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Frannys Hanne Haller Fan-Forum

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Dieses Thema hat 24 Antworten
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 Adventskalender
Seiten 1 | 2
Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

20.12.2010 09:14
#21 RE: Geschichten zur Weihnachtszeit Zitat · antworten



Das Mädchen und die Schildkröte
Verfasser unbekannt

Es war der 24. Dezember, und es schneite. Gleichmütig und gleichmäßig fiel der Schnee. Er fiel auf
die Fabrik für künstliche Blumen, und sein frisches Weiß gab dem hässlichen Backsteinbau etwas
beinahe Heiteres. Er fiel auf die Villa des Fabrikanten, deren eckige Fassade er mit gefälligen
Rundungen versah, und er fiel auf das Einfamilienhaus des Werkmeisters, aus dem er ein drolliges
Zuckerhäuschen machte.
In den Hallen der Fabrik war um diese Zeit keine Menschenseele, Ein missglücktes Veilchen aus
Draht und Wachs sinnierte im Kehrichteimer vor sich hin, eine eiserne Tür zum Hof bewegte sich
quietschend in den ausgeleierten Scharnieren.
In der Villa nebenan telefonierte die Gnädige zum vierten Mal aufgeregt mit der Tierhandlung wegen
der bestellten Schildkröte.
Früher, als junge Dame, war die Gnädige entzückend aufgeregt gewesen. Jetzt war sie nur noch aufgeregt.
Im Einfamilienhaus schrieb das jüngste der elf Kinder, die kleine Sabine, zum vierten Mal ihren
Wunschzettel: "Lieber Weihnachtsmann ich möchte, eine Schildkröte haben deine Sabine."
Die Gnädige erwartete die Schildkröte zur Suppe. Sabine erwartete sie als Spielgefährtin. Und der
Zufall in Gestalt eines Botenjungen sprach die Schildkröte derjenigen zu, die sie verdiente.
Hier muss endlich bemerkt werden, dass die Villa und das Einfamilienhaus eine Kleinigkeit
gemeinsam hatten: Das Namensschild an der Tür. Auf beiden Schildern las man "Karl Moosmann".
Zwar las man bei dem Fabrikanten einen Buchstaben mehr, nämlich "Karl F. Moosmann". Aber für
derlei feine Unterschiede haben Zufälle und Botenjungen kein Auge.
So kam es, dass die Schildkröte ins Einfamilienhaus gebracht wurde, wo man sie freudig und arglos in
Empfang nahm.
Vater Moosmann glaubte weder an Engel, die als Botenjungen verkleidet kommen, noch an die
Gaben guter Feen. Aber er glaubte daran, dass die kleinen Wünsche kleiner Kinderherzen Gewalt
über Menschen und Dinge haben. Deshalb freute er sich, als der liebenswürdige Zufall seinen
Glauben bestätigte.
Sabine erhielt das unerwartete Geschenk schon vor der Bescherung. Die erste Begegnung mit dem
Tier verlief für beide Teile etwas unglücklich. Die Schildkröte unterschied sich von der geliebten
Bilderbuchschildkröte nämlich dadurch, dass sie zappelte, wenn man sie aufhob, und dass sie bei
ungeschickter Berührung sogar fauchte. Das irritierte Sabine so heftig, dass sie das Tier fallen ließ.
Zum Glück fiel es nicht tief. Sabine maß noch keinen Meter.
Das Mädchen konnte vor Schreck nur "plumps" sagen. Doch dann hob sie das Tier trotz der
strampelnden Beine wieder auf, streichelte den hell- und dunkelbraun geschuppten Panzer und sagte:
"Armer Plumps!" Und damit war das Tier getauft. Aus einer beliebigen Schildkröte war sie zu einer
bekannten geworden, zur Schildkröte Plumps Moosmann.
Indessen telefonierte die Gnädige zum fünften Mal mit der Tierhandlung, und ihre metallische Stimme
kippte dabei zuweilen leicht über: "...ist doch großer Unfug. Wie kann sie hier sein, wenn niemand sie
gebracht hat? ... Bitte?... Nein, Schildkrötensuppe!... Schildkrötensuppe!... Was sagten Sie?... Die
letzte? Das wird ja immer heiterer! Ich habe sie doch zeitig genug bestellt!... Ist denn der Bote noch
nicht zurück?... Wie?... Also dann rufe ich in einer halben Stunde noch einmal an. Wenn sie dann
noch nicht da ist, haben Sie einen Kunden weniger! Adieu!"
Der Hörer fiel scheppernd in die Gabel und die Gnädige in den Teakholzsessel. Erst jetzt bemerkte
sie, dass ihr Sohn Alexander in der Tür stand.
"Bekomme ich auch eine Schildkröte zu Weihnachten, Mama?"
Als die Gnädige antwortete, war ihr Stimme um einen Ton weicher als gewöhnlich. "Die Schildkröte ist
für die Suppe, Alex! Vater wünscht sich eine echte Mockturtlesuppe zum Fest."
Alexander zog eine Schnute, die ihm reizend stand, und wollte abziehen. Aber er besann sich anders,
drehte sich noch einmal um und äußerte betont beiläufig: "Sabines Schildkröte heißt Plumps. Sie wird
nicht zu Mucketurtelsuppe verarbeitet."
Dann wollte er endgültig gehen. Aber diesmal hielt die Mutter ihn zurück.
"Was ist das für eine Schildkröte, von der du sprichst, Alex?"
"Sabine hat heute Nachmittag eine Schildkröte zu Weihnachten bekommen. Sie weiß nicht, von wem.
Sie heißt Plumps."
"Heute Nachmittag, sagst du? Warte, bitte!"
Zum sechsten Mal an diesem Nachmittag des 24. Dezember telefonierte die Gnädige mit der
Tierhandlung. Der Bote war gerade zurückgekommen und berichtete, dass er das Tier bei Karl
Moosmann abgeliefert habe.
Damit war die Sache klar: Sabine hatte versehentlich die Schildkröte der Gnädigen bekommen. Also
wurde Alexander ins Nachbarhaus geschickt, um den Irrtum aufzuklären und die Schildkröte herüberzuholen.
Die Moosmannkinder nebenan waren allesamt rothaarig. Das Rot ihrer Schöpfe reichte vom blassen
Gold bis fast zum Zinnober. Sie waren gerade dabei, sich für die Bescherung umzuziehen, als
Alexander herübergestürmt kam. So traf der Bub nur Mieze, die Älteste, die in der Küche stand und
kochte. Die kleine Sabine bemerkte er nicht; denn sie hockte mit ihrer Schildkröte hinter der halb
offenen Küchentür.
"Du, Mieze, es ist unsere Schildkröte!" schrie er ohne jede Einleitung. "Wir brauchen sie für die
Mucketurtelsuppe. Der Bote hat sie aus Versehen zu euch gebracht!"
"Mockturtlesuppe kocht man aus Kalbsköpfen und nicht aus Schildkröten", bemerkte Mieze, denn sie
besuchte eine Kochschule.
"Trotzdem ist es unsere Schildkröte. Wo ist sie?"
Mieze zuckte mit den Schultern und schielte unauffällig zur Küchentür. Aber weder Sabinchen noch
die Schildkröte waren zu sehen. Sie gab Alexander den Rat, im ersten Stock nachzuforschen.
Im Mädchenschlafzimmer des ersten Stocks fingen vier Moosmannmädchen bei Alexanders Eintritt zu
kreischen an. Sie probierten gerade drei gewaltige Petticoats. Das belustigte Alexander. Aber die
Schildkröte hatte er noch immer nicht.
Im Jungenschlafzimmer spielte er mit drei Moosmannbuben Domino. Das war aufregend. Aber die
Schildkröte hatte er noch immer nicht.
Auf der Treppe lief er dem alten Moosmann in den Weg, der schon von der Verwechslung gehört hatte
und die Stirn krauste.
"Wenn die Schildkröte euch gehört, muss Sabine sie zurückgeben", meinte er. "Es gibt ja noch mehr
Schildkröten auf der Welt. Sag deiner Mutter, wir brächten das Tier, sobald wir Sabine gefunden haben."
Alexander raste mit dieser Nachricht in die Villa zurück, und zehn Moosmannkinder suchten Sabine
mit ihrer Schildkröte.
Eine Stunde später suchte man das Schwesterchen noch. Schließlich wurde Mieze in die Fabrikantenvilla
geschickt, um nachzuforschen, ob Sabine schon dort sei. Aber auch dort war das Mädchen nicht.
Erst jetzt begriff Mieze, was geschehen war: Sabine hatte die Unterhaltung in der Küche belauscht
und sich mit ihrer Schildkröte irgendwo versteckt, um das Tier behalten zu können. Aber wo steckte das Kind?
Mieze erzählte der Gnädigen von ihrer Vermutung und fügte hinzu: "Echte Mockturtlesuppe wird
übrigens aus Kalbskopf hergestellt, obwohl man sie fälschlich Schildkrötensuppe nennt."
"Sind Sie ganz sicher?" fragte die Gnädige.
"Ganz sicher", antwortete Mieze. "Ich besuche einen Kochkurs. Außerdem können Sie es in jedem Lexikon nachlesen."
"Danke für die Belehrung, mein Kind", erwiderte die Gnädige.
"Unter diesen Umständen erlaube ich Sabine, die Schildkröte zu behalten!"
"Vorausgesetzt, wir finden Sabine", gab Mieze ruhig zurück und verließ die Villa.
Draußen schneite es noch immer. Es dunkelte schon, und die Stunde der Bescherung rückte näher.
Aber im Hause der Moosmannkinder zeigte sich keine Sabine.
Hin und wieder kam Alexander von der Villa herüber und fragte, ob das Mädchen gefunden sei. Aber
er kehrte jedes Mal ergebnislos zu seiner Mama zurück.
Gegen halb fünf zog die Gnädige ihren Pelzmantel an und ging selbst ins Nachbarhaus. Obschon sie
für die heillose Verwechslung nichts konnte, fühlte sie eine Art Mitschuld.
Mutter Moosmann saß als ein Häufchen Elend in der Küche. Vater Moosmann donnerte sinnlose
Befehle ins Haus und scheuchte seine Kinder in die entferntesten Winkel.
In diesem Wirrwarr verwandelte sich die nervöse Aufregung der Gnädigen plötzlich in erstaunliche Tatkraft um.
"Frau Moosmann, bereiten Sie die Bescherung vor!" sagte sie in so entschiedenem Ton, dass Mutter Moosmann
wirklich aufstand und sich am Küchentisch zu schaffen machte.
"Glauben Sie, wir finden Sabine?" Mutter Moosmann schluckte bei der Frage.
"Wir werden sie alle zusammen suchen", antwortete die Gnädige. "Und ich bin sicher, wir finden sie!"
Unter Leitung der Gnädigen begann eine planmäßige Suche durch das ganze Haus, an der Vater
Moosmann sich merkwürdig widerspruchslos beteiligte. Der Kloß in seiner Kehle wurde immer kleiner,
als er eine Aufgabe hatte.
Aber der Kloß wuchs zur alten Größe, als nach einer halben Stunde das Ergebnis der Suche feststand:
Sabine war nicht im Haus.
Jetzt war die Gnädige nicht mehr so zuversichtlich wie zuvor. Aber sie zwang sich, es niemanden merken zu lassen.
"Sabine hat das Haus verlassen", stellte sie mit betont sachlicher Stimme fest. "Wir müssen die ganze
Nachbarschaft durchkämmen. Ich habe einen Mann, einen Sohn und zwei Dienstboten. Die werden
mitsuchen. Jeder nimmt ein Revier. Ich übernehme die Fabrik."
Zunächst wurde von der Villa aus mit der Polizei telefoniert. Aber die hatte kein Mädchen mit
Schildkröte aufgegriffen. Immerhin wollte sie die Augen offenhalten.
Dann schwärmte man, einschließlich Fabrikant und Hausmädchen, nach einem genau durchdachten
Plan unter dem wirbelnden Schnee in die Häuser und Gassen der Nachbarschaft aus.
Die Gnädige schritt entschlossen in den Hof der Fabrik und entdeckte hier eine weit offenstehende Eisentür.
Als sie durch die Tür in die Fabrik trat und das Licht einschaltete, hörte sie aus einer entfernten Ecke
der riesigen Halle eine Art leises Quieken. Sie wandte den Kopf und entdeckte rechts hinten in der
Ecke ein ganz in sich zusammen gekrümmtes Geschöpfchen: Sabine.
"Aber Kind, was machst du denn da?" Ihre Stimme hallte kalt und fremd durch den Raum.
"Du kriegst die Schildkröte nicht!" schrie das Mädchen. "Plumps gehört mir!"
Erst jetzt bemerkte die Gnädige, dass Sabine auf dem Kehrichteimer hockte und die Schildkröte auf
dem Schoß hatte.
Sie schritt quer durch die Halle auf das Mädchen zu, das noch mehr in sich zusammen kroch und ihr
mit großen, ängstlichen Augen entgegensah.
"Du kannst die Schildkröte behalten, Sabine! Ich brauche sie nicht mehr."
Das Kind umklammerte die Schildkröte. Ihre Augen verrieten Zweifel.
Die Gnädige war verwirrt und wiederholte: "Du kannst die Schildkröte behalten!"
Als sie fast vor Sabine stand, rief das Mädchen: "Du lügst! Du willst Suppe aus ihr kochen! Aber man
kann die Suppe auch aus Kalbsköpfen kochen, sagt Mieze."
Jetzt musste die Gnädige lachen. "Du hast recht", gab sie zu. "Die Suppe, die ich kochen will, macht
man aus Kalbskopf. Deshalb brauche ich überhaupt keine Schildkröte."
"Schwöre, dass es meine Schildkröte ist!"
Halb befremdet, halb belustigt, legte die Gnädige eine Hand auf das Herz, hob die andere zum Schwur
und versicherte feierlich: "Ich schwöre, dass die Schildkröte mit Namen Plumps der Sabine Moosmann gehört!"
"Jetzt glaube ich dir!" Das Mädchen stand auf, setzte die Schildkröte zu Boden und sagte:
"Nun zeige ich dir, wie schnell Plumps laufen kann!"
"Zeig es mir später, Sabine. Wir müssen heim. Ich glaube, du hast dich erkältet. Und Plumps muss
auch in die Wärme zurück. Die meisten Schildkröten halten nämlich um diese Zeit ihren Winterschlaf."
"Weiß ich", bestätigte Sabine mit Kennermiene. "Ich muss eine Kiste mit Torf für Plumps besorgen."
Plötzlich begann die Schildkröte heftig mit den Beinen zu strampeln, und Sabine fing an zu niesen. Da
ergriff die Gnädige entschlossen die freie Hand des Mädchens und ging mit ihr durch den fallenden
Schnee hinüber zum Haus der Moosmannkinder.
Unterwegs meinte Sabine: "Wenn du keine Suppe aus Schildkröten kochst, könntest du dir eigentlich
eine Schildkröte zum spielen anschaffen!"
"Geht nicht, Sabine! Plumps war die letzte Schildkröte in der Tierhandlung. Die anderen liegen im Winterschlaf."
Das kleine Mädchen blieb plötzlich stehen, zögerte einen kurzen Augenblick, blickte die Schildkröte
an, die sich unter ihrem Panzer verkrochen hatte, und legte sie sanft der Gnädigen in den Arm.
"Ich schenk sie dir zu Weihnachten! Es gibt ja noch andere Schildkröten. Ich bestell mir eine im Frühling."
Die Gnädige sah verwirrt auf die Schildkröte, die auf dem weichen Pelz des Mantels vorsichtig den
Kopf hervorstreckte.
"Es gefällt ihr bei dir", sagte Sabine.
"Trotzdem glaube ich, dass du mehr Zeit für die Schildkröte hast als ich, Sabine. Ich gebe dir das
Geschenk zurück."
Wieder wechselte das verschüchterte Tier den Besitzer.
Sabine strahlte. "Du hast recht", meinte sie. "Ich kann mich mehr um Plumps kümmern als du.
Außerdem ist sie ja schon an mich gewöhnt. Du bist viel netter, als ich dachte. Vielen, vielen Dank und
fröhliche Weihnachten."
Die Gnädige schluckte ein bisschen und sagte mit ungewohnt weicher Stimme: "Fröhliche Weihnachten, Sabine!"
Dann wanderten sie Hand in Hand weiter und wurden bald von den Flocken verdeckt, die gleichmäßig
und gleichmütig auf Gerechte wie auf Ungerechte fielen.


Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

21.12.2010 07:58
#22 RE: Geschichten zur Weihnachtszeit Zitat · antworten



Die Roratemesse
Franz Anton Staudenmaier

Der letzte Sonntag im Advent hat nach altkirchlicher Benennung den Namen Rorate, Tauet! Dieser
Name rührt vom Introitus dieses Tages her, der, wie auch der Introitus des vorhergegangenen
Quatembermittwochs, aus dem Propheten Jsaias genommen ist und heißt: "Tauet, Himmel, den
Gerechten, Wolken, regnet ihn herab! Öffne dich, Erde, und sprosse uns den Erlöser hervor!" Es ist
der höchste Ausdruck der Sehnsucht nach einem Erlöser. Die Himmel sollen sich aufreißen und den
Gerechten und Gerechtmachenden herabtauchen, die Wolken sollen ihn herabregnen, die Erde soll sich
auftun, um ihn hervorzusprossen. Dieser Gedanke und mit ihm die gleiche Sehnsucht kommt zum
Ausdruck in der Roratemesse der heiligen Adventzeit:
Noch ist es Nacht, da schon die Hausmütter und Hausväter beim großen Zeichen der Kirchenglocke
sich vom Lager erheben, die Lichter anzünden und das übrige Haus wecken. Gern und willig folgen
der ermunternden Mahnung alle, denn sie alle wissen, warum. Nach und nach erhellen sich alle
Wohnungen, und an jene, welche sich nicht erleuchten wollen, weil ihre Bewohner im Schlaf die
Glocken nicht gehört haben, wird vom freundlichen Nachbar geklopft, dem sofort herzlich gedankt
wird. Aber nach und nach erlöschen die Lichter wieder, denn das zur kirchlichen Feier bestimmte
Gewand ist angezogen. Man verlässt die Häuser und geht zur Kirche, von der das mahnende Zeichen
von neuem gegeben worden ist. Es ist kalt. Den Weg zur Kirche erhellen der Mond und der
Sternenhimmel, der klar herunterschaut. Ist es aber dunkel, weil weder Mond noch Sterne scheinen,
so müssen die Laternen leuchten, die jede Familie bei sich trägt. Freundlich grüßen sich die
Nachbarn, die zusammengehen; die Schar auf dem Kirchgang wächst mit jedem Schritt.
So strömt es von allen Seiten dem Gotteshause zu, das vom Altar her mit wunderbarem Lichtglanz
erhellt ist, ein Zeichen und ein Bild, wie Christus als Licht der Welt in die Nacht und Dunkelheit des
Lebens hinein scheint. Dieser Glanz des Gotteshauses wird dadurch noch vermehrt, dass jeder für
sich eine Wachskerze, einen Wachsstock anzündet und vor sich auf seinen Kirchstuhl stellt. So
schimmern unendlich viele Lichter, und die Gemeinde erscheint in dieser Lichtfülle so recht als eine
Familie. Nicht lange braucht man zu warten, bis der Priester an den Altar tritt. Und nun kann beim
beginnenden Gottesdienst die Gemeinde sich nicht länger halten: tief und freudig bewegt lässt sie ihr
Inneres ausströmen in den Gesang:

Tauet, Himmel, den Gerechten,
Wolken, regnet ihn herab!
Rief das Volk in bangen Nächten,
Dem Gott die Verheißung gab:
Einst den Mittler selbst zu sehen,
Und zum Himmel einzugehen;
Denn verschlossen war das Tor,
Bis der Heiland trat hervor.

Gott der Vater ließ sich rühren,
Dass er uns zu retten sann;
Und den Ratschluss auszuführen,
Trug der Sohn sich selber an.
Schnell flog Gabriel hernieder,
Brachte diese Antwort wieder:
Sieh, ich bin des Herren Magd,
Mir gescheh', wie Gott gesagt.

Da die Botschaft angekommen,
War Maria im Gebet.
Da das Wort Fleisch angenommen,
Ging sie zu Elisabeth.
Von dem Gruße ganz durchdrungen,
Ist Johannes aufgesprungen,
Der von Gott geheiligt war,
Eh' die Mutter ihn gebar.

Dieser ließ die Stimm' erschallen:
Sünder, wacht vom Schlummer auf!
Denn es naht die Zeit uns allen,
Hemmet euren Sündenlauf!
Brüder, lasst zu diesen Zeiten
Unser Herz zur Buß' bereiten;
Wandelt auf der Tugend Bahn,
Ziehet Jesum Christum an!

Lasst uns wie am Tage wandeln,
Nicht in Fraß und Trunkenheit;
Suchet, um gerecht zu handeln
Wahrheit, Fried und Einigkeit.
Jenem gänzlich nachzuarten,
Dessen Ankunft wir erwarten:
Dieses ist der Christen Pflicht,
Wie es der Apostel spricht.

Man muss einem solchen Gottesdienst beigewohnt haben, um die Gefühle ganz zu verstehen, die er
aufweckt. Es kommt uns ein Gleichnis Jesu in den Sinn: die Parabel von den klugen und törichten
Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegengingen: Die versammelten Gläubigen haben sich nicht
verspätet, früh und hell brennt das Öl in ihren Lampen, mit denen sie dem Erlöser entgegengehen.
Der Gottesdienst, die Roratemesse, verstärkt das Gefühl der Sehnsucht und Erwartung durch
prophetische und evangelische Stellen, die sich auf das Nahen des Heilandes beziehen, nur immer
mehr. Endlich entlässt der Priester die Gläubigen mit dem Segen des Allerheiligsten. Alle treten aus
der Kirche, um in ihre Wohnungen zurückzukehren. Und oft, wenn sie das Gotteshaus verlassen, geht
die Morgensonne des Advents auf, wie eine Verheißung des Allerhöchsten.

Liebe Grüsse
Ivonne
(Die Sterne sind noch da)

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

22.12.2010 07:51
#23 RE: Geschichten zur Weihnachtszeit Zitat · antworten



Jose und das goldene Christuskind
nach einer Erzählung von Francois Coppee aus dem Jahre 1903

Vor vielen Jahren, so vielen, das niemand mehr weiss, wann genau es war, lebte in einem Dorf im
Süden Brasiliens ein siebenjähriger Junge Namens Josee. Er hatte seine Eltern früh verloren und war
von einer Tante aufgezogen worden, die zwar reich, aber sehr geizig war. Josee, der nie erfahren
hatte, was Liebe ist, fand aber, das Leben sei nun einmal so, und störte sich nicht daran.
Die Tante und Josee wohnten in einem Viertel für reiche Leute, und die Tante hatte den Schuldirektor
gedrängt, ihren Neffen in die dortige Schule aufzunehmen. Sie wollte allerdings nur ein Zehntel des
Monatsbeitrags zahlen und drohte, sich beim Bürgermeister zu beschweren, falls er ihrer Bitte nicht
nachkam. Der Direktor gab klein bei, wies jedoch seine Lehrer an, Josee bei jeder Gelegenheit zu
demütigen. Er wollte Josee so weit provozieren, dass er auffällig würde und ihm so den Vorwand
lieferte, ihn der Schule zu verweisen. Josee, der nie erfahren hatte, was Liebe ist fand, das Leben sei
nun einmal so, und störte sich nicht daran.
Dann kam der Weihnachtsabend. Auf dem Weg zur obligatorischen Christmesse unterhielten sich
Josees Schulkameraden darüber, was sie am nächsten Morgen in ihren Schuhen finden würden:
moderne Kleidung, Schokolade, Roller und Fahrräder. Sie waren schön angezogen, wie immer an
Feiertagen, nur Josee hatte wie immer seine zerlumpten Kleider und die abgewetzten Sandalen an,
die ihm längst zu klein waren. Einige Kinder fragten ihn, warum er so ärmlich angezogen herumlief,
und sagten, sie schämten sich für so einen Schulkameraden. Da Josee nie erfahren hatte, was Liebe
ist, störten ihn die Fragen nicht.
Als Josee die Kirche betrat, hörte er die Orgel spielen, sah die brennenden Lichter, die Leute in ihren
Sonntagskleidern, die Familien, die zusammen saßen, Eltern, die ihre Kinder im Arm hatten, und da
plötzlich fühlte er sich arm und elend. Nach der Kommunion setzte er sich, anstatt mit der Gruppe
nach Hause zu gehen, auf die Schwelle der Kapelle und begann zu weinen. Auch wenn Josee die
Liebe nie kennen gelernt hatte, wusste er wohl, was es hieß, allein, hilflos, von allen verlassen zu sein.
In diesem Augenblick bemerkte er einen Jungen neben sich, der barfüßig war und ebenso arm
aussah wie er selber. Da er ihn noch nie gesehen hatte, nahm er an, dass er lange gegangen sein
musste, um bis hierher zu kommen. Er dachte: "Dem Jungen müssen die Füsse wehtun. Ich werde
ihm eine meiner Sandalen geben, das wird sein Leiden halbieren." Josee hatte zwar die Liebe nicht
kennen gelernt, aber er wusste, was Leiden ist, und wollte nicht, dass andere so litten wie er.
Er gab dem Jungen eine Sandale und ging mit der anderen nach Hause. Er trug sie abwechselnd mal
am linken, mal am rechten Fuß, um sich weniger wund zu laufen. Als er nach Hause kam, sah seine
Tante sofort, dass er eine Sandale verloren hatte, und drohte ihm, wenn er sie nicht am nächsten Tag
wiedergefunden hätte, würde er bestraft.
Josee ging voller Angst ins Bett, denn er kannte die Strafen seiner Tante. Zitternd lag er da und fand
keinen Schlaf. Als er endlich am Einschlafen war, hörte er plötzlich lautes Stimmengewirr aus der
guten Stube. Seine Tante kam ins Zimmer gestürmt und befahl ihm, sofort ins Wohnzimmer zu kommen.
Noch ganz benommen ging Josee hinüber und sah die Sandale, die er dem Jungen gegeben hatte,
mitten im Zimmer liegen, und darum herum alles mögliche Spielzeug, Fahrräder, Roller, Kleider. Die
Nachbarn waren ebenfalls alle da, zeterten und schimpften, ihre Kinder seien bestohlen worden,
hätten beim Aufwachen nichts in ihren Schuhen gefunden.
In dem Augenblick erschien atemlos der Priester. Er hatte auf der Schwelle der Kapelle eine ganz in
Gold gekleidete Statue des Christuskindes gefunden, die nur an einem Fuß eine Sandale trug.
Augenblicklich wurde es ganz still, alle Anwesenden lobten Gott und seine Wunder, die Tante weinte
und bat ihn um Vergebung.
Und Josees Herz wurde von der Kraft und von der Liebe erfüllt, die er jetzt endlich erfahren hatte.


Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

23.12.2010 09:31
#24 RE: Geschichten zur Weihnachtszeit Zitat · antworten



Das kleine Kätzchen und der Weihnachtsmann
von Barbara Pronnet

Ein kleines Kätzchen lag eingerollt auf einer Stufe eines alten Hauses. Sein kleiner Bauch hob sich langsam auf und ab.
Es war ein Tag vor Weihnachten. Die vielen Füße mit den dicken Winterschuhen die an dem Kätzchen vorbeilaufen bemerkt es nicht.
Es hatte leicht angefangen zu schneien und ein kalter Wind pfiff um die Häuserecken.
Das grauweiße Kätzchen schlug die Augen auf und steckte die Nase in die feucht Luft. Kalt ist es geworden und es gab heute
noch nichts zu fressen. Es streckte sich und beobachtete die vielen Menschen die hektisch und schnell durch die Straßen liefen.
So eine Kälte kannte es nicht, denn es war erst im März geboren worden und bei der Mutter mit all den vielen Geschwistern war es
herrlich warm gewesen. Der Geruch der Milch die es regelmäßig zu trinken gab stieg ihm in die Nase und es leckte sich das kleine Maul.
Schön war es da gewesen, aber plötzlich waren die Geschwister weg und die Mutter hatte sich nicht mehr um es gekümmert.
Das war eine schlimme Zeit gewesen, auf einmal musste sich das Kätzchen selbst Nahrung suchen und die Geborgenheit
der Familie fehlte ihm sehr.
Immer weiter lief es von dem Ort der zerronnenen Behaglichkeit fort und landete an einem Platz wo es viele Häuser und Menschen gab.
Dort war es laut und gefährlich, die großen Gegenstände wechselten schnell und das Kätzchen musste oft einen riesigen Satz
machen um einem rollendem Ungeheuer auszuweichen.
Es gab zwar viele Mäuse und Reste von Fressen in großem Behältern, aber gemütlich war das nicht.
Auch die Revierprobleme der bereits einheimischen Katzen war immer wieder ein großes Problem. Ständig gab es Auseinandersetzungen
und Raufereien bei dem auch mal Blut floss.
Das Leben war schwierig und gefährlich geworden und nur in ihren Träumen konnte das kleine Kätzchen noch Freude empfinden.
Und jetzt war es auch noch kalt geworden. Die Nässe kroch sich unters Fell und einen warmen Schlafplatz zu finden wurde immer schwieriger.
Traurig und mit knurrendem Magen schlich das Kätzchen die graue Hausmauer entlang. Die weißen Flocken die jetzt wild umher tanzten
legten sich auf sein Fell und färbten es weiß.
Ein großer weißer nasser Ball flog ihm entgegen und zerplatze auf seinem Kopf. Das Kätzchen duckte sich ängstlich und hörte
lachende Kinderstimmen an sich vorbeilaufen.
Es schüttelte sich und die kalte Masse fiel zu Boden. Überall brannten schon Lichter und die Dunkelheit breitete sich langsam
über die Stadt. Jetzt musste ein halbwegs warmer Schlafplatz gefunden werden und vielleicht lief ihm ja eine unvorsichtige Maus über dem Weg.
Das wäre mal ein Glück. Aber die gewieften Stadtmäuse hatten längst die Taktik der Katzen erkannt und versteckten wohlweislich in ihren tiefen Löchern.
Die vielen dunklen und unheimliche Gänge der nassen Straßen machten ihm immer wieder Angst.
Mutlos setzte es sich kurz auf den Randstein und schnaufte tief durch.
Still war es geworden und kein Licht brannte mehr. Es schien, als würden alle Häuser verschwunden und kein Geräusch war zu hören.
Plötzlich sah es in einer nahen Querstraße eine helles Licht leuchten.
Das war so hell, dass das Kätzchen die Augen zuzwinkern musste. Vorsichtig setzte es eine Pfote vor die andere und schlich in die Nähe
der ungewohnten Helligkeit. Sein Herz klopfte wild doch eine angeborene Neugier ließ sich nicht verleugnen.
Als es um die Ecke lugte woher das merkwürdige Licht kam glaubte es seinen Augen nicht zu trauen.
Das Licht schien wie ein Kreis
und in dem Kreis saß ein dicker Mann mit einem langen, weißem Bart und einem rotem Mantel und neben ihm stand eine Kutsche
und daran waren große Tiere eingespannt. Er hatte die Hand an der Stirn und schüttelte ständig den Kopf und murmelte:
„Ohje, ohje, ohje, ohje“.
Um ihm herum lagen lauter Spielsachen kunterbunt durcheinander. Da gab es Puppen, Stofftiere –auch eine rote Stoffkatze war darunter,
Naschwerk und vieles mehr. So viele herrliche Sachen hatte das Kätzchen noch nie gesehen.
Der dicke Mann hielt eine alten Leinensack in die Höhe und sagte zu den komischen Tieren vor seiner Kutsche.
„Ihr wart eindeutig zu schnell. Ihr seid ja in die Kurve gegangen als wäre heute schon Silvester. Jetzt haben wir den Salat.
Bis ich den Sack wieder gefüllt habe ist es ja bereits hell und dann können wir sehen wie wir das schaffen.“
Die braunen Tiere mit den großen Hörner standen betreten da und steckten die Köpfe zusammen.
Es war ihnen anscheinend sehr peinlich.
Das Kätzchen konnte sich gar nicht satt sehen an diesen vielen Herrlichkeiten. Wie schön musste das sein, mal wieder so richtig
ungezwungen zu spielen und etwas so richtig zu zerfetzen, sowie es immer mit den Geschwistern gewesen war.
Das Licht strahlte eine wohlige Wärme aus und das Kätzchen hätte sich gerne in mitten der Spielsachen gesetzt und nur geschaut.
Aber der fremde Mann war sehr ungehalten und schüttelte weiter pausenlos den Kopf.
Vielleicht schleiche ich mich einfach mal heran und verstecke mich unter dem großen Teddybären, dachte es mutig.
Der Mann dreht ihm sein dickes Hinterteil zu und war ganz vertieft darin, einer Puppe das lange blonde Haar zu entwirren.
Kätzchen machte eine kleinen Sprung und kroch ganz leise unter den großen braunen Bären. Er hatte eine dickes, weiches Fell
und er erzeugte eine wunderbare Wärme. Mit weit geöffneten Augen beobachtete es den großen Mann der –es traute kaum seinen Ohren-
ein kleines Liedchen vor sich her sang.
„Morgen Kinder wird’s was geben, morgen werden wir uns freuen. Welch ein Trubel, welche eine Leben, wird in unserem Hause sein.
Einmal werden wir noch wach, heißa dann ist Weihnacht“.
Die Ohren des kleinen Kätzchens standen ganz hoch. Das war sehr schön was der dicke Mann da sang. Aber was war denn bitte sehr Weihnacht?
Was zum Fressen? Oder heißen die Tiere vor der Kutsche Weihnacht?
Es überlegte, ob es dieses Wort schon mal gehört hatte, aber meistens hörte es nur „geh weg“ oder bekam einen Tritt.
Durch die Wärme und den Gesang des alten Mannes begann sich unser Kätzchen sehr wohl zu fühlen. Es entspannte sich und legte die Ohren an.
Die Pfoten steckte es unter den Körper.
War das gemütlich, dachte es. Ich bleibe noch ein bisschen und dann verschwinde ich wieder, nahm es sich vor.
Die Augen wurden ihm immer schwerer und eine bleierne Müdigkeit breitet sich in seinem Körper aus.
Nein, nein ich döse nur ein wenig, ich habe alles im Griff.
Das dachte es sich zumindest denn plötzlich wurde es von einer riesengroßen Hand hochgehoben und in der Sack gesteckt.
Voller Angst und zu Tode erschrocken durch den leichten Schlaf machte das kleine Kätzchen einen Purzelbaum und versank
immer tiefer in den großen dunklen Käfig. Die Krallen tief in den Teddybären gebohrt verharrte es voller Entsetzen in der Dunkelheit.
Immer mehr Gegenstände fielen auf seinem Kopf und wurden mit der großen Hand in den Sack gestopft.
Oh nein, was ist nur passiert. Ich bin doch ganz wach gewesen, jammerte das kleine Kätzchen.
Wie komme ich da bloß wieder raus?
Aber das war nicht so einfach, denn der große Sack wurde mit einer Kordel verschnürt und auf einmal flog der Sack samt Inhalt in die Luft
und fiel auf einen harten Boden. Gott sein Dank war der Teddybär dick gepolstert, denn sonst hätte sich unser Kätzchen ganz schön weh getan.
Aber damit war noch lange nicht alles zu Ende. Plötzlich gab es einen Ruck und alles war in Bewegung. Immer schneller und
schneller wurde es und das Kätzchen hörte die Stimme des Mannes laut rufen.
„Los auf geht’s, keine Müdigkeit vorschützen wir haben Zeit aufzuholen“.
Es gab ein zischendes Geräusch und irgendwie wurde es dem Kätzchen plötzlich ganz leicht als würde es schweben und durch die Luft fliegen.
Aber das kann ja nicht sein, Katzen können nicht fliegen und Menschen doch eigentlich auch nicht. Zumindest hatte es so was noch nie erlebt.
Doch es war so.
Der große Sack ruckelte und wackelte und das erste Mal in seinem jungen Leben war unser Kätzchen froh, dass es noch nichts gefressen hatte,
denn sonst würde ihm jetzt furchtbar schlecht werden.
Die Krallen fest in den Teddy verkeilt starrte es angstvoll in die Dunkelheit und sein kleines Katzenherz schlug ihm bis zum Halse.
Das war wirklich das sonderbarste, was es bis jetzt erlebt hatte. Nicht mal die Schlägerei mit dem schwarzen Tyrannen der in der Straße
mit den vollsten Mülltonnen wohnte konnte es damit aufnehmen.
Immer höher und schneller ging es und das Kätzchen verlor bald jedes Zeitgefühl. Wahrscheinlich werde ich jetzt sterben?
Schade, ich hatte doch noch so viel vor.
Traurig schloss es die Augen und krallte sich wieder fester in das weiche Fell des Teddybären.
Doch was war das? Plötzlich stand alles still. Es gab ein dumpfes Geräusch und der große Sack wurde hochgehoben.
Wieder wurde unser Kätzchen ein wenig geschüttelt, aber nicht mehr so stark wie am Anfang. Es glaubt auch Stimmen zu hören
und wärmer war es auch wieder geworden.
Kätzchen spitzte die Ohren und hörte was da draußen los war.
„Hallo liebe Kinder, wisst ihr denn, wer ich bin“ fragte die dunkle Stimme des großen Mannes.
Kätzchen hatte es gleich wieder erkannt.
„Du bist der Nikolaus“ schrien aufgeregte Kinderstimmen durcheinander.
Nikolaus, dachte das Kätzchen, schon wieder so ein fremdes Wort. Aber wenigstens wusste es jetzt, wie der große Mann mit Namen hieß.
„Das ist richtig, und weil ihr brav gewesen seid, habe ich euch auch etwas mitgebracht.“
Der Nikolaus öffnete den Sack und griff mit seiner großen Hand hinein. Er erwischte die blonde Puppe die knapp neben unserem jetzt
wieder sehr ängstlichen Kätzchen lag. „Die ist für dich, weil du ganz besonders fleißig in der Schule warst.“ sagte der Nikolaus freundlich.
„Vielen Dank, lieber Nikolaus“ bedankte sich eine artige Stimme.
„Und was bekomme ich“ rief eine helle Stimme ungeduldig dazwischen.
„Sei doch ruhig, du kommst auch noch dran“ Das klang so ähnlich wie die Stimme des Nikolaus, aber doch ein bisschen anders.
Wie viele wollten denn da noch Geschenke? dachte das Kätzchen nervös.
„Für dich habe ich ganz was Schönes dabei“ lachte der Nikolaus
Wieder fuhr die große Hand in den Sack. Oh Schreck sie packte nach dem braunen, dicken Teddybären, an welchem unser Kätzchen
so angstvoll klammerte.
Nein, nein, schrie es innerlich, und krallte sich noch mehr in das Fell und plötzlich gab es einen Ruck und Kätzchen war aus dem Sack
und landete in zwei kleinen Kinderarmen.
Das war vielleicht ein Anblick.
Alle schauten mit großen Augen auf das kleine Kätzchen, welches sich am liebsten in den Teddybären hinein verkrochen hätte.
Der Nikolaus, die Eltern und das kleine Mädchen schauten verdutzt auf den kleinen Jungen der sein „Geschenk“ in den Armen hält.
„Eine Katze“ rief er freudig, „und ein Bär, gleich zwei Geschenke“.
„Da stimmt aber was nicht“ murmelte der Nikolaus Stirn runzelnd, „das stand nicht auf meiner Wunschliste“.
Auch die Eltern der Kinder schauten völlig entgeistert, erst auf die Katze und dann auf den Nikolaus.
„Ist die süß“, sagte das kleine Mädchen und streichelte liebevoll das Fell des Kätzchens.
„Schau mal sie hat ja Angst“. Die Mutter nahm unser Kätzchen, was noch völlig verängstigt an dem Teddy hing vorsichtig
in den Arm und kraulte ihm das Köpfchen.
„Tja das ist zwar nicht ganz das was wir bestellt hatten, aber so ein hübsches Tierchen geben wir natürlich nicht mehr her.
Dich schickt ja förmlich der Himmel zu uns.“ lachte die freundliche Frau und dann lachten alle.
Noch nie hatte Kätzchen so liebevolle Streicheleinheiten bekommen. Es begann sich zu entspannen und schnurrte ganz leise.
Die ganze Familie stand jetzt um den unfreiwilligen Gast und beobachteten das kleine Kätzchen.
Der Nikolaus legte seine große Hand auf sein Köpfchen.
„Ich bin mir zwar noch nicht sicher, aber ich kann mir schon denken wo ich dich aufgelesen habe. Hier wird es dir bestimmt gut
gehen kleines Kätzchen.“ schmunzelte der Nikolaus
Ihr könnt euch sicher denken, wie überrascht unser Kätzchen war als es von allen Seiten gestreichelt und geherzt wurde.
Das erste Schüsselchen voller warmer Milch schmeckte wundervoll und die Erinnerungen an die frühere Zeit mit der Mutter
und den Geschwistern stiegen wieder in ihm hoch.
Und als sich der Nikolaus später verabschiedete und mit lautem Gebimmel von dannen fuhr, stand unser Kätzchen dankbar und glücklich
am Fenster und schaute zu wie sich die große Kutsche mit den vielen braunen Tieren in die Luft schwang und langsam am Horizont verschwand.
Es hatte wieder leicht angefangen zu schneien und als sich unser Kätzchen vom Fenstersims ins heimelige warme Wohnzimmer
mit dem großen geschmückten Baum und den Geschenken und den vielen Menschen die alle so lieb zu ihm waren begab,
da dachte es sich, wenn das Weihnachten ist, dann ist es das schönste, was ich je erlebt habe.

Liebe Grüsse
Ivonne
(Die Sterne sind noch da)

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

24.12.2010 15:20
#25 RE: Geschichten zur Weihnachtszeit Zitat · antworten



's Christkindl ist da
Verfasser unbekannt

Weihnachten dauert immer nur eine gewisse Zeit, heute sogar noch weniger als früher. Deswegen
erzähle ich euch die Geschichte von der schönsten Zeit im Jahr, die mit der Geburt vom Christkindlein
damals die größte Freude für viele war.
Das erste ist die Geschichte von den guten Hirten vor dem Stall von Bethlehem und den schönen
Engelein über dessen hölzernem Dach. Die Engelein waren die ersten, die dort waren, wo das
Christkindlein geboren werden sollte, da es in den Wirtshäusern rund um Bethlehem für die armen
Leute, die nicht einmal miteinander verheiratet waren, kein Quartier gab. Und die Hirten waren die
Landsleute, die dort in dem Gebiet ihre Arbeit verrichteten und die Tiere der Bauern würdevoll
betreuten. So kamen die Hirten, als sie die seligen, weißen Engelein strahlen sahen, mit ihren Tieren
zu dem Stall und erlebten, dass das neue Jesulein gerade in der Krippe im Stroh lag und seine Mutter
Maria mit ihrem Begleiter Josef vor ihm auf dem Strohballen saßen. Und die Hirten in jedem Alter
kamen in den strahlenden Stall, auf dem die Engelein leuchteten, und begrüßten und verehrten die
drei Menschen, die gerade zu einer neuen Familie Gottes geworden waren. Sie gaben ihnen Milch
und Honig, Wasser und Brot, Strohballen und Holzstühlchen und ehrten die neue Familie Gottes
ganz, ganz herzlich, bevor sie sich als die treuen Kameraden von Josef und Maria wieder auf den
Weg machten, in ihre gewohnte Arbeit zu gehen.
Nun möchte ich euch weiter erzählen, wie der Ochs und der Esel das Christkindlein zum Lachen
brachten. Ihr wisst es ja, im Stall von Bethlehem, da waren ein Ochs und ein Esel vor der Kinderkrippe
nebeneinander angebunden, strahlten mit ihren wunderbaren Gesichtern auf das Christuskindlein hin
und erwärmten den ganzen Raum. Neugierig beäugten sie ihre neuen Gäste Maria und Josef und das
neue Kindelein von Herzen, das in der Umgebung nicht geboren werden durfte. Witzig sahen sich
Ochs und Esel einander an, feierten eine glückselige Weihnacht und fraßen genüsslich Heu und
Stroh, das aus dem Krippelein noch übrig geblieben war. Sie schlossen dann ihre Äugelein, hoben ihr
Mäulchen hoch und muhten und jaulten mit Gebrüll als großes Dankeschön für ihr Essen und der
glanzvolle Stall lebte und bebte ganz neu. Das Kindelein lächelte mit seinen jungen Äugelein, strahlte
dem Ochs und dem Esel entgegen und begrüßte sie in göttlicher Eintracht. Und der Ochs und der
Esel waren die ersten Freunde vom Christkindlein.
Die letzte Geschichte ist nun die von den Heiligen drei Königen aus dem Morgenland, von Caspar,
Melchior und Balthasar. Das Christkindlein lag schon eine schöne Zeit im Stall von Bethlehem und
strahlte und lächelte mit Engeln und Hirten, mit Ochs und Esel. Und dann kamen sie. Es war eine
große und aufregende Reise für die drei Heiligen Magier und ihren Stern, ihren Kometen. Sie galten
als die Führer der damaligen drei Erdteile und der drei Lebensalter: Der Melchior mit seinem
weißgrauen Hängebart, der Balthasar mit seinem dunklen Rauschebart und der Caspar, der bartlose
Jüngling. Und sie brachten Weihrauch, Myrrhe und rotes Gold für das neue Christuskindlein mit, das
die alte Römerpolitik nicht akzeptieren wollte. Sie waren mit ihren Kamelen und ihren Maultieren quer
durch die Wüste gereist und besuchten das neue Jesuskind in Bethlehems Stall. Sie traten ein in das
hölzerne Haus und der Stern strahlte hell und klar über dem Dach des Herrn. Sie begrüßten Maria und
Josef und das Christkindlein in der Krippe und das Jesulein leuchtete sie an mit glänzenden Augen
wie ein himmlischer Stern. Dann zogen die Heiligen drei Könige als Gefolgsleute Gottes wieder ab von
Bethlehems Stall und in ihre alte Heimat zurück.
Vom König bis zum Ochs, vom Hirten bis zum Engerl, alle haben sich damals um das Christkindlein
voll bemüht und ich tu das mit dieser Geschichte natürlich auch heute noch ganz besonders! Euch
allen wünschen damit die Engel und die Hirten, der Ochs und der Esel, der Caspar, der Melchior und
der Balthasar mit ihrem Stern - und natürlich ganz besonders auch ich - eine besinnliche und
glorreiche Weihnacht!!!


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