Immer ein Lichtlein mehr Im Kranz, den wir gewunden, dass er leuchtet uns sehr durch die dunklen Stunden.
Zwei und drei und dann vier! Rund um den Kranz welch ein Schimmer, und so leuchten auch wir, und so leuchtet das Zimmer.
Und so leuchtet die Welt Langsam der Weihnacht entgegen. Und der in Händen sie hält, weiß um den Segen!
Matthias Claudius
Advent, das ist die stillste Zeit im Jahr, wie es im Liede heißt, die Zeit der frohen Zuversicht und der gläubigen Hoffnung. Es mag ja nur eine Binsenweisheit sein, aber es ist eine von den ganz verlässlichen Binsenweisheiten, dass hinter jeder Wolke der Trübsal doch immer auch ein Stern der Verheißung glänzt. Darin trösten wir uns in diesen Wochen, wenn Nacht und Kälte unaufhaltsam zu wachsen scheinen. Wir wissen ja doch, und wissen es ganz sicher, dass die finsteren Mächte unterliegen werden an dem Tag, mit dem die Sonne sich wendet, und der in der Nacht, in der das Heil der Welt geboren wurde.
Noch ist Herbst nicht ganz entfloh´n, aber als Knecht Ruprecht schon kommt der Winter hergeschritten. Und alsbald aus Schnees Mitten Klingt des Schlittenglöckchens Ton.
Und was jüngst noch, fern und nah, bunt auf uns herniedersah, weiß sind Türme, Dächer, Zweige, und das Jahr geht auf die Neige; und das schönste Fest ist da.
Tag du der Geburt des Herrn, heute bist du uns noch fern, aber Tannen, Engel, Fahnen lassen uns den Tag schon ahnen, und wir sehen schon den Stern.
Heimliche Zeit, wenn es draussen friert und schneit und der Christ ist nicht mehr weit! Wie´s tuschelt in den Entferntesten Ecken, kichert und lacht! Überall Bepacktsein, Verstecken, Vorfreude: wie anderen Freude man macht! Hoffen und wünschen weht feiernd durchs Zimmer: Ein Heinzelmannwirken im Lampenschimmer. Mich deucht, ich sah einen güldenen Schein: Guckt da nicht Sankt Niklas zum Fenster herein? Glocken erklingen in weiter Ferne. Bratäpfelduft aus dem Ofen quoll. Am nachtklaren Himmel schimmern die Sterne verheißungsvoll und schauen das Treiben und freuen sich mit bei der eilenden Menschen frohklingendem Schritt. Friedvolles Hasten weit und breit: Weihnacht ist nahe! O heimliche Zeit!
O schöne, herrliche Weihnachtszeit! Was bringst du Lust und Fröhlichkeit! Wenn der heilige Christ in jedem Haus teilt seine lieben Gaben aus. Und ist das Häuschen noch so klein, so kommt der heilige Christ herein, und alle sind ihm lieb wie Seinen, die Armen und Reichen, die Grossen und die Kleinen. Der heilige Christ an alle denkt, ein jedes wird von ihm beschenkt. Drum lasst und freuen und dankbar sein! Er denkt auch unser, mein und dein!
Von draussen, vom Walde komm ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen. Und oben aus dem Himmelstor Sah mit grossen Augen das Christkind hervor, und wie ich so strolcht durch den finstern Tann, da rief´s mich mit heller Stimme an: „Knecht Ruprecht“, rief es, „alter Gesell, hebe die Beine und spute dich schnell! Die Kerzen fangen zu brennen an, das Himmelstor ist angetan, Alt und Jung sollen nun Von der Jagd des Lebens einmal ruhn. Und morgen flieg ich hinab zur Erden, denn es soll wieder Weihnacht werden!“ Ich sprach: „O lieber Herre Christ, meine Reise fast zu Ende ist. Ich soll nur noch in diese Stadt, wo´s eitel gute Kinder hat.“ „Hast denn das Säcklein auch bei dir? Ich sprach: „Das Säcklein, das ist hier: Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern Essen fromme Kinder gern.“ Von draussen vom Walde komm ich her. Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
herzlichen Dank für die täglichen Gedichte, mit denen Du uns erfreust und das Weihnachtsfest näher bringst. Danke auch an Karin. Liebe Grüße an Dich und alle Fans
Monika
Heute ist Nikolaustag, deshalb folgende Zeilen:
Knecht Ruprecht, Du wilder Geselle, Du bist hier bei uns an der falschen Stelle. Wir laden uns den Bischof Nikolaus ein. Dieser soll heute Gast bei uns sein. Leider kann er nur kurze Zeit verweilen, muss seine Gaben auch an andere noch verteilen. In Erinnerung an den heiligen Nikolaus ziehen Männer heut von Haus zu Haus. Sie tragen ein edles Bischofsgewand und beschenken Kinder in Stadt und Land. Nikolaus, den wir am 6. Dezember verehren, wollte die Menschen die Nächstenliebe lehren. Als Wegbereiter für das Christkind ist er zu sehen, seinen Namenstag wir heute im Abendland begehen.
Bälle, Kasperl, Hampelmänner, neuen Christbaumschmuck für Kenner, Schaumgold, Eistau, Wunderkerzen, frische Pfefferkuchenherzen, liebe Leute, kauft doch was! Stehn seit Mittag auf der Strasse, leer der Magen, kalt die Nase, dabei zieht´s an allen Ecken, Weihnachtsmarkt ist kein Zuckerlecken. Liebe Leute, kauft doch was! Endlich ist der Tag gekommen! Mutter hat sich Zeit genommen, mit mir zum Weihnachtsmarkt zu gehen. Zinnsoldaten, Schaukelpferde, Bäumchen, Püppchen, Hort und Herde, ach, ich könnt vor Glück vergehn.
Sind die Lichter angezündet, Freude zieht in jeden Raum; Weihnachtsfreude wird verkündet unter jedem Lichterbaum, Leuchte, Licht, mit hellem Schein, überall, überall soll Freude sein.
Süße Singe, schöne Gaben gehen nun von Hand zu Hand; jeder Kind soll Freude haben, jedes Kind in jedem Land. Leuchte, Licht, mit hellem Schein, überall, überall soll Freude sein.
Sind die Lichter angezündet, rings ist jeder Raum erhellt; Weihnachtsfriede wird verkündet, zieht hinaus in alle Welt. Leuchte, Licht, mit hellem Schein, überall, überall soll Freude sein.
Ein Tännlein aus dem Walde, und sei es noch so klein, mit seinen grünen Zweigen soll unsre Freude sein! Es stand in Schnee und Eise in klarer Winterluft; nun bringt´s in unsre Stuben den frischen Waldesduft.
Wir wollen schön es schmücken mit Stern und Flittergold, mit Äpfeln und mit Nüssen und Lichtlein wunderhold. Und sinkt die Weihnacht nieder, dann gibt es lichten Schein, das leuchtet Alt und Jungen ins Herz hinein.
Denkt euch ich habe das Christkind gesehn! Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee, mit rot gefrorenem Näschen. Die kleinen Hände taten ihm weh; denn es trug einen Sack, der war gar schwer, schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen? Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack meint ihr, er wäre offen, der Sack? Zugebunden bis oben hin! Doch war gewiß etwas Schönes drin: Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
Hört, wie´s knallt und zischt, bald wird er aufgetischt, der Zipfel, der Zapfel, der Kipfel, der Kapfel, der gebrote Apfel.
Kinder, lauft schneller, holt einen Teller, holt eine Gabel! Sperrt auf den Schnabel für den Zipfel, den Zapfel, den Kipfel, den Kapfel, den goldbraunen Apfel.
Sie pusten und prusten, sie gucken und schlucken, sie schnalzen und schmecken den Zipfel, den Zapfel, den Kipfel, die Kapfel, den knusprigen Apfel.
Das Christkind ist durch den Wald gegangen, sein Schleier blieb an den Zweigen hangen, da fror er fest in der Winterluft und glänzt heut´ morgen wie lauter Duft.
Ich geh still durch des Christkinds Garten, im Herzen regt sich ein süss Erwarten: Ist schon die Erde so reich bedacht, was hat es mir da erst mitgebracht!
Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind.
Weit wie mit dichtem Diamantenstaube bestreut, erscheinen Flur und Flut, und in die Herzen, traumgemut, steigt ein kapellenloser Glaube, der leise seine Wunder tut.
Es wird Weihnachten! Mein ganzes Haus riecht schon nach braunem Kuchen – versteht sich nach Mutters Rezept -, und ich sitze sozusagen schon seit Wochen im Scheine des Tannenbaums. Ja, wie ich den Nagel meines Daumens besehe, so ist auch der schon halbwegvergoldet.
Vom Himmel in die tiefsten Klüfte ein milder Stern herniederlacht; vom Tannenwalde steigen Düfte, und kerzenhelle wird die Nacht.
Mir ist das Herz so froh erschrocken, das ist die liebe Weihnachtszeit! Ich höre fernher Kirchenglocken mich lieblich heimatlich verlocken in märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder, anbetend, staunend muss ich stehn; es sinkt auf meine Augenlieder ein goldner Kindertraum hernieder, ich fühl´s, ein Wunder ist geschehn.
Der Stern von Bethlehem zeigte den Weisen den Weg. Sie wollten den neugeborenen König anbeten. Um ans Ziel zu kommen, scheuten sie weder Kosten noch Mühe. Keine Unsicherheit kam in ihnen auf, kein Erstaunen über die Armseligkeit. Vielmehr- so wird berichtet: Sie wurden hoch erfreut. Der König der Juden war geboren, Christus, der Sohn Gottes, wurde zum Bruder der Menschen! Er ist auch mein Bruder!
Seitdem versammelt sich die Gemeinde Jesu Christi unter einem guten Stern. Wer glaubt, dass Gottes Sohn Mensch geworden ist, zu ihm geht und keine Mühen scheut, im Glauben treu zu bleiben, der gehört zur Familie Gottes. Wen finden wir in der Gemeinde Jesu? Menschen mit Unzulänglichkeiten Blinde und Lahme, Behinderte aller Art, Gefangene in ihren Zellen, Gebundene in mancherlei Verstrickungen. Alles Leute, mit denen kein Staat zu machen ist. Wenig solche wie die Weisen aus dem Morgenland. Mitten unter den erwartungsvollen Gesichtern: Auch ich! Der Stern von Bethlehem vereint uns im Gebet: Du Kind in der Krippe, dich beten wir an. Wir haben keine Schätze für dich als Geschenk. Was wir dir darreichen können, ist unsere Schuld, unser Unvermögen , unser Leid. Nimm alles hin. Nun sind wir frei. Jetzt ist das Christfest da!
Da die Hirten ihre Herde ließen und des Engels Worte trugen durch die niedre Pforte zu der Mutter und dem Kind, fuhr das himmlische Gesind fort im Sternentraum zu singen. Fuhr der Himmel fort zu klingen: »Friede, Friede! auf der Erde!«
Seit die Engel so geraten, o wie viele blut'ge Taten hat der Streit auf wildem Pferde, der geharnischte, vollbracht! In wie mancher heil'gen Nacht sang der Chor der Geister zagend, dringlich flehend, leis verklagend: »Friede, Friede! auf der Erde!«
Doch es ist ein ew'ger Glaube, daß der Schwache nicht zum Raube jeder frechen Mordgebärde werde fallen allezeit: Etwas wie Gerechtigkeit webt und wirkt in Mord und Grauen, und ein Reich will sich erbauen, das den Frieden sucht der Erde. Mählich wird es sich gestalten, seines heil'gen Amtes walten, Waffen schmieden ohne Fährde, Flammenschwerter für das Recht, und ein königlich Geschlecht wird erblühn mit starken Söhnen, dessen helle Tuben dröhnen: »Friede, Friede! auf der Erde!«