Vom Dorf her höre ich leise die Abendglocke erklingen. Jetzt ist für mich die Zeit, aus der Furche zu springen. Auch wenn ich nicht so gut sehe, weil ich kurzsichtig bin, bringt mich meine hervorragende Nase zum Getreideacker hin.
Ich habe ein intaktes Gebiss und absolut keine Zahnlücke, genüsslich nage ich öfter härtere Kohl- und Rübenstücke. Auch lob ich mir sehr den üppig wachsenden roten Klee, dieser gedeiht prächtig auf der Uferwiese am See.
In gewissem Sinne bin ich ein Feinschmeckerlein, denn ausgesuchte Kräuter und Wurzeln müssen für mein Wohlbefinden ebenfalls sein. Mir zu eigen ist eine gespaltene Oberlippe, diese gilt als ein wichtiges Merkmal meiner Sippe.
Regelmäßige Kosmetik muss bei mir an der Tagesordnung sein, mein braunes Fell creme ich mit einem Duftsekret ein. Meine feinen Barthaare stehen mir ganz gut zu Gesicht, aber nur für meine Schönheit besitze ich sie nicht.
Sie dienen nicht nur irgendeiner zusätzlichen Verzierung, sie enthalten meinen Tastsinn und helfen mir bei der Orientierung. Mein Hoch- und Weitsprungvermögen ist fast olympiareif, auch wenn ich bescheiden nicht nach Medaillen greif.
Ich kann aber ebenso im Schnelltempo flitzen und dabei gleichzeitig meine langen Löffel spitzen. Auch stecke ich voller List und Tücke, wenn im Rennen ich urplötzlich von meiner Richtung abrücke.
Gekonnt beherrsche ich einen Zickzacklauf, bei meinen Widersachern stellen sich bestimmt erzürnt die Haare auf. Damit meine Kleinen und ich eine geschützte Bleibe haben, musste ich eine Mulde in den Boden graben.
Vor der Geburt meiner Kinder hatte ich einen Begleiter, doch dieser zog sehr bald allein wieder weiter. In meinem Leben hab ich schon viele Kinder zur Welt gebracht, vom ersten Augenblick an haben sie bereits ihre Augen aufgemacht.
Als Mutter bin ich zwar nicht aus der Verantwortung entlassen, aus triftigen Gründen jedoch kann ich mich nicht ständig mit meinen Jüngsten befassen. Bei der Geburt sind sie schon mit einem dichten Fell bedeckt, so dass sie auch Kälte und Regen nicht sonderlich erschreckt.
Haben sie Angst oder Grund zum Murren, zeigen sie dies an durch lautes Knurren. Wir Tiere haben ein besonderes Beziehungsgehabe, aber auch für die Verständigung untereinander eine bestimmte Gabe.
Mit Zeichen und Lauten kann ich mit meinen Artgenossen kommunizieren und sie durch lautes Schreien über Gefahrensituationen informieren. In meinem Leben habe ich viele Herausforderungen und Risiken zu bestehen, ganz gefährlich ist es jedoch, die Landmaschinen zu übersehen.
Meine Ohren darf ich daher niemals auf Durchzug stellen, es könnte sonst mein letztes Stündlein schellen. Leider gibt es Autos und Motorräder in großen Massen, deshalb sollten wir Straßen meiden und die Feldwege nicht verlassen.
Mit Hirsch und Reh bin ich nicht verwandt, bei ihrem Auftauchen bleib ich ganz locker und total entspannt. Doch fange ich schon an, etwas zu zittern, kann ich Fuchs, Marder, Bussard und Habicht wittern.
Auch wird echte Furcht mich dann ergreifen, wenn streunende Hunde wild durch die Gegend streifen. Ich werde schnell in alle Richtungen peilen, um mich bei Gefahr rechtzeitig abzuseilen.
Über mich und meine Art wurde schon sehr viel geschrieben, doch in einem bekannten Märchen bin ich leider voll auf der Strecke geblieben. In dieser Geschichte, oh welch ein Graus, da trickste mich das Igelpärchen mit seiner Raffinesse aus.
Immer wieder muss ich mich darüber empören, wie die Menschen ungebremst unser Umfeld und unsere Lebensgrundlage zerstören.
vielen Dank für Dein schönes Tierrätsel. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Du mal wieder eins für uns hast.
Heute ist es der Hase den Du uns mit Deinen so vortrefflich gereimten Versen näher gebracht hast. Viel haben wir daraus über seine Lebensweise erfahren.
Ich habe dazu auch noch ein lustiges Gedicht gefunden:
In einem grünen Tal ein Jäger schlief, recht fest und auch sehr tief. Das sah ein kleiner Hase, er lachte und zeigte dem Jäger eine lange Nase, hoppelte dann eilig von dannen, so sitzt er jetzt unter grünen Tannen. War froh dass der Jäger ihn nicht konnt erschiessen, denn dieses würde den Hasen doch sehr verdriessen. Und was ist die Moral von der Geschicht? Als Jäger schlaf im grünen Tale nicht.
Ja, liebe Ivonne, ich bin der Meister Mümmelmann, der ganz gut Haken schlagen kann. Als Osterhase bin ich ebenso bekannt, aber auch Meister Lampe werde ich genannt. Ich liebe den Wald, das Feld und auch die Flur, hab eine echt "hasenreine" Tiernatur.
Liebe Ivonne, Du hast mich bildhaft erfasst, und auch Dein Gedicht hat wunderbar auf mich gepasst. DANKE!
Auch Du kennst Dich aus im Hasenleben und hast mir ein sehr lustiges Aussehen gegeben. Ich finde, die Zeichnung ist Dir trefflich gelungen - vor Begeisterung bin ich aus der Furche gesprungen. Vielleicht treffen wir uns einmal im grünen Wald - ich sage Dir DANKE! Also bis bald!
Es grüßt Dich herzlich der Mümmelmann, Monika schließt sich den Grüßen an.