hört doch bitte einmal her. Mich zu erraten ist bestimmt nicht schwer.
Wer bin ich?
Ich vertrag keine Enge und lass mich nicht zügeln, ich beweg mich am liebsten zwischen Bergen und Hügeln. Gerade weide ich auf der Buckelwiese mit meiner Herde, unten am Hang grasen friedlich Kühe und Pferde.
Zufrieden lebe ich bei einem netten Biobauern, hier habe ich ausreichend Platz und muss nicht mit anderen beengt in einer Ecke kauern. Ich bin klug und verträglich, auch ziemlich intelligent, aber gegen ungerechtes Verhalten wehre ich mich vehement.
So habe ich einen starken ausgeprägten eigenen Willen, ungern lasse ich mich dressieren oder drillen. Bei artgerechter Haltung füge ich mich freiwillig ein, dann werde ich selten störrisch oder trotzig sein.
Der Bauer erzieht mich und lernt mir Manieren; er lässt sich keineswegs anspringen oder gar schikanieren. Ich werde zwar nicht viel, aber kontinuierlich essen, das Wiederkauen darf ich dabei ebenfalls nicht vergessen.
Hierzu muss ich ruhen und auch ein bisschen pennen, von meiner vertrauten Umgebung würde ich mich jedoch niemals freiwillig trennen. Ich scheue den Regen, kalten Wind oder Schneebefall. Da gefällt mir mein festes Zu Hause, der schützende warme und gut durchlüftete Stall.
Es tut Not, Kabel und Gerätschäften vor mir in Sicherheit zu bringen, denn ich nage grundsätzlich an allen, auch an ungesunden, Dingen. Der Bauer verabreicht mir im Stall meist Silokost, diese und auch Heu und Rüben gibt es ebenfalls bei Kälte und Frost.
Meine Besitzer bringen mir zusätzlich noch Lecksteine und gutes Heu, unbedingt jedoch brauche ich stets frische und trockene Streu. Auch muss ich nicht immer weit zu einer Quelle laufen, im Stall kann ich stets frisches, für mich bereit gestelltes Wasser saufen.
Nicht ungern kaue ich alte leckere Speisereste, doch in der Regel ist Frisches für meinen Energiehaushalt das Allerbeste. Ich bin auf Kräuter, Gras, Klee und besonders Blätter heiß, schließlich bin ich eine natürliche und kerngesunde Geiß.
Nach duftenden Kräutlein werde ich mich besonders bücken, dafür zwänge ich mich sogar durch schmale und enge Lücken. Zwar mag ich keine Änderungen und großen Expeditionen, aber öfter Weiden mit vielen Bäumen würden sich für mich sehr lohnen.
Der Kuh möchte ich gern meine Kletterkünste zeigen, vielleicht würde sie sich dann mit größerer Achtung sogar vor mir verneigen. Im Vergleich mit ihr bin ich zwar nur Mittelmaß, doch kann ich noch höher springen, und das macht großen Spaß.
Ich bin schlank, trag ein Fell, braun wie Röstkaffee, mein Bauch und die Beine sind schwarz und nicht weiß wie Schnee. Meine Milch ist gesund und hat hohe Qualität, doch eignet sie sich nicht für eine Nulldiät.
Auch besitze ich ein Schwänzchen sowie ein Horn, das benutze ich dann, wenn ich bebe vor Zorn. Von meinen Artgenossen lasse ich mich nicht dirigieren, bei starker Erregung werden Körper und Schwänzchen vibrieren.
Doch füge ich mich trotz der Rangeleien gern in die Herde ein, denn ich bin gesellig und bleib nicht gern allein. Kommen Adler oder Bussard zu dicht an meine Kleinen heran, fange ich sogleich laut und warnend zu pfeifen an.
In Schrecksituationen werde ich nicht wie ein Lama spucken, jedoch beginne ich schon, ängstlich zu zittern und nervös zu zucken. Doch kann ich nicht nur laut und schrill pfeifen, sondern auch zu noch anderen spezifischen Lautäußerungen greifen.
Auch schon früher gab es mich selten auf den großen Farmen, ich lieferte von jeher Milch den Kleinbauern und Armen. In einem traurigen Märchen waren wir einmal sieben, zunächst ist nur eins davon noch übrig geblieben.
Wir Tiere wurden zu unserem eigenen Nutzen und für die Freiheit geboren. Selbst durch die Haustierhaltung haben wir unsere Ursprünglichkeit Gott sei Dank nicht gänzlich verloren.
Du bist ein Reimgenie und hast dieses Geschöpf wunderbar umschrieben.
Die Ziege
Die Ziege meckert manche Stunden, fühlt sich im Stalle angebunden. Die Ziege steht in ihrer Reih und fühlt sich in dem Stall nicht frei. Die Freiheit will sie gern genießen, dort wo Kraut und Gräser sprießen, denn der Frühling ist erwacht, wenn die Sonne strahlend lacht. Die Ziege wär darum gern frei, denn der Winter geht vorbei.
Wo die Vögel trillernd singen, tut Lebensfreude auch gelingen. Da hält man's aus, ganz allgemein, da ist man glücklich, kann man sein. Die Ziege steht auf jeden Fall, zum Fressen pünktlich in dem Stall, eingereiht in ihrer Sippe, freudig vor der Futterkrippe. Auch nach dem Ausgang gibt es dort, den Nachtisch und ein gutes Wort, denn es hilft mit seinem Rat, der Ziegenbauer in der Tat.
Die Ziege, mit nicht vollem Magen, kann einen Nachschlag gut vertragen, ist ihrem Magen noch was schuldig und meckert darum ungeduldig. Die Ziege sucht noch was zum schleckern und muss aus dem Grund weiter meckern. Der Bauer kommt, ein guter Mann. Damit die Ziege fressen kann, füllt er der Ziege im Verlaufe, mittels Heu und Stroh die Raufe. Die Ziege hat sich mehr versprochen und am alten Heu gerochen, das sie aus der Raufe zog, vermisst die Körner in dem Trog.
Die Mahlzeit bleibt noch unverdaut. Die alte Ziege kaut und kaut. Das Heu, getrocknet einst als Gras, ist rau und ist ein grober Fraß. Die Ziege kann sich nicht belecken. Das alte Heu will ihr nicht schmecken. Zum Kauen ist sie bald zu faul, drum meckert sie mit vollem Maul. Die Mahlzeit will ihr gar nicht munden, davon tut ihr Gemecker kunden. Das Fressen findet sie nicht lecker, drum reklamiert sie durch Gemecker.
Die Ziege tut das Heu zu Haufen wütend mit den Hörnern raufen. Sie meckert laut, sie ist nicht still, übers Heu, das sie nicht will. Die Mahlzeit bietet Grund zum Klagen, trocken liegt ihr das im Magen. Das alte Heu bleibt in den Raufen. Die Ziege will erst Wasser saufen. Die Mahlzeit ist ein zäher Brocken, das Heu ist staubig, zäh und trocken. Sie meckert nun, dass ihr was fehle und zwar das Wasser für die Kehle. Der Bauer tut das Wasser reichen, nun kann sie sich das Futter weichen.
Doch hat die Ziege unterdessen, völlig andre Interessen. Sie verlangt zu mancher Zeit, gelegentlich nach Zärtlichkeit. Sie fühlt sich manchmal obendrein, ohne Ziegenbock allein. Fühlt sich allein, lässt das nicht gelten und beginnt dabei zu schelten. Es meckert nun in diesem Fall, die Ziege weiterhin im Stall. Man krault nunmehr an mancher Stelle, dem Tier sehr eifrig in dem Felle. Man tut sie an dem Halse packen und krault sie weiter an dem Nacken, was die Ziege in der Tat, häufig mag und gerne hat.
Doch schweigt sie nicht, sie ist nicht still, es scheint dass sie was anders will, Sie meckert laut, verlangt nach mehr, nach dem, was ihr viellieber wär. Die Ziege, die im Stalle steckt, hat wohl etwas ausgeheckt. Die Ziege, lüstern, immer kecker, provoziert durch ihr Gemecker und gibt beileibe keine Ruh. Sie meckert weiter immerzu. Sie wird vermählt und gleich geschieden, doch die Ziege ist zufrieden. Man ließ der Ziege ihren Willen. Die konnte ihr Bedürfnis stillen. So endet dieser Flirt im Nu und die Ziege findet Ruh.
(H. Feisel)
"Z" wie Ziege oder Zungenbrecher:
Zehn zahme Ziegen zogen zehn Zentner Zimt zum Zug.
vielen Dank für Dein so wunderbar gereimtes Tierrätsel. Ich bewundere Dein Talent immer wieder aufs neue. Heute hast Du uns die Ziege und ihre Lebensgewohnheiten beschrieben. Vielen Dank dafür.
Ende Mai habe ich die Geburt einer kleinen Ziege live erlebt. Ein einmaliges Erlebnis. Hier ist ein Bild davon, die Kleine ist dort gerade 10 Minuten alt und kann doch schon stehen.
ich kann mich nur den Worten von Roland und Ivonne anschließen. Auch ich bewundere dein Talent, wie du uns jedesmal aufs neue mit deinen schönen Tierrätseln überraschst. Danke
Hier nun meine Lösung:Ziege
Liebe Grüße Karin (komm lass uns miteinander reden)
Liebe Monika , auch ich schließe mich den Worten des Rateteam's an. Es ist immer eine besondere Freude mit zu raten . Einmalig - wunderbar hast Du uns die Ziege beschrieben.
DANKE und liebe Grüße an Dich und Brigitte von Petra M.
Ich freue mich, Ihr habt meinen Tiernamen entdeckt, sorry, ich habe mich lange auf meinem Lager ausgestreckt. Ich brauche kein Bett und keine Liege, von Kopf bis Fuß bin ich eine richtige ZIEGE.
Herzlichen Dank für Eure Beiträge und die wunderschönen Abbildungen
Ich bin jetzt an einem anderen Ort und melde mich noch einmal hier zu Wort. Eure Beiträge finde ich sehr gelungen, angesichts Eures Könnens bin ich gleich in die Luft gesprungen. Gern würde ich noch bei Euch bleiben, aber Monika mag nun nicht mehr länger schreiben.