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Frannys Hanne Haller Fan-Forum

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Dieses Thema hat 26 Antworten
und wurde 383 mal aufgerufen
  
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Elli Offline

Administrator
Beiträge: 599


03.10.2010 09:50
Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Sonntag, 03.10.2010

20 Jahre deutsche Einheit – Wer die Einheit will, muss teilen lernen!

Im geeinten Deutschland feiern wir Geburtstag – 20 Jahre deutsche Einheit! Das, finde ich, ist Grund dankbar zu sein und sich zu freuen: Seit 20 Jahren können wir alle in dem einen Deutschland in Frieden und Freiheit leben. Und ich bin – auch als Christin – dankbar, in einem Land zu leben, dessen Grundgesetz mit diesem Satz beginnt: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Die Würde eines jeden Menschen, egal, was er hat oder leistet, welche Hautfarbe, Religion, welche politische Meinung er hat. Für diese Würde, diese Freiheit haben Menschen an der Mauer ihr Leben gelassen.

20 Jahre Einheit – doch ungetrübt ist die Freude darüber nicht! Der Festtag fällt in eine Zeit, in der viel gestritten wird in Deutschland um Sparbeschlüsse und soziale Gerechtigkeit. Wie steht es um die Einheit in unserem Land? Viele befürchten neue Mauern zwischen Arm und Reich, zwischen Ost und West.

Richard von Weizsäcker, der damalige Bundespräsident, hat zum Tag der deutschen Einheit vor 20 Jahren gesagt: "Sich vereinen, heißt teilen lernen!" Das hat er uns Deutschen damals ins Stammbuch geschrieben. Wer die Einheit Deutschlands will, muss das Teilen lernen.

Wie steht es damit heute?

Teilen, das hat schwierige und schöne Seiten, das haben wir Deutschen gemerkt in diesen 20 Jahren. Wir alle mussten was hergeben für die Wiedervereinigung: Arbeitsplätze, viel an Sicherheiten und liebgewordenen Traditionen, daran knabbern im Osten viele bis heute.

Im Westen haben viele gestöhnt über den Solidaritätszuschlag für den Aufbau Ost. Zugleich genießen wir, was wir gewonnen haben durch die Wiedervereinigung: Wir können frei nach Osten oder Westen reisen, Beziehungen zu Verwandten und Freunden pflegen. Wir können in aller Freiheit unseren Glauben leben. Und nicht zuletzt können wir sicher sein: Wir leben alle unter dem Schutz des Grundgesetzes, das jedem das Recht auf ein menschenwürdiges Leben garantiert.

Wenn es einigermaßen gerecht zugeht, dann heißt Teilen Geben und Nehmen – so, dass keiner leer ausgeht. Genau darum wird jetzt gestritten in Deutschland: Wer muss wie viel geben, wer darf wie viel nehmen? Was darf es kosten, das Existenzminimum? Wer steht ein für die Schulden Deutschlands? Wer die Einheit will, muss teilen lernen. Ich finde, das gilt auch jetzt in der aktuellen Debatte: Die Last der Schulden darf nicht nur den Schwachen aufgebürdet werden. Auch Menschen mit hohem Einkommen müssen ihren Beitrag leisten, damit wir alle gemeinsam für die Einheit in Deutschland einstehen.

Teilen ist nicht leicht, es lebt vom Geben und Nehmen. Umso wichtiger ist, dass wir es immer wieder tun. Das wünsche ich uns in Deutschland, so paradox es klingt: Dass wir das Teilen weiter lernen, damit Deutschland immer mehr ein geeintes Land wird.

Verena Maria Kitz

Liebe Grüsse
Elli
(Wir sind nur Gast auf dieser Welt)
אנחנו רק אורח בעולם הזה

Herbstbube2 Offline


Beiträge: 1.030


03.10.2010 17:53
#2 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Liebe Elli,

die Worte von Verena Maria Kitz sprechen mir aus der Seele.
Leider wird die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland immer größer.
Das ewige Hassgeschüre, zwischen denen die Arbeit haben und denen die keine finden,
wird immer unerträglicher und nimmt meiner Meinung nach mittlerweile dramatische Ausmaße an.

Sehr viele Politiker, aber auch die Medien tragen leider viel zu viel dazu bei.
Sie rühmen sich mit „Tafeln“ und „Suppenküchen“. Ist es nicht eher traurig,
dass es solche Einrichtungen in so einem reichen Land wie Deutschland, überhaupt geben muss?!

Der Niedriglohnsektor sinkt immer weiter nach unten, unsere Regierung aber sieht tatenlos zu.

Es kann doch nicht sein, dass ein Vollzeitbeschäftigter noch nebenbei Hartz IV beantragen muss,
um überhaupt ein einigermaßen würdevolles und vor allem Existenz sicherndes Leben führen zu können.
Im Grundgesetz wird JEDEM ein menschenwürdiges Leben garantiert, die Realität in Deutschland sieht aber anders aus.

20 Jahre nach der Deutschen Einheit fordere ich gleiche Renten in Ost und West,
sowie gleichen Lohn für gleiche Arbeit ebenfalls in Ost und West.

Diese, meine Worte mussten einfach mal raus, ich weiß zur Genüge wovon ich rede bzw. schreibe.

Ich wünsche euch allen eine schöne neue Woche.

Roland
(Herbstbube)

Arm und Reich

Jeder Mensch auf dieser Welt
soll`t haben ein Dach über dem Kopf
einen Beruf und soviel Geld
wenn er mit der Zeit bejahrt
täglich drei mal Nahrung aus dem Topf
und für`s Alter was gespart.

Die Möglichkeiten sollt es geben
je nach eigenem Ermessen
sich fortzubilden für das Leben
zu widmen kulturellen Interessen.

Das ist nicht zu viel verlangt
alle Menschen sind doch gleich
weil hier und da die Währung schwankt
sind halt nicht alle Völker reich.

Lasst es Millionäre geben,
sind 10 Millionen nicht genug?
Andere Menschen haben auch ein Recht auf Leben
was drüber geht das ist an den andern ein Betrug.

Also, ihr Bankenbosse, ihr Politiker der Welt
stoppt die Armut und die Not
verteilt mit Schmerzen dieses Geld
bremst den Hunger und den Tod.

Ihr könnt ja Millionäre bleiben
nur nicht Milliarden für euch erhaschen
eure Spielchen dürft ihr weiter treiben
wie das Amen in der Kirche
das letzte Hemd hat keine Taschen.

Macht euch die Entscheidung nicht so schwer
nicht mal mit einem weißen Schimmel
eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr
als ein Reicher in den Himmel.


(Wolfgang Luttermann)

Elli Offline

Administrator
Beiträge: 599


07.10.2010 10:36
#3 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Lieber Roland,

hast Du vielleicht "Frontal" am Dienstagabend gesehen?
Passend zu dem worüber wir hier gerade schreiben.
Ich weiß jetzt nicht ob es ein Professor war, jedenfalls meinte dieser, dass der Mindestlohn bei 9,74€ liegen müßte,
um nicht an der Armutsgrenze zu liegen.
Es war u.a. von einem Kraftfahrer die Rede, der bei einer Leiharbeiterfirma angestellt ist. Dieser Kraftfahrer verdient etwas über
6€ die Stunde, den Reibach macht die Leiharbeiterfirma.
Es gibt so vieles was hier nicht stimmt in unserem Staat.
Ich könnte so einiges aufzählen und niederschreiben.

Liebe Grüsse
Elli
(Wir sind nur Gast auf dieser Welt)
אנחנו רק אורח בעולם הזה

Herbstbube2 Offline


Beiträge: 1.030


07.10.2010 13:37
#4 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Liebe Elli,

"Frontal 21" habe ich leider nicht gesehen.
Wie du schon schreibst, müsste der Mindestlohn um die 10,00 € liegen.
Ich selbst bin seit Jahren arbeitslos, beziehe ALG-2,
Hartz IV höre ich nicht so gerne.

Zurzeit verrichte ich einen sogenannten 1 €-Job,
auch diese gehören meiner Meinung nach abgeschafft.
Leider haben seinerzeit die Wohlfahrtsverbände wie
Caritas, AWO usw., sich diese Maßnahmen unter den Nagel gerissen.

Heute schimpfen sie darüber und darüber, dass das ALG-2
ab Januar 2010 um monatlich 5,00 € erhöht wird.

Die Stundenlöhne liegen zum Teil ja weit unter 6,00 €.

Sicher gibt es genug die gar nicht arbeiten wollen,
aber deswegen ALLE Arbeitslosen über einen Kamm zu schehren ist einfach nicht in Ordnung.

Liebe Elli schreib es doch einfach nieder, lass es raus,
manchmal hilft es ja auch, so seinen Frust abzubauen.

Ich habe seit meinem 18. Lebensjahr an allen Wahlen teilgenommen,
zu "DDR-Zeiten" Pflicht, aber auch nach der Wende.
Welcher Partei ich aber bei der nächsten Bundestags- bzw. Landtagswahl
meine Stimme geben soll, weiß ich ehrlich gesagt nicht.

Die "nur an sich denkenden" Parteien und deren Mitglieder,
kannst du doch alle in die Tonne klopfen.

So, bevor ich mich dann doch noch weiter aufrege, mache ich hier Schluss.

Ich wünsche dir und allen hier noch eine schöne restliche Woche.

Liebe Grüße

Roland
(Herbstbube)

Ivonne Offline


Beiträge: 1.320


17.10.2010 09:16
#5 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten


Das Wort zum Sonntag vom 16. Oktober 2010, gesprochen von Ralf Meister

Freiräume

Diese Feder habe ich letzte Woche gefunden. Auf einem Feldweg im Linumer Bruch. Eine halbe Stunde
nordwestlich von Berlin. Vielleicht ist es eine Wildgansfeder, denn in der Region Linumer Bruch sammeln
sich in diesen Wochen zigtausende von Zugvögeln. Kraniche und Wildgänse ziehen abends von ihren Futterplätzen
heran und lassen sich zum Übernachten an den Teichen nieder. In diesen Oktoberwochen sammeln
sie die Kräfte für die weite Reise in den Süden. Aus Skandinavien, dem Baltikum und Russland sind sie gekommen,
bald ziehen sie nach Südspanien oder Afrika weiter.

Für mich sind solche Vogelzüge schöne Sehnsuchtsbilder des Herbstes. Meist ziehen die Vögel nachts.
Dann hört man das Schreien der Kraniche oder die Rufe der Wildgänse am Himmel.
In grauen Formationen ziehen sie durch das Dunkel, ein fernes Ziel vor Augen.

Da beginne ich selbst zu träumen. So wie Nils Holgersson, der auf dem Rücken einer Gans quer durch Schweden flog.
Ich träume von abenteuerlichen Reisen und von gewagten Flügen ins Unbekannte.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, in weiten Räumen zu leben, ich stelle mir vor, ich könnte unterwegs
sein – wie die Vögel – instinktsicher und von der Gemeinschaft geschützt.

Viele wünschen sich solche freien Räume und sehnen sich nach Aufbruch. Und dann geht es doch nicht:
Die alten Gewohnheiten stehen dagegen, die Liebe zum Bewährten. Und gegenseitig bewachen wir uns,
dass nur ja keiner zu hoch oder zu weit fliegt. Oft ist das auch in der Kirche so. Dazu gibt es eine provozierende Geschichte
von Sören Kierkegaard. Einem dänischen Religionsphilosophen des 19. Jahrhunderts. Der war nicht
so gut auf die Kirche zu sprechen und hatte manch kritischen Vergleich parat. Einer dieser Vergleiche
erzählt von den Hausgänsen, die an jedem siebten Tag eine Parade hielten. Dabei hörten sie dann aufmerksam
einem beredeten Gänserich zu, der auf einem Gatter stand. Der schnatterte über das Wunder der Gänse.
Erzählte von den Taten der Vorfahren, die einst zu fliegen wagten und lobte die Barmherzigkeit des Schöpfers,
der den Gänsen die Flügel und den Instinkt zum Fliegen gab. Die Gänse waren immer tief gerührt und senkten
vor Ergriffenheit die Köpfe. Dann lobten sie die Predigt und den beredsamen Gänserich. Aber ... fliegen taten sie nicht.
Denn das Korn war gut und der Hof war sicher.

Bei dem Zug der Vögel denke ich an diese Geschichte. Wie ernst nehmen wir unseren Glauben?
Nutzen wir die Freiheit, die Flügel auszubreiten und zu fliegen? Sicherheiten aufzugeben und gewagt zu leben?

Gott hat uns versprochen, dass wir nicht abstürzen werden: "Und nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe
am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten" (Ps 139,9-10).

Elli Offline

Administrator
Beiträge: 599


25.10.2010 10:48
#6 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 23. Oktober 2010,
gesprochen von Stefan Claaß

Hunger nach Leben

Auf meinem Regal stehen Bilder von Menschen, die mir wichtig sind. Auch wenn ich sie nicht persönlich kenne. Wie diesen Fischer aus Kenia. Ich kenne seinen Namen nicht, aber ich weiß, dass er jeden Tag ums Überleben kämpft. Gegen den Hunger.

Sein Bild steht neben dem von meinen Kindern. Und neben dem von Ariel Tocona aus Chile, der vorletzte Woche aus dem Bergwerk gerettet worden ist. Mich hat beeindruckt, wie viele Menschen sich weltweit mit ihm gefreut haben und Anteil genommen haben an seinem Leben.

Etwas Ähnliches wünsche ich diesem Fischer aus Kenia. Dass sich andere Menschen für sein Gesicht und seine Geschichte interessieren. Seine Geschichte ist eine von Hunderttausenden. Er fährt in einem schlichten Boot raus auf den See, um Fisch zu fangen. Auch wenn es seit etlichen Jahren kaum noch etwas zu fangen gibt.
Er weiß, was Hunger ist. Seine Familie weiß es. Wir könnten es wissen, aber wir achten selten darauf. Und doch haben wir Anteil an seinem Leben. Die Fische aus seinem See sind nach industrieller Verarbeitung auf unseren Tellern gelandet.

Andererseits haben wir durch Entwicklungshilfe und durch unsere Spenden Menschen in Kenia beim Überleben geholfen. Auch wenn es weit weg scheint: Wir haben Anteil an seinem Leben.

Von Hungertoten hören wir meist nur durch Statistiken. Jedes Jahr verhungern 10 Millionen Menschen. Was sollen wir mit so einer Zahl anfangen? Ich kann mir ausrechnen, dass jeden Tag siebzig vollbesetzte Flugzeuge abstürzen müssten, um auf so eine Zahl zu kommen. (Das will ich mir gar nicht vorstellen.)

Auf der anderen Seite will ich nicht einfach wegschauen und verdrängen. Ich weigere mich, mich daran zu gewöhnen. Der erste Schritt in schwieriger Lage heißt immer: Aushalten! Hinschauen!

Der zweite Schritt: Kann ich mehr tun als nur Aushalten? Ich beobachte bei anderen und bei mir selbst zwei unterschiedliche Denkweisen. Die eine sagt: Ja, aber. Ja, es ist wichtig, das Thema "Hunger" in der Welt nicht zu verdrängen, aber was können wir schon dagegen tun? Ja, wir sehen unsere Anteile, aber die Ursachen für Hunger sind so vielfältig und kompliziert. Die andere Möglichkeit zu denken und zu leben heißt: Trotzdem! Ich weiß, dass ich wenig tun kann: trotzdem tue ich es. Ich kann hinschauen, mich informieren, ich kann spenden und beten. Ich kann fair einkaufen. Andere winken ab? Ich sage: Trotzdem!

Gott schenkt uns weltweit 10% mehr Lebensmittel als notwendig, um alle Menschen auf der Erde zu ernähren. "Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen" heißt es in einem Psalm. Diese Wahrheit muss uns unruhig machen, uns antreiben. Persönlich und politisch. Dafür brauche ich konkrete Menschen vor Augen. Wie diesen Fischer aus Kenia. Sein Bild erinnert mich daran, dass Gott mehr unter Familie versteht als wir. Und wenn jemand sagt: Du kennst diesen Fischer doch gar nicht! Dann sage ich: Trotzdem!

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

Administrator
Beiträge: 599


31.10.2010 12:26
#7 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Das Wort zum Sonntag vom 30. Oktober 2010,
gesprochen von Stefan Claaß

Gegen den Strom

Mehr Religion bringt mehr Streit und Konflikte in unsere Gesellschaft. So denkt die Mehrheit der Befragten in einer aktuellen Untersuchung. Aber ist Streit nur negativ? Ich glaube, es kommt darauf an, wie man streitet. Übel und erbärmlich finde ich es, wenn Religion dazu missbraucht wird, andere zu bevormunden, zu manipulieren und gering zu schätzen.

Positiv erlebe ich, wenn Gewissen und Glaubensüberzeugung uns dazu bringen, für die Würde von Menschen und Schöpfung einzustehen. Ich glaube sogar: Es gibt Situationen, in denen wir um Gottes willen Streit anzetteln müssen!

Mutige Antworten auf Zukunftsfragen finden wir nicht immer in glatten Mehrheitsentscheidungen. Tun, was alle tun, denken, was alle denken, das kann auch verhängnisvoll sein. Hinterher sind wir oft dankbar für die, die gegen den Strom geschwommen sind.

In der DDR zum Beispiel, als es noch die Zukunft gekostet hat, eine eigene Meinung zu vertreten oder sich zu seinem Glauben zu bekennen. Oder in Fragen der Ökologie, der Bewahrung der Schöpfung. Heute ist es ein breiter Strom der Einsicht – vor vierzig Jahren sind Herbert Gruhl, Hermann Scheer, Petra Kelly und andere Einzelkämpfer gewesen für ökologisches Bewusstsein und gegen massenhaftes Verbrauchen unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Wie gut, wenn einige Menschen immer wieder gegen den Strom schwimmen. Ja, wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen.

Vor 500 Jahren sind Martin Luther und andere diesem Aufruf unter Humanisten und Querdenkern gefolgt: Ad fontes! Zu den Quellen! Was ist der Ursprung christlichen Glaubens und Lebens? Im Lauf der Jahrhunderte hatte sich eine Menge an Traditionen, religiösen Zwängen und Manipulationen angesammelt wie in einem großen Strom. Die Frage war: was stammte wirklich aus der Quelle Gottes und was aus menschlichen Fantasien? Damals hat das Schwimmen gegen den Strom in der Tat Streit und schwere Konflikte in die Gesellschaft gebracht. Aber langfristig haben Katholiken und Protestanten von dieser Flussbereinigung profitiert. Tragischerweise ist das verhängnisvolle Verhalten gegenüber den Juden nicht erkannt und bereinigt worden.

Darum ist neben dem Suchen und Finden die dritte Eigenschaft des Glaubens so wichtig: das Zweifeln. Wenn Glaube nicht aus meinen eigenen Wünschen resultiert, sondern aus der Quelle Gottes stammt, dann muss er mich immer wieder dazu bringen, mich selbst in Frage zu stellen.

Wenn man mich gefragt hätte, ob ich mir mehr Religion in unserer Gesellschaft wünsche, dann hätte ich gesagt: Wenn sie mir hilft, unsere Lebensgewohnheiten in Frage zu stellen, dann schon. "Wenn sie uns nicht auf unsere Fehler festnagelt sondern uns hilft, zu vergeben, dann schon. Wenn sie uns andere Wertmaßstäbe schenkt als Geld, dann schon". Dann vertraue ich darauf, dass wir dem näher kommen, was Jesus Christus verheißen hat: Selig sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, sie sollen satt werden.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Reformationsfest!



Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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07.11.2010 10:36
#8 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 06. November 2010,
gesprochen von Gereon Alter

Der Trauer Raum geben

Dienstagabend, 19:30 Uhr: unsere Kirche füllt sich allmählich. Es kommen Menschen, denen ich im Laufe des Jahres bei einer Beerdigung begegnet bin. Die alte Dame von nebenan, deren Mann im Januar gestorben ist. Die junge Frau, die Ende Mai ihr zweites Kind verloren hat. Die Eltern der Neunundzwangzigjährigen, die im Sommer bei einem Verkehrsunfall gestorben ist. Jeder von denen, die da kommen, könnte eine eigene Geschichte erzählen von Hoffnung und Verzweiflung, von Trauer und Schmerz.

Man kann diese Geschichten förmlich spüren. Sie liegen wie ein schwerer Nebel über allem. Kaum jemand regt sich. Die Blicke sind auf den Boden gesenkt. Ein Saxophon setzt behutsam an. Die Namen der Verstorbenen werden vorgelesen. Für jeden wird ein Licht entzündet. Die ersten fangen an zu weinen. Taschentücher werden weitergereicht. Einer nimmt seine Frau in den Arm. Ganz allmählich beginnt die Stimmung sich zu verändern. Der Schmerz steckt nicht mehr als dumpfes Gefühl im Hals und in der Magengrube fest. Er löst sich, wird sichtbar und spürbar – und verändert sich dadurch. Einer atmet ganz tief durch. Ein anderer lässt die Schultern fallen. Die ersten Blicke begegnen sich.

"Gut, dass es sowas gibt." hat mir gestern noch jemand gesagt. Gut, dass es solche Räume gibt, in denen Schmerz und Trauer sein dürfen. In denen ich mich nicht zusammen reißen muss und keiner "es wird schon wieder" zu mir sagt. Räume, in denen ich trauern darf. – Es braucht so wenig, um einem Trauernden zu helfen. Das Wichtigste ist, dass man ihm seine Trauer lässt. Sie nicht wegredet oder mit Trostworten übertüncht, sondern ihr schlicht und einfach Raum gibt.

Das kann ein entsprechend gestalteter Gottesdienst sein. Das können aber auch andere Räume sein. In meiner Stadt, in Essen, gibt es einen solchen Flyer, in dem Angebote für Trauernde aufgelistet sind. Und ich staune, was es da alles gibt. Gesprächsangebote für Einzelne, Trauergruppen, Trauercafès. Spezielle Angebote für Eltern, die ein Kind verloren haben; für Angehörige eines Menschen, der sich selbst das Leben genommen hat; und auch für Menschen, die einen Sterbenden begleiten wollen. Alle Angebote mit fachlicher Begleitung. Die meisten von ihnen ohne Kosten.

Ich bin sicher: jeder von Ihnen kennt einen Menschen, der gerade trauert. Und vielleicht sind es ja sogar Sie selbst. Dann geben Sie sich einen Ruck. Es tut so gut, der Trauer endlich Raum zu geben. Endlich einmal zeigen zu dürfen, wie es wirklich in mir aussieht. Und dabei anderen zu begegnen, denen es ganz ähnlich geht oder die zumindest Verständnis haben und behutsam mit mir umgehen. Und wenn Sie nicht selber betroffen sind: weisen Sie andere auf solche Angebote hin. Ganz sicher gibt es auch in ihrer Nähe Gesprächsangebote und Trauergruppen. Vielleicht sogar einen solchen Gottesdienst, wie wir ihn am Dienstag gefeiert haben.

Trauer muss keine Sackgasse sein. Sie kann sich wandeln. Sie kann heilen. "Du hast meine Klage verwandelt in Tanz!" heißt es im Buch der Psalmen (Ps 30,11). Da hat jemand seine Trauer überwunden und zu neuer Lebensfreude gefunden. Mich persönlich trägt ein Wort, das im Buch der Offenbarung steht. Da spricht einer aus, was er von Gott erhofft für die, die von uns gegangen sind. "Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen. Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. Denn was früher war, ist vergangen... Seht, ich mache alles neu" (Offb 21,4 f.)
Kommen Sie gut durch den November.

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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14.11.2010 09:26
#9 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 13. November 2010,
gesprochen von Gereon Alter

Auf Tuchfühlung mit den Toten

Erkennen Sie mich wieder? – Das Bild ist auf einer Reise durch Madagaskar entstanden. Ich war mit dem Fahrrad unterwegs. Das ist meine Art des Reisens. Möglichst nah an den Menschen und ihrem Lebensalltag. Schon nach wenigen Tagen auf dem Rad bin ich dieser Familie begegnet. Ein kurzer freundlicher Wortwechsel, und ich war eingeladen: nicht nur zu einer Übernachtung, sondern auch zu einer Famadihana. Das ist das wichtigste Fest der Madegassen, eine feierliche Totenumbettung.

Die Toten werden bei diesem Fest aus ihren Grabhäusern heraus geholt. Hier sehen Sie diesen Augenblick. Die Gebeine sind nur in dünne Tücher gehüllt und werden mit Hilfe einer Bastmatte aus dem Grabhaus heraus geholt. Kaum haben die Angehörigen ihre Verstorbenen wieder in Händen, bricht ein lauter Jubel aus. Es wird gelacht, gesungen und getanzt. Dann folgen stillere Momente. Die Toten werden auf den Boden gelegt und die Lebenden kümmern sich um sie. Sie rücken ihre Gebeine zurecht, reinigen ihre Leichentücher, legen ihnen neue an. Und vor allem: sie sprechen mit ihnen. Sie erzählen ihnen, was alles geschehen ist, seit sie fortgegangen sind. Wer mit wem verheiratet ist. Welche Kinder geboren wurden. Wer krank war und wieder genesen ist. Über viele Stunden geht das so. Und erst wenn wirklich alles erzählt ist, werden die Toten wieder zurück ins Grabhaus gebracht. Dort bleiben sie, bis etwa fünf bis sieben Jahre später wieder eine Famadihana ist.

Warum erzähle ich Ihnen von diesem seltsamen Ritual? – Weil ich es faszinierend finde, wie unbefangen und natürlich diese Menschen mit ihren Toten umgehen. Da ist keine Berührungsangst zu spüren. Im Gegenteil: eine große Lebendigkeit. Mich hat das ins Nachdenken gebracht über unseren Umgang mit den Toten – wenn es ihn den überhaupt noch gibt. Denn das Meiste tut ja der Bestatter und später dann der Friedhofsgärtner. Oder wissen Sie noch wie das ist, wenn ein Mensch seinen letzten Atemzug tut? Und wie es sich anfühlt, wenn man ihm die Augen schließt? Wenn man ihn wäscht und ihm sein letztes Hemd anzieht? Das haben wir an Fachleute abgegeben. Und bleiben zurück mit einer großen Scheu und Hilflosigkeit. Zumindest erleb ich das ganz häufig, wenn ich mit Angehörigen eines Verstorbenen zu tun habe.

Es gibt allerdings auch Menschen, die sich gerade deshalb wieder bewusst für einen persönlichen Abschied entscheiden. Erst kürzlich noch hat mir eine ältere Dame erzählt, dass sie nicht sofort zum Telefon gegriffen hat, als ihr Mann verstorben war. Sie hat ihn in seinem Bett liegen lassen und sich eine ganze Weile zu ihm gesetzt. Später sind die Kinder gekommen und haben ebenfalls in aller Ruhe Abschied genommen. Und erst dann haben sie den Arzt und den Bestatter informiert. – Eltern entdecken wieder neu, wie wichtig es auch für Kinder ist, Abschied von ihrer Oma oder ihrem Opa zu nehmen. Sie nehmen sie selbstverständlich mit zur Beerdigung und erklären ihnen, was da geschieht.

Ein Jugendlicher schreibt einen langen Brief und legt ihn seinem Vater in die Hand. Ein Vater trägt den Sarg seines Kindes. Wieder ein anderer schaufelt das Grab selbst zu. – Es gibt so viele Möglichkeiten, lebendig Abschied zu nehmen. Und es gibt Bestatter und Pfarrer, die durchaus offen dafür sind.

Denken Sie doch einmal darüber nach, wie Sie gerne Abschied nehmen möchten von einem Menschen, der Ihnen nahe steht. Was Ihnen gut tun würde. Und was ihnen helfen könnte, ihn in Frieden gehen zu lassen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.


Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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21.11.2010 08:52
#10 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 20. November 2010,
gesprochen von Stephan Wahl
... vor niemand in die Knie

Kaum zu glauben, in einer Woche ist schon wieder Advent. Morgen ist der letzte Sonntag im alten Kirchenjahr. Ewigkeitssonntag heißt er bei den protestantischen Freunden, oder bei uns Katholiken: Christkönigsonntag.

Seit 1925 wird er bei uns erst so genannt. Damals ein deutliches Zeitzeichen von Papst Pius XI. Nach den Schrecken des Ersten Weltkrieges, nach dem Untergang von Kaiser- und Königreichen, lenkte er den Blick auf Christus als den wahren Herrn der Welt. Während der braunen Diktatur wird das Fest zum Protest der
katholischen Jugend gegen den Führerkult. Jesus Christus ist der wahre Erlöser. Viele haben für dieses Bekenntnis bitter büßen müssen.

Morgen ziehen wir zwar nicht mehr mit Fahnen und Prozessionen durch die Straßen, aber das Bekenntnis bleibt. Zu einer Herrschaft, die völlig anders ist als die von Menschen.

Die machtlosen Könige und Prinzen dieser Zeit bewegen vielleicht unsere Gemüter, Stichwort Carl Gustav, Stichwort Kate und William. Die mächtigen Regierenden, ob G7 oder G20, sind bei uns gottlob nur auf Zeit mit Macht und Verantwortung betraut und merken selbst im Moment, wie geliehen diese Gewalt ist, und dass ihr Volk hellwach bleibt: Stichwort Gorleben, Stichwort Stuttgart 21.

Gottes Herrschaft hat einen längeren Atem. Sich zu Christus als dem wahren Herrn bekennen ist keine Weltflucht, ist kein Traum garniert mit Weihrauch und Orgel. Sondern der feste Glaube, dass wir Verantwortung haben von Gott, dem diese Welt allein gehört. Der sie für uns geschaffen hat. Mit der Freiheit für uns, sie zu gestalten. Deswegen gehören Christen zwar immer einer Nation an, einem Staat, sind Bürger wie jeder andere, mit allen Rechten und Pflichten. Aber zuerst gehören sie zum Volk Gottes. Auch hier mit allen Rechten und Pflichten. Und das kann oft heißen: Widerstand, unpopulistische Ansichten, Querdenken.

Wenn ich junge Christen auf das Sakrament der Firmung vorbereite, bitte ich sie dann, wenn in der Feier der Heilige Geist angerufen wird, still zu knien. Meist gefällt ihnen das zuerst nicht. Aber ich sage ihnen dann: Das ist nicht ein Zeichen einer übertriebenen, überholten Frömmigkeit. Keine devote Geste, sondern ein Bekenntnis, dass ich vor niemand in die Knie gehe, vor niemand auf der Welt, außer vor Gott allein, der mich geschaffen und gewollt hat. Dem allein diese Ehre gehört.

Ihm allein werde ich später Rechenschaft geben müssen. Später, in der Ewigkeit. Wie, das weiß Gott allein.

Jetzt ist hier der Platz, das zu tun, was als Christ zu tun ist: nicht angepasst an die Direktiven einer Lobby, nicht gefangen im Anspruch einer Partei, nicht beeindruckt von den Sprüchen der Straße, nicht verführt von platten Vereinfachungen. Jeder nach seinem Gewissen, hellwach für alles, was neben mir passiert.

Dazu wünsche ich uns und allen, die uns lieb und teuer sind, aber auch allen, die uns zugemutet werden, wie wir auch ihnen, Gottes Rückenwind und Segen.

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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28.11.2010 10:30
#11 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 27. November 2010,
gesprochen von Stephan Wahl

Gebetswache für das Leben …

Wenn mich jemand fragt, wie viele Geschwister ich habe, sage ich: drei. Und alle, die mich kennen, sind dann verwundert und sagen: aber wir kennen doch nur eine Schwester und einen Bruder. Aber es gibt noch Martina. Martina ist meine ältere Schwester, die vor mir geboren wurde und nur einen Tag auf dieser Welt leben konnte. Sie gehört zu unserer Familie wie wir Lebenden. Ich habe sie nicht gekannt, aber sie ist und bleibt meine Schwester. Nach allen Expertisen und vorgeburtlichen Untersuchungen würde man heute vielleicht sagen: besser nicht, das ist eine ganz problematische Situation, das kann nur schief gehen. Den Schmerz kann man den Eltern ersparen. Hätten meine Eltern sich so entschieden, ich würde heute nicht zu Ihnen sprechen können.
Denn bei mir war das Geburtsproblem ähnlich.

Sie ahnen vielleicht, was ich sagen will: PID und alles was damit verbunden ist, also vorgeburtliche Diagnose, lehne ich ab. Wer entscheidet vor einer Geburt, wer lebenswert ist und wer nicht? Wie viele Eltern kommen fast um vor Sorgen um ihre in Anführungszeichen "normalen Kinder", und wie viele Eltern sind täglich dankbar für ihre etwas anderen Kinder. Ich nenne nur die Kinder mit Down Syndrom, die oft emotional und sozial weiter sind als andere.

Papst Benedikt teilt mit vielen anderen diese Sorgen. Deshalb hat er heute in Rom eine Gebetswache für das Leben gehalten. Überall auf der Welt haben sich katholische Christen dieser Initiative angeschlossen. Es ist kein Gegen, sondern ein kräftiges "Für das Leben". Mit Papst Benedikt und der ganzen Kirche bitte ich:

Für alle, die uns das Leben geschenkt haben und uns im Leben begleiten und die uns Mitmensch und Engel sind, aber auch für alle, für die sich niemand interessiert, die alles mit sich allein ausmachen müssen, die ohne Rat und Hilfe um große Entscheidungen ringen.

Ich denke an alle, die sich auf die Geburt ihres Kindes freuen, aber auch an die, die darunter leiden, nicht Vater oder Mutter werden zu können. Ich denke auch an die, die sich gegen ein Kind entschieden haben. Dankbar bin ich für alle, die schwangere Frauen zu einem Ja zum Leben ermutigen und Alleinerziehenden beistehen. Mein Riesenrespekt gilt allen Familien, die mit einem behinderten Kind ihren Alltag teilen.

Meine Gedanken gehen an alle, die an Krankheiten leiden, über die man nicht spricht, und alle, die sich im Kampf gegen Aids und andere schwere Krankheiten engagieren. Hochachtung für alle, die gegen Diskriminierung und Vorurteile ihr Wort erheben. Sehr leise und sehr traurig bitte ich für alle, die als Kind missbraucht wurden und sich erst nach vielen Jahren trauen, darüber zu sprechen. Es ist schwierig, aber trotzdem, ich bete auch für alle Täter, denen ihre Schuld bewusst wird.

Die Gebetswache für das Leben enthält viel Sagbares und Unsagbares. Allem gemeinsam ist die Bitte an Gott, der will, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben.

In diesem Sinne Ihnen und allen die zu Ihnen gehören einen gesegneten Start in den Advent!

Und erlauben Sie mir ausnahmsweise diesen persönlichen Gruß, Gottes Rückenwind und Segen wünsche ich mit dem gesamten Team unserem evangelischen Wort-zum-Sonntag Kollegen Ralf Meister, der vorgestern zum Landesbischof von Hannover gewählt wurde.

Gute Nacht und einen guten 1. Advent!

Liebe Grüsse
Elli
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Elli Offline

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05.12.2010 10:24
#12 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

Rückschau:
Das Wort zum Sonntag vom 04. Dezember 2010,
gesprochen von Ulrich Haag

Überall Licht

Mache dich auf und werde Licht... Dieser kurze Bibelvers stammt aus dem Buch des Profeten Jesaja, und als hätten sie ihn gehört und zu ihrem Wahlspruch erklärt, so schmücken sich dieser Tage die Städte. Lichterketten überspannen die Straßen, aus den Fenstern grüßen leuchtende Engel und Sterne. In den Blumenkästen blinken Girlanden. Und manche Balkone verwandeln sich in wahre Kunstwerke. Ich stehe unten im Schnee und staune. Über Tag ist das hier eine Hochhaussiedlung. Am Abend verwandelt sie sich in eine Märchenlandschaft. Rentiere, Schlitten Weihnachtsmänner und eine Himmelsleiter. Die Nacht ist die schönere Tageszeit, jetzt im Advent.

Ich gehe ein paar Schritte weiter, schaue mich noch einmal um. Ob die Lichtkünstler aus dem vierten Stock wohl selbst etwas von ihrem Kunstwerk haben? Von innen sieht man wahrscheinlich nur ein Gewirr aus Kabeln und Lämpchen. Doch wer seinen Balkon auf diese Weise schmückt, will es sich in erster Linie auch nicht selbst schön machen, sondern anderen. Denen die draußen stehen. Zeit, weiterzugehen auf meiner abendlichen Runde. Licht in allen Häusern, wohin mein Auge fällt. (Einige Schritte gehen, Foto rückt aus dem Bildausschnitt.) Wie groß doch die Bereitschaft ist, anderen das Leben hell zu machen. Mache dich auf und werde Licht...

Selber zum Licht werden, darum geht es im Advent. Oft ist das einfach. Manchmal geradezu banal. Langsam machen, obwohl die Zeit eigentlich drängt. Mit entspanntem Gesicht in der Schlange stehen und der Kassiererin noch etwas Nettes sagen, wenn sie das Wechselgeld rausgibt. Anderen Zeit lassen und mir Zeit für andere nehmen. Zuhören, wenn jemand etwas auf dem Herzen hat. Einen Kaffee trinken und noch einen. Dabei bleiben und aushalten, wenn etwas schwer ist. Wer das fertig bringt in der kurzatmigen Vorweihnachtszeit, verbreitet wirklich Licht um sich her.

Ich durchquere die Bahnunterführung und stehe am Eingang der Fußgängerzone. Der Wind treibt eine Plastiktüte vor sich her. Vor einem der Schaufenster liegt ein Stück Pappkarton, ist am Boden festgefroren. Dort hat über Tag ein Bettler gesessen. Natürlich haben die Passanten heute etwas mehr Geld in seinen Becher geworfen. Damit es am Abend reicht, für eine einfache Unterkunft. Ein junges Paar hat sogar einen heißen Kaffee aus der Bäckerei nebenan geholt. Sie sind in die Hocke gegangen vor dem auf der Pappe. Ein paar Worte. Ein Lächeln, ein Blick. Mache dich auf und werde Licht. Bei so viel Licht in unseren Städten sollte kein Obdachloser fürchten müssen, dass er in der kommenden Nacht erfriert.

Ich mache mich auf den Weg zurück. Schneegriesel prickelt auf meinem Gesicht und im Stillen danke ich denen, die sich in diesen Wochen kümmern. Die ehrenamtlich im Cafe Platte mitarbeiten, wo man für kleines Geld eine heiße Suppe bekommt. Wo man sitzen und bleiben kann, wenn man sonst keine Bleibe hat. Und ich bin dankbar dafür, dass ich einen Ort habe, zu dem ich gehöre. Dass da jemand ist, der auf mich wartet. Ich schließe die Tür auf, hänge die Jacke an den Haken und gehe ins Wohnzimmer. Vor dem Fenster hängt unser Adventskranz. Gut sichtbar brennt daran die erste Kerze. Ich denke an die, die draußen vorbeigehen. Auf dem Tisch liegt die Bibel. Aufgeschlagen beim Profeten Jesaja im 60. Kapitel: Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht kommt.

Liebe Grüsse
Elli
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12.12.2010 08:41
#13 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 11. Dezember 2010,
gesprochen von Ulrich Haag

Zur Ruhe kommen

"Was bist du so unruhig, meine Seele. Werde still, lass Gott zu dir kommen." An diesen Vers aus den Psalmen musste ich denken, als ich gestern Nachmittag endlich die lang ersehnte Lücke im Kalender hatte. Seit Tagen hatte ich mir vorgenommen, dann nur dies eine zu tun: Eine Kerze anzünden und mich gemütlich auf die Couch setzen. Werde still, meine Seele.

Da saß ich nun und schaute, wie die Dämmerung langsam in unseren verschneiten Garten sank. Aber in meinem Kopf arbeitete es. Eine gepflegte Tasse Tee wäre jetzt genau das richtige. Sie könnte diesen Moment der Ruhe perfekt vollenden. Schon war ich auf dem Sprung in die Küche. Aber stopp. Nichts tun, gar nichts, eine volle Stunde lang, das war es doch, was ich mir vorgenommen hatte!

Leichter gesagt als getan. Irgendetwas in mir war ständig damit beschäftigt, mich in Bewegung zu bringen: Deine E-Mails musst du noch checken. Den Elektriker musst du noch anrufen, wegen der Spülmaschine. Und die Beiträge für die Autoversicherung überweisen! Heute läuft die die Frist ab! Alarm in meinem Kopf. Als wäre ein Damm gebrochen, überfluteten mich Termine, Verpflichtungen und Unerledigtes.

Irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten, habe mir einen Zettel geholt und wenigstens alles aufgeschrieben. To-do-Liste nennt man das in modernem Deutsch, und im Handumdrehen war sie ein gutes Dutzend Stichpunkte lang. Was bist du so unruhig meine Seele.

Wie schwer ist es doch, einmal völlig abzuschalten. Geistig und seelisch offline zu gehen, sozusagen. Von alters her ist es die Adventszeit, in der die Menschen das kultivieren. Eine, zwei, drei, vier Kerzen bis Weihnachten, frühe Dämmerung, lange Abende. Wie geschaffen dazu, sich einmal aus allem rauszuziehen. Und doch unternehmen wir jede Anstrengung, damit es um uns her und vor allem in uns drin nicht wirklich ruhig wird.

Wir hetzen durch Innenstädte und Einkaufspassagen. Verstricken uns in ein heilloses Gestrüpp aus Kaufen und Schenken. Wo trotzdem Zeitlücken entstehen, zücken wir das Handy, oder lassen uns von Musik und Bildern berieseln. Sie ist schwer auszuhalten, die Stille. Für manche ist sie kaum zu ertragen.

Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass sich das menschliche Gehirn ständig in Aktivität befindet, selbst wenn es so aussieht, als täte der Mensch nichts. In Phasen der Ruhe vernetzen sich Gehirnregionen, die unter Stress nicht mit einander in Berührung kommen. Mein Denkapparat findet dabei Lösungen, auf die ich niemals gekommen wäre, wenn ich einfach weitergemacht hätte.

Eine uralte Weisheit: Wenn meine Seele zur Ruhe kommt, tun sich Welten auf.

Gestern Nachmittag hat das fast eine dreiviertel Stunde gedauert. Dann endlich war es so weit. Ich saß da, schaute der Kerze zu, dem Spiel der Schatten an der Wand. Auf dem Wohnzimmerschrank tickte die Uhr, langsam wanderten die Zeiger. Längst hatten sie die volle Stunde überschritten. Draußen hatte es zu schneien begonnen. Mein Blick fiel auf den Zettel mit der Liste. Merkwürdig, selbst das, was ich dick unterstrichen hatte, so vordringlich schien es mir gar nicht mehr. Werde still, meine Seele, lass Gott zu dir kommen.

Ihnen allen einen guten Abend und einen Sonntag in Stille.

Liebe Grüsse
Elli
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19.12.2010 09:48
#14 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 18. Dezember 2010,
gesprochen von Michael Broch

Die Sache mit dem Warten und sich Vorbereiten

Sehnsüchtig warte ich auf den Brief eines lieben Menschen. Und wieder einmal ist er nicht im Briefkasten. Seit Tagen und Wochen gehe ich dem Briefträger entgegen. Fehlanzeige. Eines Tages winkt er von weitem. Und ich sehe mich schon den lange ersehnten Brief in der Hand halten. Aber es ist ein Schreiben vom Finanzamt. Warten – zwischen Erfüllung und Enttäuschung.

Warten hat mit Geduld zu tun, oft auch mit Frust. Unsicherheiten sind auszuhalten. Warten können heißt offenbar auch nicht, dass alles wunschgemäß eintrifft. Und manchmal erkenne ich erst im Nachhinein, warum es gut ist, dass etwas eingetroffen ist oder nicht. Also übe ich mich beim Warten in Geduld und lasse mich überraschen.

Und zur großen Überraschung ist in 6 Tagen wieder der 24. Dezember, Heiliger Abend. Der Advent – auf den ich mich jedes Jahr freue – er ist ratzfatz vorbei. Weihnachten kommt einfach immer zu früh. Vor lauter Arbeit, Veranstaltungen und Terminen, vor lauter "lass mich auch mit" – habe ich es wieder einmal nicht geschafft: mich innerlich auf Weihnachten vorzubereiten, mich für Weihnachten bereit zu machen, den Herrn "mit wachem Herzen gläubig zu erwarten" – wie es in einem Adventsgebet heißt.

Ich möchte Sie beruhigen, wenn Sie es auch mal wieder nicht geschafft haben, das mit der inneren Vorbereitung und der frohen Erwartung. Ich frage mich nämlich: Liegt das nur an mir, an Ihnen? Oder liegt das vielleicht am Weihnachtsfest selbst? – Dass ich nie wirklich vorbereitet bin, sondern schließlich halt irgendwie hinein stolpere, ins Weihnachtsfest.

So ähnlich war es doch schon beim ersten Mal, vor 2000 Jahren, als Jesus geboren wurde. Seit Jahrhunderten war dieses Kind verheißen und erwartet. Und als es geboren wurde, kam es für alle ungeschickt, unerwartet. Ausgerechnet jetzt, wo alle mit der römischen Volkszählung beschäftigt waren, wie es in der biblischen Weihnachtsgeschichte steht. Und so unpassend, unterwegs, in einer ärmlichen Unterkunft, in einem Stall bei Ochs und Esel und Schafen.

Und ich stelle mir vor: Wenn Gott gewartet hätte, bis wir wirklich auf sein Kommen vorbereitet sind, bis wir ihn wirklich froh und gläubig erwarten – dann müsste er womöglich heute noch warten.

Mich tröstet es, mich entlastet es, dass Gott so ganz anders ist. Er kommt einfach wie ein lieber Besuch und klingelt an der Tür, auch wenn ich gerade gar nicht darauf eingestellt bin. Liebende kommen manchmal auf verrückte Ideen, um zu zeigen, wie ernst es ihnen ist.

Der Gott der Liebe wird ein Mensch unter Menschen. So sehr sehnt er sich danach, uns nahe zu sein. Der Abstand zwischen dem ewigen, unbegreiflichen Gott und uns sterblichen Menschen – mag dieser Abstand auch noch so groß sein – in der Liebe ist er überwunden. In der Liebe kommt Gott auf Augenhöhe zu uns. Der starke Gott macht sich verletzlich wie ein Liebender, bedürftig wie ein Mensch, sterblich wie jedes Geschöpf.

Zum Glück oder besser Gott sei Dank wird es immer wieder Weihnachten – völlig unabhängig davon, ob es mir geschickt ist oder nicht.


Liebe Grüsse
Elli
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09.01.2011 17:33
#15 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 08. Januar 2011,
gesprochen von Adelheid Ruck-Schröder

Anschlag auf koptische Christen
Meine Kollegin hat keine Lust mehr auf Ägypten. Eigentlich wollte sie mit ihrem Mann den Urlaub da verbringen. Aber nach dem Anschlag auf koptische Christen in der Silvesternacht ist ihr die Lust auf Pyramiden vergangen. Von einer Bombe wurden die Christen dort getroffen. Ausgerechnet, als sie die Kirche verließen. 23 Menschen starben.

"Was haben wir mit koptischen Christen in Ägypten zu tun?", fragte mich gestern ein Schüler. Warum sollte mich ausgerechnet dieses Attentat mehr aufregen als die vielen anderen, die täglich gemeldet werden?

Ich persönlich durchschaue es auch nicht, warum gerade diese Tat ein so großes Echo in den Medien ausgelöst hat. Vielleicht weil es besonders hinterhältig ist, Menschen aufzulauern, die gerade noch gebetet haben. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Seit Jahren gibt es einen katastrophalen Exodus von Christen aus fast allen islamischen Ländern: Ägypten, Irak, den palästinensischen Gebieten und so weiter. Erst vor zwei Monaten wurden zwei Bischöfe in Bagdad während ihrer Messe hingerichtet. Mit ihnen wurden über 50 Menschen in die Luft gesprengt.

Mir lässt das keine Ruhe. Weltweit geraten Christen unter Druck. Selbst bei uns in Deutschland haben koptische Christen vorgestern ihr Weihnachtsfest unter Polizeischutz begangen. Ich persönlich fühle mich aber gar nicht unter Druck. Ich stehe hier und spreche ganz bequem und sicher zu Ihnen ein Wort zum Sonntag. Ich habe nichts zu befürchten. Gott sei Dank.

Aber Jahrhunderte lang war das für Christen die Realität. "Sie werden Euch hassen." Das hat Jesus gesagt. Christen wurden dann tatsächlich in den ersten vierhundert Jahren ihrer Existenz verfolgt. Erschreckenderweise nimmt diese Verfolgung heute wieder zu. Allerdings dürfen wir nicht verschweigen: Christen haben ihrerseits zum Beispiel während der Kreuzzüge oder der Kolonialzeit Andersgläubige, auch Muslime verfolgt. Das haben diese wiederum den Christen und dem ganzen Westen nicht vergessen.

Können wir da überhaupt etwas tun?
Ich glaube schon. Wir können in Deutschland Religionsfreiheit mustergültig vorleben. Je besser uns das gelingt, desto besser können wir eintreten für Religionsfreiheit von Christen in anderen Ländern.

Ich will Ihnen erzählen, was mich ermutigt:
Ich habe eine überzeugte Muslimin als Schülerin. Ihre Familie stammt aus dem Libanon. Im Religionsunterricht sucht sie den Dialog. Vor Weihnachten hat sie einen Adventsgottesdienst in der Gemeinde einer Mitschülerin besucht. Anschließend hat sie christliche Schüler zu sich nach Hause in ihre muslimische Familie eingeladen.

Ich weiß: Das sind ganz kleine Brötchen. Extremisten ist so ein Dialog egal. Wir lösen auch das Problem der christlichen Kopten in Ägypten damit nicht. Es wird weitere niederschmetternde Ereignisse geben.

Trotzdem: In solchen Begegnungen sehe ich meine Aufgabe. Und ich will einfach nicht, dass mir durch Anschläge auf Christen wie den in Ägypten die Lust vergeht. Die Lust auf diesen Dialog zwischen Christen und Muslimen bei uns in Deutschland.


Liebe Grüsse
Elli
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16.01.2011 10:27
#16 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 15. Januar 2011,
gesprochen von Adelheid Ruck-Schröder

Dioxin-Skandal

Kriminelle gehören vor Gericht. Wer Industriefett mit Futterfett vermengt und dann noch in Kauf nimmt, dass diese Mischung hochgiftige Stoffe enthält – der legt ganz schöne kriminelle Energie an den Tag. Da beißt die Maus keinen Faden ab. So weit habe ich keinen Klärungsbedarf im neuesten Dioxin-Skandal. Das ist ein Fall für den Staatsanwalt.

Aber wenn wir schon über Dioxin in Schweinen reden – die eigentliche Schweinerei, genauer: die eigentlichen Schweinereien liegen in meinen Augen tiefer. Menschen, die in dieser Art und Weise Lebensmittel panschen, vergiften nämlich das Miteinander in unserer Gesellschaft. Mein Vertrauen jedenfalls wird dadurch massiv untergraben.

Seit Jahren bemühe ich mich, Produkte aus Deutschland zu kaufen. Wie viele andere auch – im Vertrauen darauf, dass bei uns einigermaßen verantwortlich produziert wird. Mir stinkt es, damit jetzt einmal mehr als naiv entlarvt zu werden. "Kontrollen müssen her.", sagen viele. Ja, das sehe ich auch. Aber es ist ja mindestens ebenso naiv zu meinem, damit bekämen wir alles in den Griff: Nach der Dioxin-Kontrolle kommt der nächste Skandal und die nächste Kontrolle, und so weiter.

Und es ärgert mich, dass solche skrupellosen Täter wie die im Dioxin-Skandal letztlich den Ruf nach immer mehr Kontrollen in allen Bereichen unserer Arbeit verschärfen.

Von mir weiß ich: Ich arbeite am besten, wenn ich nicht kontrolliert werde. Ich bin mündig und möchte ernst genommen werden in meiner Eigenverantwortung. An meinem Arbeitsplatz wird tatsächlich auch immer mehr von außen überprüft und kontrolliert. Aber wird unsere Arbeit dadurch wirklich besser? Ich bezweifle das. Ich möchte in einer Gesellschaft leben, wo wir uns nicht andauernd kontrollieren müssen. Wo wir einander über den Weg trauen können, dass der andere seinen Beruf von sich aus gut macht. Ich müsste ja nach jedem Reifenwechsel ängstlich sein, wenn ich nicht davon ausginge, dass der Mechaniker von sich aus die Schrauben sorgfältig festzieht.

Der Dioxin-Skandal vergiftet aber nicht nur unser Miteinander. Er hält uns auch den Spiegel vor: Viel zu lange beteiligen wir uns nämlich alle schon an dieser "vergifteten" Lebensmittelkette.

Ich halte sie für vergiftet auch im übertragenen Sinn: "Täglich Fleisch: Ja, aber bitte billig, egal was die Tiere fressen und wie sie geschlachtet werden." "Eier: Ja, aber doch nicht für über 20 Cent das Stück, egal wie die Hühner gehalten werden."

Von Armut rede ich jetzt nicht. Das ist ein anderes Thema. Aber die Jagd nach Schnäppchen und nach "immer Mehr", gerade beim Essen, vergiftet eben auch die Produktion.

Im Grunde genommen wissen wir das alle. "Es ist dir gesagt Mensch, was gut ist." So sagte es der Prophet Micha vor fast 3000 Jahren. Daran hat sich seither nichts geändert. Auch wenn Propheten aus der Mode gekommen sind. Wir wissen im Grunde, was gut ist und was uns gut tut. Das Katastrophale ist nur: Es fällt uns so schwer, das Gute auch zu tun.

Mein Fazit ist:
Ich will da eigentlich nicht mehr mitmachen. Ich habe vorhin gesagt: Der Dioxin-Skandal vergiftet unser Miteinander und hält uns den Spiegel vor. Man kann das bejammern. Man kann die Sache dem Staatsanwalt überlassen.

Ich verstehe es als Ruf zur Umkehr.

Liebe Grüsse
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23.01.2011 10:09
#17 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 22. Januar 2011,
gesprochen von Ulrich Haag

Pflege

"Hallo Papa, alles in Ordnung bei dir?" Das ist der Satz, mit dem ich meinen Vater am Telefon begrüße. "Bei mir alles klar, und bei dir?" Jedes Mal bin ich erleichtert und freue mich, wenn seine Stimme noch fest klingt. Selbstverständlich ist das nicht. Er geht auf die 80 zu. Ab und an sitzen wir alle zusammen und kommen darauf zu sprechen: Was tun, wenn er einmal nicht mehr kann. Wenn er Hilfe braucht, nicht nur beim Hausputz. Wenn er auf Pflege angewiesen ist.

Wir Geschwister ahnen: Irgendwann sind wir für unseren Vater verantwortlich. Für uns hat das mit dem 4.Gebot zu tun: Du sollst Vater und Mutter ehren – ein Satz, der sich nicht an aufmüpfige Jugendliche richtet. Sondern an erwachsene Kinder. Er schärft uns ein, für unsere altgewordenen Eltern da zu sein.

Eine Bekannte zwei Häuser weiter hat das vorgemacht. Für sie war klar: Meine Mutter kommt mal nicht ins Heim. Und tatsächlich: Nachdem die Mutter einen Schlaganfall erlitten hatte, hat die Tochter drei Monate unbezahlten Urlaub genommen. Hat ihr Badezimmer umbauen lassen. Hat mit der Pflegeversicherung verhandelt, mit Ärzten gesprochen und dann ihre Mutter zu sich geholt. Lange ging das gut. Doch mittlerweile ist die alte Dame mehr als nur vergesslich. Findet den Weg ins Wohnzimmer nicht mehr. Geistert nachts durch das Haus auf der Suche – ja, wonach? Nicht ins Heim...

Wenn es doch nur ein Heim gäbe, das die Mutter nun wenigstens vorübergehend aufnehmen könnte. Dringend müsste die Tochter in Kur. Doch die Wartelisten sind lang. Das Altenheim am Stadtrand hat zum Jahresende gar eine Station dicht gemacht. Es sind nicht genügend Schwestern da, und Pfleger, die die Arbeit tun.

Du sollst Vater und Mutter ehren – in der Bibel steht das Gebot im Singular, du. Befolgen können wir es nur im Plural. Wer seinen Vater oder seine Mutter im Alleingang versorgen will, ist über kurz oder lang überfordert. Auch im alten Israel stand eine ganze Sippe zur Verfügung, wenn ein Mensch das wahrhaft biblische Alter von 80 oder 90 Jahren erreichte. Wir wollen, dass unsere Mütter und Väter, die Alten und Hochbetagten unserer Gesellschaft, in Würde leben und in Würde sterben können. Diese Aufgabe können wir nur in einer Gemeinschaft angehen und müssen sie als Gesellschaft organisieren.

Der Bundesgesundheitsminister hat die kommenden 12 Monate zum Jahr der Pflege erklärt. Mehr Geld soll es geben. Mehr und besser bezahlte Arbeitskräfte sollen zur Verfügung stehen. Das brauchen wir. Und wir benötigen Orte, an denen sich alle treffen, alle, die mit der Pflege alter Menschen irgendwie in Berührung kommen. Angehörige, Nachbarn, Ehrenamtliche, Pflegehilfen, Pflegeprofis, Heime und natürlich die, die Hilfe benötigen. Sie müssen von einander erfahren und sich austauschen können. Manche Kirchengemeinden haben das als ihre Aufgabe entdeckt. Sie überlegen, wieder eine Gemeindeschwester einzustellen. Sie wollen zur Anlaufstelle werden, zum Treffpunkt, an dem sich Menschen aus einem Dorf oder Stadtviertel einfinden, sich gegenseitig stärken und stützen.

Irgendwann werden wir selbst einmal alt. Dann wird die Generation nach uns zurückblicken und genau hinschauen. Ich wünsche mir, dass unsere Kinder und Enkel dann sagen können: Ihr habt damals alles unternommen, um die Alten bei euch liebevoll zu begleiten. Und jetzt sind wir für euch da.

Ihnen allen einen guten Abend und einen gesegneten Sonntag.

Liebe Grüsse
Elli
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06.02.2011 11:36
#18 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 05. Februar 2011,
gesprochen von Verena Maria Kitz

Die Macht des Wortes

Ich hatte es morgens gerade in der Zeitung gelesen, und abends beim Elternabend war es dann ein großes Thema: Cyber-Mobbing, Mobbing im Internet. Da suchen sich Schüler ein "Opfer", machen jemanden fertig mit den übelsten Beleidigungen. Aber nicht Auge in Auge, auf dem Schulhof, wie zu meiner Schulzeit. Nein, heute läuft das im Internet, ganz indirekt und anonym. Im weltweiten Netz ist das mittlerweile fast normal. Es gibt sogar eigene Seiten, da kann man Klatsch und Tratsch anonym reinschreiben, die übelsten Verleumdungen in der ganzen Welt verbreiten: Das Opfer wird mit vollem Namen, mit Schule und Klasse genannt. Wer so fertig gemacht wird, kann sich kaum wehren: Das Internet vergisst nichts. Diese Demütigungen haben Menschen bis in den Selbstmord getrieben.

Aber auch im direkten Umgang wird die Sprache immer roher, rauer. Das hat seine Wirkung. "Blöde Zicke", hat neulich einer zu mir in der S-Bahn gesagt. Ich hatte nur gefragt, ob ich mal durch kann. Wie viele gehen Tag für Tag mit Widerwillen, mit Angst zur Arbeit: Weil sie mit Worten erniedrigt oder lächerlich gemacht werden. Worte haben eine Wirkung, üben Macht aus. Worte können dazu führen, dass Menschen sich wertlos fühlen und klein, am Boden zerstört.

Aber Worte können auch das genaue Gegenteil bewirken: Gute Worte können Menschen aufbauen, ja, sogar heil machen: "Du bist ein Schatz". "Gut, dass du da bist", oder: "Ich verzeihe dir". Das sind erst mal genauso "nur" Worte. Aber diese Worte haben eine ganz andere Wirkung: Sie sagen Gutes – und sie tun gut.

An vielen Schulen wird genau das jetzt probiert: Kinder und Jugendliche lernen, Konflikte zu besprechen, Streit auszutragen, ohne sich zu beschimpfen. Schulen entwickeln einen Ehrenkodex für die Internet-Nutzung. Meine Jüngste wird gerade zum "Pausenengel" ausgebildet: Da üben Kinder schon in der Grundschule wahrzunehmen: Wie wirkt das, was ich sage? Wie kann ich es so sagen, dass es anderen und mir gut tut? Und dass damit in der Pause und auch sonst in der Schule ein gutes Klima entsteht?

"Gutes sagen" – das ist übrigens im Lateinischen auch das Wort für segnen! Benedicere: Gutes sagen. Ich glaube, das bringt wirklich Segen. In guten Worten steckt eine gute, eine heilsame Kraft. Für mich wird darin auch etwas von der Liebe Gottes spürbar.

Ich hab mir vorgenommen, das häufiger zu tun: Anderen etwas Gutes sagen. In der S-Bahn, bei meiner Arbeit und auch sonst. "Danke, dass du mir zugehört hast" – "Schön, dass es dich gibt!" Ich glaube, auch wir Erwachsenen können gute Worte gar nicht oft genug hören.

Bei meinen Kindern tu ich das: Ich sag ihnen morgens, bevor sie zur Schule gehen: Ich hab dich lieb, sei beschützt, sei gesegnet an diesem Tag! Und das wünsche ich Ihnen jetzt auch: Seien Sie behütet in dieser Nacht und für morgen: einen gesegneten Sonntag!


Liebe Grüsse
Elli
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13.02.2011 09:06
#19 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 12. Februar 2011,
gesprochen von Ulrich Haag

Die Macht des Gebets

Nichts müssen die Mächtigen so sehr fürchten, wie das Gebet. Demonstranten kann man mit Drohungen einschüchtern oder mit Knüppeln auseinandertreiben. Man kann sie mit Volksreden verunsichern. Wie auch immer man sie zum Verstummen bringen will: Wenn sie beginnen zu beten, öffentlich, gemeinsam, dann ist das der Anfang vom Ende eines Regimes. Wir haben das von den Montagsdemonstrationen in Leipzig in Erinnerung. An deren Beginn standen die Gebete in der Nikolaikirche. Mehr als zwanzig Jahre ist das her. Und heute sehen wir es auf dem Tahrirplatz in Kairo: Tausende, auf den Knien betend. Rücken neben Rücken, jeder für sich und doch verbunden durch ein unsichtbares Band. Ein Bild des Friedens – bei allen Gegensätzen. Ein Bild der Ermutigung.

Menschen, die gemeinsam beten, fühlen sich einer Macht verbunden, die höher ist als alle irdische Gewalt. Das gibt ihnen den Mut, sich einzusetzen für das, was ihnen wertvoll ist. Trotz Stasi und Geheimpolizei. Trotz der Panzer, die um sie her Stellung beziehen. Menschen, die beten, werden unempfänglich für die Drohungen des Apparats. Sie fühlen sich nicht mehr als Rädchen im Getriebe, nicht mehr als Opfer eines Systems. Sie beten, beugen sich in Demut, heben den Blick, und erkennen mit einem Mal keinen Staatsratsvorsitzenden mehr, keine Revolutionsführer oder Oberbefehlshaber. Da oben wohnt für sie nur einer. Der sieht. Der hört. Der selber für Gerechtigkeit eintritt.

Nichts müssen die Machthaber so sehr fürchten, wie das Gebet. Und haben schon immer versucht, sich der Gebete ihrer Untertanen zu bemächtigen. Haben Kathedralen errichtet, Tempel, Moscheen. Haben Kultbeamte eingesetzt und prachtvolle Zeremonien ersonnen. Haben die Gebete hinter Mauern verbannt und in Formeln gepresst. Doch die Sehnsucht der Menschen, aufrichtig und unverstellt zu Gott zu sprechen, ist unausrottbar. Wenn die Gebete die Mauern verlassen, wenn sie die Straßen und Plätze erreichen, zittern die Herrschenden, lavieren die Verwalter der Sachzwänge.

Und lamentieren die Religionswächter. Denn ihre Gläubigen lassen sich plötzlich nicht mehr teilen. In falsch und richtig. In Gottesverehrer und Gottesverächter. Die Demonstranten auf der Tahrirplatz in Kairo haben kürzlich einen dieser kostbaren Momente erlebt: Mitten im Aufruhr begannen koptische Christen, einen Gottesdienst zu feiern. Und Muslime waren es, die sie dabei schützten. Die eine Menschenkette bildeten, in deren Mitte die Betenden vor Übergriffen sicher sein konnten. Wenig später waren es Christen, die das gleiche taten, als die muslimischen Geschwister ihre Gebete verrichteten. Wo Menschen sich aufrichtig an Gott wenden, verschwindet das, was sie trennt. Sie erkennen: Der neben mir hat das gleiche Anliegen. Er betet vielleicht mit anderen Worten, mit anderen Gesten. Aber mit derselben Haltung. Mit derselben Hingabe an den, dessen Kinder wir sind. Alle. Gleich welcher Herkunft. Gleich welcher Religion.

Denen, die so beten, gehört die Welt von Morgen.

Wenn ich die Bilder aus Kairo sehe, geht mir auch ein Gebet durch den Kopf. Dass das, was dort begonnen hat, trotz aller Rückschläge ohne weiteres Blutvergießen zum Ziel führt. Dass der Moment der Versöhnung, den Muslime und Christen dort erlebt haben, sich ausbreitet. Und das Zusammenleben der Menschen bestimmt. An allen Orten. Zu jeder Zeit.

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20.02.2011 11:12
#20 RE: Das Wort zum Sonntag Zitat · antworten

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Das Wort zum Sonntag vom 19. Februar 2011,
gesprochen von Stephan Wahl

Absurd ...?

Es wird immer absurder. Jetzt hat schon ein bayrischer Pfarrer den Zölibat für Politiker gefordert. Vielleicht wäre es in manchem Fall wirklich Schadensbegrenzung, aber dieser Vorschlag ist nun doch eher etwas für Karneval.

Aber im Ernst: Ich habe diese Zölibatsdiskussion im doppelten Sinne satt. Jeder Normalsterbliche würde es sich verbitten, wenn jemand so in sein ganz persönliches Leben eingreift.

Es ist schon etwas her, da war ich Gast in einer Talkshow und der Moderator fragte mit fast mitleidigem Augenaufschlag, ob ich mir denn ganz sicher sei, dass ich den Zölibat ein Leben lang durchhalten könnte. Was soll man da antworten? Ich hab' dann zurückgefragt, ob er sich denn sicher sei, dass er mit seiner Frau ein Leben lang zusammen sein würde.

Das Gesicht des Moderators entgleiste, die Kamera reagierte, ließ ihn Sekunden unbeobachtet, bis er ganz schnell das Thema wechselte. Einige Wochen später konnte ich seine überraschte Reaktion verstehen. Die Medien berichteten vom Ende seiner Ehe.

Das ist das Eine. Lasst doch die über den Zölibat diskutieren, die es betrifft und nicht die, die zu allem und jedem etwas zu sagen haben. Ist denn jeder, der – aus welchen Gründen auch immer – allein lebt, nicht zurechnungsfähig? Ist doch völlig absurd.

Zölibat, Ehelosigkeit ist und bleibt eine kostbare Lebensform. Aber eben nicht für jeden. Auch für nicht für jeden, der gerne mit Leidenschaft als Priester wirken möchte. Es gibt großartige evangelische verheiratete Seelsorger und nicht überzeugende katholische Einzelkämpfer. Und genauso umgekehrt!

Deshalb bin ich der festen Überzeugung: Der Zölibat in seiner positiven Bedeutung kann nur bestehen, wenn er freigestellt wird. Dann wird er auch in der Gesellschaft mehr respektiert als jetzt. Ohne Hintergedanken, als ganz persönliches Zeugnis, neben anderen ebenso glaubwürdigen und kostbaren Lebensformen.

Ich habe diese Diskussion aber auch aus einem zweiten Grund satt: Es gibt so viele drängend wichtige Themen, die Menschen zutiefst bewegen und für die sie zu recht Orientierung durch ihre Kirche erwarten. Zum Beispiel beim Thema Freiheitswillen von Völkern, die nach jahrzehntelanger Bevormundung auf die Straße gehen und ihre Rechte einfordern. Oder beim Thema Atomkraft, und unsere Verantwortung für spätere Generationen, und und und…

Ich schäme mich dafür, welche Energie wir im Blick darauf für innerkirchliche Themen verschwenden. Und mit denen wir die Gesellschaft erbarmungslos nerven.

Ich bin mir sicher, um nur einige Streitthemen zu nennen, weder verheiratete Priester, noch respektierte wiederverheiratete Katholiken, noch verantwortungsvoll lebende homosexuelle Menschen werden die Kirche ins Wanken bringen.

Sondern: das um Sich Selbst Kreisen, die formelhafte Härte, das Ende vom gemeinsamen Suchen nach der Wahrheit, die uns alle umtreibt und leidenschaftlich bewegt. Dieses Suchen ist nichts anderes als die Sehnsucht nach Gott, der größer ist als unsere engen menschlichen Vorstellungen. Und bei dieser Suche sind mehr Menschen an unserer Seite, als wir vermuten.

Darüber sollten wir mehr reden und weniger über Sexualmoral. Zu dem Thema wären ein paar Jahre kirchliche Redepause gar nicht schlecht. Miteinander reden, ohne sich pauschal zu verdächtigen: das Evangelium hat dafür eine Methode, die uns zwar sehr schnell über die Lippen kommt, aber umso schwerer gelebt wird: Die Methode Liebe. Sie zeigt sich auch im offenen fairen Streit, im Respekt vor anderen Positionen und im barmherzigem Umgang mit menschlichem Scheitern.

Und sie ist mehr als eine Methode. In ihr wirkt Gott selbst. Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und allen, die zu Ihnen gehören, einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche!

Liebe Grüsse
Elli
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