starken Weggefährten dabei. So eine Losung hat doch mehr mit meinem Leben zu tun, als die
Staatslosungen in der DDR.

Die Herrnhuter Losungen gab es schon lange vor der DDR, und es gibt sie heute noch. Die von
Menschen gemachten DDR-Losungen waren nur begrenzt haltbar. Sie sind bestenfalls im Museum
gelandet. Aber Gottes Wort, die Bibel hat Bestand, ist immer aktuell. Das sind wahre Losungen.


Thomas Przyluski

Ivonne Offline




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21.10.2010 07:57
#76 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Donnerstag, 21.10.2010 - Die guten Dinge des Lebens

Zu den Lieblingsbüchern unserer Kinder gehört die Geschichte vom reichen Bauern. Vom vielen Lesen
löst sich das Buch schon in seine Einzelteile auf. Doch die einfachen, klaren Sätze und die charmanten,
humorvollen Illustrationen fesseln unsere Kinder trotz des armseligen Anblicks, den das ganze Buch
mittlerweile bietet.

Dem reichen Bauern geht es gut. Bei ihm wächst das Getreide schneller und besser als bei den anderen.
Im Herbst erntet er viel mehr als andere Leute. Er hat so viel Getreide, dass seine Scheune nicht ausreicht.
Er baut sich eine größere. Doch bei der nächsten Ernte ist auch die neue Scheune nicht groß genug.
Denn der Bauer hat in seiner Habgier noch mehr Getreide angebaut und außerdem noch Kartoffeln.
Er baut eine weitere, noch größere Scheune. Als auch die im nächsten Jahr nicht ausreicht, weil der Bauer
zusätzlich noch Rüben angebaut hat, reißt er die zu kleine Scheune ab und baut eine noch viel größere.
Als sie fertig ist, freut sich der Bauer: "Morgen werde ich ernten. Und dann habe ich es endlich gut.
Dann bin ich so reich, dass ich nie wieder arbeiten muss."

Aber in dieser Nacht stirbt der Bauer. Einfach so. Und er hat nichts von all seinem Reichtum.
Die Geschichte kommt aus der Bibel. Jesus erzählt sie. Er will damit deutlich machen, wie sinnlos es sein kann,
Besitz und Reichtum anzuhäufen. Sein Kernsatz lautet: "Der Mensch gewinnt sein Leben nicht aus seinem Besitz,
auch wenn der noch so groß ist."

Für Jesus Christus zählt im Leben mehr als der materielle Reichtum. Für Sie auch?
Wir Menschen klammern uns oft an Luxusgüter, die wir uns leisten. Glauben, dass sie uns Glück bringen.
Doch in Wahrheit haben die Dinge uns im Griff, wir schleppen ihre Last, wir sind Getriebene unseres Reichtums.

Die Dichterin und Schriftstellerin Eva Strittmatter schrieb: "Die guten Dinge im Leben sind alle kostenlos":
ein aufmunterndes Lächeln, ein freundliches Wort, gemeinsam verbrachte Zeit, die wärmende Sonne,
ein liebender Partner. Wir können sie nicht kaufen, diese guten Dinge des Lebens. Wir können keinen
Vorrat anlegen. Wir können sie nur empfangen und dankbar sein – und manches auch weitergeben.


Thomas Przyluski

Ivonne Offline




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22.10.2010 09:03
#77 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Freitag, 22.10.2010 - Steh auf!

Manchmal habe ich keine Lust zu singen. Mir ist einfach nicht danach zumute. Es ist kein Platz für
Töne in meinem Herzen. Und wenn, dann nur für eintönige, klagende Seufzer.

Manchmal bin ich gereizt. Ich knurre meine Tochter an wegen Kleinigkeiten. Ich weiß, dass es
ungerecht ist. Doch zu einer Entschuldigung kann ich mich nicht durchringen.

Manchmal bleibt mir die Luft weg, weil ich mich über irgendjemanden oder irgendetwas ärgere.
Der Ärger frisst in mir, nagt an meinem Herzen, legt alles Leben lahm.

Manchmal bin ich wie gelähmt beim Anblick des Berges Arbeit, der vor mir liegt. Ich weiß nicht,
wo ich beginnen soll. Alles ist zu viel, das macht mich bewegungsunfähig.

Manchmal bin ich blind und taub für andere. Nichts zählt, außer meiner eigenen Meinung.
Ich bin verbohrt, stecke fest und kann mich daraus nicht befreien.

Manchmal bin ich stumm. Ungerechtigkeiten geschehen, und ich mache den Mund nicht auf.
Manchmal stirbt etwas in mir. Hoffnung stirbt. Vertrauen stirbt. Freude stirbt. Zuneigung stirbt.
Ausgeglichenheit stirbt. Offenheit stirbt. Ehrlichkeit stirbt. Gerechtigkeit stirbt. Meine Meinung stirbt.

Dann wünsche ich mir den, der zu mir kommt und mich wieder lebendig macht. Der mir die Hand
entgegen streckt und sagt: "Steh auf." Jesus Christus nahm ein totes Mädchen bei der Hand und
sagte: "Steh auf"! berichtet die Bibel. Und das Mädchen stand auf und ging hinaus.

Ich glaube an den, der so etwas kann, damals und heute. Ich glaube an den, der Macht hat über
den Tod hinaus. Ich glaube, dass Gott Leben bringen kann in die toten Momente meines Lebens.


Thomas Przyluski

Ivonne Offline




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23.10.2010 12:54
#78 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Sonnabend, 23.10.2010 - Mehr als satt werden

Es ist 11 Uhr vormittags, ich fahre mit der Straßenbahn. Die ist recht voll. Es gibt keinen freien Sitzplatz mehr,
vor und hinter mir stehen noch einige Leute. Auf dem Sitz neben mir kramt ein älterer Herr in seiner Einkaufstasche.
Umständlich fummelt er ein Telefon hervor und sichtlich ungeübt fängt er an, eine Nummer einzutippen.
Dann hält er es ans Ohr. Nach wenigen Sekunden schreit er plötzlich ins Gerät: "Ich bin's. Du kannst die Kartoffeln
schon aufsetzen." Pause. "Ja, bis gleich." Dann drückt er die rote Taste und verstaut umständlich sein Telefon
wieder in der Tasche auf seinen Knien – unbeeindruckt von den Blicken der Mitfahrenden. Wir schauen uns an, schmunzeln,
einige lachen halblaut,einige schütteln abfällig den Kopf. "Du kannst die Kartoffeln schon aufsetzen." –
eine wichtige Nachricht. Zumindest für den, der pünktlich 12:00 Uhr sein Mittagessen auf dem Tisch haben will.
Solche Nachrichten gehören zum täglichen Leben. Sie sind nicht besonders aufregend.

Darüber hinaus gibt es solche, die weit über das Alltägliche hinaus reichen. Zum Beispiel, wenn Jesus Christus sagt:
"Ich bin das Brot, das Leben schenkt. Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein". Jesus macht jedem Menschen
ein Angebot, das über das bloße Sattwerden hinausgeht. Er will unseren Hunger nach Zufriedenheit,
nach Sinn und Glück sättigen. Er kann uns ein erfülltes Leben schenken. Worte von Jesus Christus stärken Körper und Seele.

Aber nicht immer müssen wichtige, stark machende Worte allein aus der Bibel kommen. Auch ich selbst
kann sie meinen Mitmenschen zusprechen. Statt den Startschuss zum Mittagessen zu geben, vielleicht so:
"Ich freu mich auf Dich. Gleich sehen wir uns wieder – und übrigens: Wäre schön, wenn wir dann gemeinsam
Mittagessen können." Unsere Worte ersetzen nicht die, die Jesus zu uns spricht.
Aber sie stärken unser menschliches Miteinander, unsere Beziehungen.


Thomas Przyluski

Elli Offline

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25.10.2010 10:40
#79 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten

Montag, 25.10.2010 - Schnäppchen

Falls Sie heute schon die Werbung durchgesehen haben oder es noch werden, da gibt es ein Wort, das so sagenhaft verführerisch wirkt – das Schnäppchen. Was genau wird einem denn da eigentlich eingeredet mit diesem Begriff? "Du kannst da ohne viel Mühe und schnell etwas bekommen – und zwar zu einem sagenhaft günstigen Preis."

Das passt so ganz in eine Denkweise, die sich um uns – aber auch gelegentlich IN uns – breit zu machen scheint. Dieses "Schnäppchendenken".
Dem Augenschein oder Hörensagen entsprechend, verheißt es einem irgendetwas, vom Zucker für 50 Cent bis zu einem Auto von "nur" 13.000 Euro erhalten zu können, ohne den wirklichen Preis zahlen zu müssen. Verlockend, nicht wahr?
Nüchtern – oder besser ernüchternd betrachtet, muss man aber festhalten:

1. Im Geschäft macht kaum jemand etwas aus Nächstenliebe. Es gibt bei diesen "günstigen Angeboten" immer einen Hintergedanken. Und Hintergedanken haben nun aber auch gar nichts mit Liebe zu tun.

2. Es gibt nämlich gar keine wirklichen Schnäppchen. Früher oder später zahlt man entweder selbst oder ein anderer den wirklichen Preis oder unter Umständen sogar noch mehr. Vielleicht nicht immer in Form von Geld, aber es gibt ja noch viel mehr, das gelten kann.

Unser Glaube und das Reich Gottes sind jedenfalls nicht so augenscheinlich günstig. Christus hat auch nie versprochen, quasi aus seiner Nachfolge ein Schnäppchen zu machen. Denn die hat nun immer etwas mit Liebe zu tun – und wenn nicht, dann hat das Ganze mit allem Möglichen, nur nichts mit Christus zu tun. Denn, meine lieben Zuhörerinnen und Zuhörer – die Liebe ist eine Kunst und nicht günstig – und schon gar kein – Schnäppchen.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag – und den gibt es auch nicht zu einem Schnäppchenpreis.

Pater Bernhard Venske

Liebe Grüsse
Elli
(Wir sind nur Gast auf dieser Welt)
אנחנו רק אורח בעולם הזה

Ivonne Offline




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27.10.2010 07:47
#80 RE: Worte für den Tag Zitat · antworten


Dienstag, 26.10.2010 – Hintertür

In Krimis begegnet uns folgende Szene immer wieder einmal: Der Kommissar geht durch die Haustür
herein und der Verbrecher schleicht sich durch die Hintertür heraus. Und so hält sich jeder, der entweder
Angst oder etwas zu verbergen hat, immer ein Hintertürchen offen. Ist ja auch ganz praktisch.
Man kann sich so der Verantwortung oder der Auseinandersetzung entziehen.

Aber nicht alles, was praktisch ist, ist auch immer gut. Und auch bei den erwähnten Krimis hilft diese
Art, sich aus dem Staub zu machen nicht wirklich. Zumindest nicht auf Dauer. Am Ende – und das ist
das Wohltuende an den Krimis – läuft der Verbrecher doch dem Kommissar in die Hände und wird zur
Rechenschaft gezogen.

Auch im Leben halten wir uns ja ganz gern einmal ein Hintertürchen offen. Doch früher oder später
erkennen wir, jedes Hintertürchen führt nur zu einer Flucht – meist vor sich selbst. Und irgendwann
müssen wir uns doch dem stellen, dem wir uns auf diese Weise entziehen wollten; dem, was uns
Angst macht oder dem, was wir verbergen wollten.
Dazu kommt, fällt diese Hintertür ins Schloss, gibt es keine Möglichkeit mehr, umzukehren. Dann wird
es fatal – im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Wort "Hintertür" gibt es in den Schriften des Alten wie des Neuen Bundes gar nicht – nicht einmal
ein "Hintertürchen".

Braucht man als Glaubender auch gar nicht, so etwas.
Der Glaube ist nämlich kein Fatum, kein Schicksal, dem man sich ergibt. Da fällt auch nichts unumkehrbar
ins Schloss und lässt keine Umkehr mehr zu.

Er gibt uns alle Möglichkeiten, sich den eigenen Ängsten und dem, was man am liebsten verbergen
möchte, zu stellen. Und zwar alltäglich.
Christus vergleicht sich selbst mit der Tür. "Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet
werden; er wird ein- und ausgehen und Weide finden.", verspricht er uns. Diese Tür steht uns immer
offen.

Vielleicht denken Sie heute einmal daran, wenn Sie Ihr Haus durch die Vordertür – wie so oft – verlassen –
und zwar in einen guten Tag, den ich Ihnen wünsche.


Pater Bernhard Venzke

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