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Frannys Hanne Haller Fan-Forum

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 Alltagsgeschichten
Herbstbube2 Offline




Beiträge: 1.030

17.08.2010 13:16
Die versteckte Welt - Teil 2 Zitat · antworten

Von all dem ahnen die Menschen auf der Erde nichts. Sie sehen nur den plötzlichen Nebel, der den Stein dort an der Straße verhüllt. Das ist alles. Merkwürdig: Haben sie nicht vor ein paar Sekunden noch einen Mann da so nachdenklichen Gesichtes stehen sehen? Wo ist er nur geblieben?

Ja, es hat nur wenige Sekunden gebraucht, um Gunnar seiner Welt zu entrücken. Einem sehr hektischen Leben, einer Welt voller Konflikte. „Du darfst deine Augen jetzt aufmachen!“, erlaubt ihm Emir. Nur zu gerne gehorcht Gunnar dieser Aufforderung und blinzelt ins Helle. Kein einziges menschliches Wesen vor ihm hat jemals den Traumhimmel des Elfenreiches bewundern dürfen. Schwebend durchtanzen die Drei zart rosa Wolken, deren Ränder von Sonnenstrahlen rotgülden gefärbt werden. Unsere Reisende sind ganz allein in diesem Wunder der Natur. Stille liegt über allem.

Viel zu schnell geht es, viel zu rasch sind sie am Ziel. Gunnar erkennt unter sich die Berge. Ein Felsenmassiv erstreckt sich bis hin zum Horizont. „Eigenartig!“, entfährt es ihm. „Was denn?“ fragt Piri zurück. Jetzt ist es an dem Elfen, erstaunt zu sein. „Die Berge sehen aus wie unsere“, stellt Gunnar fest. „Es sind eure Berge!“, bekräftigt Emir. „Es ist, wie die Sagen es erzählen: Diese Felsen sind unsere Heimat.“
Sie schweben herab und landen auf einem schmalen Weg hoch oben direkt unter dem Grat eines riesigen Felsens. Kein Baum, kein Strauch, nur nackter Stein. „Wir sind da!“, bemerkt Piri zufrieden. Hier sind sie urplötzlich nicht mehr allein. Vor ihnen kauert ein winziges Wesen. Sein Körperchen sieht aus wie eine Baumwurzel, sein Gesichtchen wie das eine Hutzelweibleins. „Na, gottlob seid ihr pünktlich. Wir warten schon auf euch!“ Regelrecht ein bisschen vorwurfsvoll klingt das. Dann bemerkt der Winzling Gunnar. „Hiillfe! D…das ist doch ein Mensch. Was sucht der denn hier??“ „Keine Angst, Wurzel! Er möchte mit der Königin verhandeln, damit bald zwischen unseren Völkern endlich Frieden herrscht.“ „Seid ihr euch da auch ganz sicher?“, bibbert Wurzel vor sich hin. Seine knorpelligen Beinchen zittern wie Espenlaub. „Er ist eines unserer Wurzelmännchen. Ein ganz lieber Kerl, der etwas weiter unten an der Waldgrenze wohnt und den Bäumen Gesellschaft leistet, die doch sonst sehr einsam wären“, stellt Emir ihn vor. „Jeden Abend kommt er ins Schloss, denn das Elfendinner lässt er sich natürlich nicht entgehen. Da fallen immer ein paar Leckereien für ihn ab.“ Wurzel mustert Gunnar prüfend. Gunnar erwidert den Blick. Beide kommen zu dem Ergebnis, man könne es ja ´mal miteinander versuchen.

Das Wurzelmännchen gräbt sich langsam Stückchen für Stückchen näher an den Felsen heran. Nach ein paar Metern stoppt es vor einem riesigen Tor. Emir streckt seinen Arm aus und berührt dieses mit der Hand. Lautlos schieben sich die Torhälften auseinander und geben den Blick frei auf einen langen engen Gang, der steil nach unten führt. Dicht hintereinander betreten die Vier diesen Tunnel, Wurzel als Letzter. Laternen brauchen sie nicht. Die Elfenkörper leuchten auf einmal wie kleine Sterne, so dass die bedrohliche Dunkelheit verdrängt ist. Tiefer und tiefer geht es hinab. Gunnar erscheint es wie eine Ewigkeit, bis sie endlich vor einem zweiten Tore Halt machen. Dieses ist nicht grau, sondern von leuchtendem Rosenrot, der Farbe der Liebe. Es ist der Eingang zum Elfenschloss.
Gunnar ist aufgeregt. Hinter dieser Türe wird sich ihm eine andere Welt auftun. Eine bessere? Oder sind die vielen Sagen und Legenden um die Elfen eher Rosen gleich, die den menschlichen Seelen zuliebe ihre Dornen verstecken, um ihnen Rückhalt und Stärkung zu sein in der bisweilen harten Wirklichkeit? Ja, er ist zutiefst betroffen, wenn sich alles als schmeichlerische Lüge herausstellt. Gunnar erwartet eben etwas überirdisch Schönes, wie es sich seiner Meinung nach für ein richtiges Zauberreich geziemt.

Ein zweites Mal auf dieser Reise nehmen Piri und Emir ihren menschlichen Kameraden in die Mitte: „Niemand aus dem Menschenreich durfte bisher eintreten in dieses Heiligtum, den Palast unserer Königin. Erweise Dich als dieser Ehre würdig!“ Der kleine Wurzel hat sich während der feierlichen kurzen Ansprache langsam bis zu dem Tor vorgearbeitet. Vor Gunnars Füßen setzt er sich nieder, um zu verschnaufen. Schließlich ist es sehr anstrengend, sich auf solch knorrigen Beinen fortzubewegen. Gunnar sieht dem kleinen Kerl an, wie sehr ihn des Elfen Worte rühren.

Nicht nur, dass dessen Gesichtchen noch verschrumpelter ist als sonst. Nein, Wurzel versucht, sich so gerade aufzurichten, wie es eben geht, um diese Stunde zu ehren. Aber er ist nun einmal nur ein Wurzelmännchen und Wurzelmänner haben eben schnörkelig gekrümmte Beine. Deshalb sind seine Bemühungen auch von keinem großen Erfolg gekrönt. Verlegen legt er den Kopf in den Nacken und grinst Gunnar ganz besonders nett an – sozusagen zum Ausgleich. Gunnar versteht und lächelt herzlich zurück. Ja, unsympathisch sind sie sich eigentlich schon lange nicht mehr.

„Wurzel, wir sind bereit!“ Piri stupst das kleine Wesen sanft an. Wurzel versteht sofort, wendet sich zum Eingang und klopft mit einem seiner Ärmchen kräftig gegen das Tor. Es dauert nur einen winzigen Moment. Dann ziehen sich die beiden Türhälften in den Felsen zurück. Gunnar traut seinen Augen nicht. All seine Elfenwelt-Träume ziehen nochmals blitzschnell an ihm vorbei. Sie sind wundervoll gewesen. Er ist freundlichen Märchenwesen begegnet und durch Bilderbuchlandschaften voller atemberaubender Farben spaziert. Doch nichts davon ist hiermit vergleichbar. Es ist tausendmal prachtvoller als alles, was er sich je vorgestellt hat.

Hinter dieser Tür verbirgt sich ein Felsensaal, mindestens vier Meter hoch mit einem reich mit Gemälden verzierten Deckengewölbe. Sie stellen Wälder, Blumen und Meere dar, die im Licht glühenden Morgen- oder auch Abendrotes baden. Gunnars bewundernder Blick wandert zur höchsten Stelle der Decke und bleibt da fasziniert haften. Dort ist eine riesige Glaskuppel eingelassen, durch die das Tageslicht den ganzen Raum in sanftes Licht taucht. „Wir befinden uns demnach hier direkt unter einem Felsplateau!“, folgert Gunnar.

An den Längsseiten des Saales reihen sich großzügige Sitznischen aneinander, in denen zierliche Sofas mit golden verschnörkelten Lehnen und purpurroten Polstern zum Ausruhen einladen. Davor stehen niedrige Tischchen, geschmückt mit kleinen Leuchtern, die hübsche dunkelroten Kerzen halten. Neben den Sofas strecken sich dichte Efeubäume und elegante, hoch gewachsene Palmen in romantischen Kübeln dem Licht entgegen. Die Form der Wedel erinnert Gunnar an die Elfenflügel. Dies sind allerdings sehr viel kräftigere Flügel und so lang, dass sie in sanftem Bogen als grüne Schilder die Sitzenden beschützen. Was wäre ein Elfenpalast ohne lebendiges Grün? Schließlich sind Elfen Naturgeister und alle Pflanzen ihre Freunde.

Mitten im Saale steht ein langer, wunderschöner Tisch. Auf ihm entdeckt Gunnar die herrlichsten Speisen und Getränke. Es ist genau so, wie es die Elfen beschrieben haben. Dekoriert ist die Tafel mit Lilienblüten in allen Regenbogenfarben. Jede Schüssel und jeder Teller ist mit einer solchen Blüte geschmückt. Zwei grazile Kerzenleuchter runden das charmante Bild ab. Gunnar kann sich nicht satt sehen an allem. Sein Blick wandert betört wieder und wieder aufs neue quer durch den Raum. Da fällt ihm ein kleines Podest am gegenüberliegenden Ende des Saales ins Auge. „Dort steht der Thron unserer Königin!“, flüstert Emir voller Stolz. Anders als die Sitzgelegenheiten des Elfenvolkes ist jener ganz von Blüten umrankt. Von Orchideen und Rosen, die mit ihrem edlen Äußeren als einzig würdiger Rahmen den Platz ihrer Gebieterin umschmeicheln.

„Du hast vorhin so gedrängt und jetzt sind wir die Ersten!“, meint Gunnar ein wenig enttäuscht zu Emir. „Mein Volk wird jede Sekunde eintreffen. Es ist die Stunde der innigen Gemeinschaft. Das lässt sich kein Elf entgehen“, beruhigt der ihn. „Wo bleiben sie denn nur, ob sie sich bei den Bienchen vertrödelt haben?“ Piri tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen und zurück. Er hat ganz offensichtlich gehörigen Kohldampf. Begehrlich schielt der kleine Elf zum Tisch. Ob er vielleicht…? „Wehe!“, errät Emir die Gedanken seines kleinen Freundes. „Es wird erst gegessen, wenn alle da sind!“ Beschämt guckt Piri mit hochrotem Kopf zu Boden. Sogar Elfenkinder bekommen da rote Wangen.

Der Elfenbub soll bald seinen Hunger stillen können. Plötzlich öffnen sich in den Längswänden des Saales ganz viele Türchen, die vorher selbst vor Gunnars ach so neugierigen Blicken verborgen gewesen sind. Große, kleine und noch kleinere Mädchen trippeln fröhlich herein. Sie tragen weich fallende, leicht ausgestellte Kleidchen in hellen Pastelltönen. Passend dazu haben sie sich die Ränder ihrer hauchzarten Flügelchen geschminkt. Auf dem gelbgelockten Haar sitzen hübsche Hütchen mit breiter Krempe. Damit sehen sie aus wie kleine Damen. Sie legen die Arme umeinander und tänzeln mit grazilen Schritten von Sofa zu Sofa, bis jedes von ihnen seinen Platz gefunden hat. Dann sinken sie auf das weiche Polster, zupfen ihr Kleidchen sorgfältig zurecht und falten die kleinen Hände im Schoss zusammen. Die Gesichter zum Thron gewandt, warten sie guterzogen so auf ihre Königin.

Sie müssen sich noch ein wenig gedulden. Denn noch fehlen die Elfenbuben. Die nehmen es, ähnlich wie die Menschenjungen, manchmal mit der Pünktlichkeit nicht so genau. So oft hat die Königin deswegen schon mit ihnen gehadert und ihnen deshalb kein Stück von der Honigtorte erlaubt. Ganz bedröppelt haben die Schlingel jedesmal ihre Flügelchen gesenkt und Besserung gelobt. Aber immer wieder geht der Übermut mit ihnen durch.
Heute ist es gottlob anders. Gerade nur eine einzige Minute verspäten sie sich. „Ihr seid ja richtig früh dran!“, neckt sie ein kleines Elfenmädchen. Es ist ein besonders hübsches Kind und deshalb auch etwas kecker. „Ein Bienchen hätte fast nicht mehr nachhause gefunden. Dem mussten wir doch helfen. Es war wohl zum aller ersten Male ausgeflogen!“, rechtfertigt sich ein kleiner Elf.

Damit man sie auch an ihrem Äußeren unterscheiden kann, tragen die Elfenjungen anstatt Kleider weiße Kittel über lindgrünen oder hellblauen Kniebundhosen. Doch junge Männer sind eitel. So tragen auch ihre Flügel farbige Ränder. Fix stürmen die Buben, nicht ganz so anmutig wie die Mädchen, zu ihren Plätzen, streichen die Kittelchen hastig glatt, weil sie hoffen, auf ihre Königin einen guten Eindruck zu machen und dann ein feines Lob einzuheimsen.
Plötzlich entdeckt einer von ihnen Gunnar, der zusammen mit Piri und Emir in einer der Ecken des Raumes steht und amüsiert das Treiben der Kleinen beobachtet. Prompt ist die gute Erziehung vergessen. Obwohl das da den Elfenkindern streng untersagt ist, springt der Bub auf und nähert sich den Dreien zögernd. All seinen Mut nimmt er zusammen. Die Neugierde lässt ihm keine Ruhe: „W…Wer bist denn Du? Wie kommst Du hierher?“ Doch dann dämmert es ihm langsam, wen er da vor sich hat. Scheu steht er da. In seinem Gesicht liest Gunnar deutliches Misstrauen: „Du…du kommst aus dem Menschenreich, stimmt`s? Unsere Königin hat uns erzählt, dass ihr manchmal so böse seid!“

Da mischt Emir sich ein: „Du musst dich nicht fürchten!“ Der Elf deutet auf Gunnar. „Er ist nicht so wie viele von denen. Er möchte, dass zwischen den Menschen und uns endlich alles gut wird.“ „Wirklich??“, strahlt das Elfenkind. „Dann find ich dich nett.“ Spricht` s und hopst flugs zu seinem Platz zurück.
Keine Minute zu früh, denn in diesem Augenblick ertönt eine zarte Musik im Hintergrund. Es ist das Grillenorchester, das, hinter dem Thron auf der untersten Stufe des Podestes stehend, der Königin zu Ehren sein schönstes Konzert anstimmt.
Hinter den fleißigen Musikern öffnet sich lautlos eine goldene Türe. Es erscheint die Herrin dieses Reiches, die Mutter all jener süßen Elfenkinder. Sie zu sehen, versetzt Gunnars Herz in Aufruhr. Es klopft wie verrückt.

Die Elfenkönigin ist eine wunderschöne Frau. Sie hat ein schmales Gesicht mit edlen Zügen, Augen, aus denen Güte und Weisheit sprechen. Ihre schlanke Figur umspielt ein strahlendweißes Kleid. Ihre Flügel sind mit Sternchen und kleinen Monden übersät, die Sinnbilder für Stille und Frieden. Während sie auf ihren Thron zuschreitet, bewegt sie sich leicht wie eine Feder. Bevor sie sich setzt, richtet sie das Wort an die Elfchen, deren Augen an ihren Lippen hängen. „Ein schöner Tag geht zu Ende. Ich freue mich, dass wir alle zusammen sind. Und nun lasst es euch gut schmecken, meine Kinder!“
Emir lädt Gunnar ein, von den Leckereien zu kosten. Doch der hat ganz andere Sorgen. Wie wird die Unterredung verlaufen? Wird alles ein gutes Ende finden? Nach dem Dinner fordert Emir Gunnar auf, ihm zu folgen. Er führt ihn zum Thron der Königin. „Gebieterin, dieser Mensch möchte dazu beitragen, dass unser beider Völker in Freundschaft nebeneinander leben können.“ Die Königin lächelt erfreut. „Ich lese in Deinem Herzen, dass da noch eine wichtige Frage offen ist. Nur Mut, stelle sie! Ich will Dir antworten.“

Zunächst redet Gunnar noch etwas stockend: „Königin, ihr wart erzürnt und habt uns mit Unglück gestraft, weil wir nur an unseren eigenen Vorteil gedacht und darüber die Bedürfnisse eures Volkes vergessen haben. Ich habe lange darüber gegrübelt und den Entschluss gefasst, die Straße so um den Felsen herumzubauen, dass deine Kinder dort weiterhin wohnen können.“ „Ich ahnte es und bin sehr glücklich darüber, dass ein Wesen aus eurer Welt Einsicht zeigt und sich so weitere Auseinandersetzungen und Kriege erübrigen. Wir Elfen sind ein friedliebendes Volk, dass es Streitereien hasst; es sei denn, es geht um die Grundrechte eines jeden Lebewesens. Zu diesen Rechten zählt auch das Recht auf Heimat. – Aber, …deine Frage hast du mir noch immer nicht gestellt!?“
Gunnar sammelt sich, wählt mit Bedacht jedes seiner Wort. Schließlich will er die Königin keinesfalls verärgern. „Bitte, könntet ihr mir erklären, wieso ihr euch das Recht heraus nehmt, in unserer Welt, die für euch fremd ist, Ansprüche zu erheben, uns zu bedrängen und uns zu nötigen, damit wir nach eurem Willen handeln?“

Einen Moment lang schweigt die Königin. Sie sieht Gunnar ruhig in die Augen. Dann antwortet sie: „In eurem Leben stürmt sehr viel Schönes, aber auch sehr viel Schweres auf euch ein. Eure Seele braucht Vorstellungen und Träume, um all diese Eindrücke zu ertragen, verarbeiten zu können. Träume spiegeln Zufriedenheit, Freude und Glücksempfinden wieder. Genauso können sie auch in schweren Tagen Tränen trocknen. Ohne Träume würde die menschliche Seele kranken und verkümmern.“
Sie macht eine kurze Pause. Dann fährt sie fort: „Wir Elfen sind ein Teil eurer Traumwelten. Der Gedanke an uns entrückt euch den Problemen, gibt Halt und Freude. So sorgen auch wir für euer inneres Wohlbefinden. Genau das ist der Einfluss, den wir auf euch ausüben. Weil dem so ist, sind auch wir Teil eurer Welt. Deshalb haben wir dort in gleichem Maße Heimatrecht wie ihr.“ Während sie noch redet, wird die Stimme der Königin leiser und leiser. Gunnar ist es seltsam zumute. Die Gestalten der Königin und all dieser zauberhaften Wesen verblassen langsam, bis sie im Tageslicht aufgehen. Da gibt es keine Gebieterin der Träume, kein Elfenvolk und auch kein Märchenschloss mehr.

Gunnar steht wie verloren da. Für ein paar Sekunden ist seine Seele noch gebannt im Zauberreich. Doch er ist zurück in seienr eigenen Welt. Schließlich hebt er den Blick, schaut verwirrt um sich und findet so allmählich zurück in die Realität. Er sieht sich selbst vor diesem Stein, neben sich seine beiden Mitarbeiter, die ihn fragend anschauen. Die Männer stehen dort gesund und munter wie vordem – zwei unwissende Menschen. Ihnen brennt eine Frage auf der Zunge, aber sie wagen es nicht, ihren Chef in seinen Überlegungen zu stören.

Gunnar weiß, dass er nicht nur geträumt hat. Ihm ist etwas Wunderbares geschenkt worden. Ein kurzer Blick in seine eigene Seele, die ihm die einzig richtige Lösung ihres Problems nahe gebracht hat.

Er schaut seinen Mitarbeitern fest in die Augen und sagt entschlossen:
„Wir bauen um den Felsen herum!“

(Gaby Schumacher)

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