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Dieses Thema hat 2 Antworten
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 Alltagsgeschichten
Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

11.02.2009 15:52
Rhythmus des Lebens Zitat · antworten



Es war einmal ein Herz......
von Andreas Bohrmann

Das schlug 100.000 Mal am Tag - nicht mehr und nicht weniger. Es schlug nun
einmal so viel wie es nötig war. Das Herz war nicht von der gleichen feuerroten
Farbe wie all die anderen Herzen, sondern besaß nur ein schwaches blassrosa.
Das schlimme war, dass es mit der Zeit immer mehr an Farbe verlor.
Der Lebenskampf hatte es geschwächt und obwohl es noch nicht sehr alt war,
hatte es schon viele Falten.

Eines Tages war es auf die Idee gekommen einen Verschlag um sich zu bauen.
So suchte es den härtesten Stein für die Wände, dass massivste Holz für das Dach
und den stärksten Stahl für die Tür. Nur so, dachte das Herz, konnte niemand mehr
hinein zu ihm und es verletzen - niemand konnte es mehr zerreißen.
Endlich war es sicher. Nun saß das kleine Herz in seinem Verschlag, lugte hinaus
durch die Fugen im Stein und hörte über sich das knacken des Holzes. Es war
ziemlich dunkel und kalt dachte sich das Herz. Aber es schloss einfach die Augen
und tat was es immer tat - schlagen. 100.000 Mal am Tag. Vor lauter Langeweile
zählte das Herz jeden Schlag mit, bis es ihm überdrüssig wurde. So vergaß es
manchmal einen Schlag zu tun.
Das Herz fragte sich, was es überhaupt noch für einen Sinn hatte zu schlagen.
Was das Herz vergessen hatte war, dass es sich zwar in Sicherheit vor allem Bösen
befand, es niemand mehr verletzen und enttäuschen konnte, dass aber auch niemand
mehr hineinkommen würde, der mit ihm lachen täte, jemand der Purzelbäume mit
ihm schlagen würde und es wärmte.

Nach einiger Zeit fing das Herz an darüber nachzudenken.
Es merkte einen fatalen Fehler begangen zu haben. Mit aller Kraft versuchte es die
Stahltür aufzudrücken, doch sie war zu schwer, als dass sie sich bewegen ließ.
So begann es gegen die Steinwände zu hämmern, doch außer das sich ein paar
Brocken lösten, passierte nichts. Der Stein war zu gewaltig. Als es sich am Dach zu
schaffen machte, zog es sich nur einen dicken Splitter zu.
Panikartig saß das kleine Herz in seinem selbstgebauten Gefängnis und schlug
mindestens doppelt so schnell wie sonst. Wie konnte es nur den Schlüssel in all
seiner Trauer vergessen ? Das Herz verfluchte sich für sein elendes Selbstmitleid.
Wie gern würde es sich jetzt den Stürmen des Lebens hingeben, sich vor Angst
zusammenkrampfen, vor Freude hüpfen, wenn es nur könnte.
Es schaute durch das Schlüsselloch hinaus in die Welt und sah die anderen Herzen.
Einige waren blass so wie es selbst. Sie schlichen durchs Leben geduckt und allein.
Andere wiederum sprangen in leuchtendem Rot – Hand in Hand über Stock und
Stein, unerschrocken und gestärkt vom anderen.
Doch was das Herz dann sah ließ es staunen und es konnte seine Tränen nicht
verbergen. Da lagen Herzen im Staub mit Füßen getreten.

Sie waren weiß und regten sich kaum noch. Sie schlugen vielleicht noch 20 Mal am
Tag. Niemand kümmerte sich um sie, denn auch sie hatten einmal den Schlüssel
ihres Gefängnisses so gut versteckt, dass niemand ihn fand.
Da fühlte das Herz zum 1. Mal, dass es ihm noch gar nicht so schlecht ging.
Noch war es rosa und noch fühlte es etwas. Es musste nur diesen Schlüssel finden
zu seiner Stahltür. So machte es sich auf die Suche und probierte alle Schlüssel die
es finden konnte. Es probierte sogar Schlüssel, von denen es von Anfang an wusste,
dass sie nicht passen würden.

Nach einiger Zeit merkte das Herz, dass es wieder einen Fehler begangen hatte.
Es war zu unüberlegt, zu krampfhaft an die Sache gegangen.
Es verstand, dass man das Glück nicht erzwingen kann.
Frei ist man nur, wenn man frei denken kann. Das Herz entspannte sich erst einmal
und beschäftigte sich mit sich selbst. Es schaute in den Spiegel und begann sich so
zu akzeptieren wie es war, blassrosa und faltig.

Es spürte eine wohlige Wärme in sich aufsteigen und eine innere Gewissheit, dass
es auf seine Art und Weise wunderschön war. So fing es an zu singen, erst ganz
leise und schnurrend und nach und immer lauter und heller, bis es ein klares
Zwitschern war, wie das eines Vogels am Himmel.

Durch den hellen Ton begann der Stein an einer Stelle nachzugeben.
Mit riesengroßen Augen starrte das Herz auf diese Stelle, wo ein goldenes
Schimmern zu erkennen war.
Das Herz traute seinen Augen nicht. Da war der Schlüssel, den es damals mit in den
Stein eingemauert hatte. Das hatte es durch all seinen Schmerz und Selbstmitleid
vergessen und jetzt wo es den Schlüssel in der Hand hielt, fiel es ihm wieder ein, wie
es ihm vor all den Jahren so sicher erschien, ihn nie wieder zu brauchen.
Langsam und voller Bedacht den Schlüssel nicht abzubrechen, steckte das Herz ihn
ins Schloss.
Mit lautem Gequietsche schob sich die schwere Stahltür zur Seite. Das Herz machte
einen Schritt nach draußen, schloss die Augen und atmete tief die frische Luft ein.
Es streckte die Arme aus, drehte und wendete sich, blickte nach oben und nach
unten und hörte gespannt mal hierhin und mal dorthin.
Das Herz dachte wie schön das Leben doch sei, machte einige Hüpfer und begab
sich auf den Weg um Freunde zu finden.
Den 1. den es traf war eine lustiger Geselle, der das Leben zum schießen komisch
fand und über 1000 Freunde hatte. Nachdem das Herz einige Zeit mit ihm verbrachte,
mit ihm alle erdenklich lustigen Sachen anstellte, merkte das Herz, dass
diesem “Freund“ einiges fehlte ; - der Tiefgang.
Was war das für ein Freund, mit dem es nur lachen aber nie weinen konnte ?
Mit dem es nur durch “Dick“ aber nie durch “Dünn“ gehen würde.
So zog das Herz weiter, allein, aber reich einer neuen Erfahrung.
Bis es auf eine Gruppe anderer Herzen stieß.
Es wurde direkt freundlich in ihre Mitte aufgenommen.
Es war ein ganz neues Gefühl von Zugehörigkeit.
Da war nun eine große Gruppe, wie eine Familie die zusammenhielt, wo alle gleich
waren. Jeden Morgen standen sie zusammen auf, tranken den gleichen Tee, aßen
vom gleichen Brot und gestalteten jeden Tag gleich.
Das Herz war glücklich - eine Zeitlang, bis es spürte, dass auch dies nicht das richtige
Ziel sein konnte, denn auch seinen vielen neuen Freunden fehlte etwas - die Individualität.
In ihrer Mitte gab es keinen Platz für jemanden, der Eigenständig war und sein Leben
selbst planen wollte. Also löste das sich das Herz auch aus dieser Verbindung und genoss
sein eigenes Leben.
Es ging über 112 Wege, um 203 Kurven und 24 Berge und Täler, bis es an einem
Haus ankam, dass mit Stacheldraht umzogen war. Aus dem Schornstein quoll
Rauch, das hieß, dass tatsächlich jemand in diesem Haus leben würde.
In einem Haus, das nicht einmal Fenster hatte.
Bei dem Anblick fiel dem Herz ein, wie es selbst einmal gelebt hatte.
Wie sehr es damals gehofft hatte, dass jemand ihm helfen würde und doch niemand
sein stummes Flehen erkannt hatte.
Es wusste, dass es ihm aus eigener Kraft gelungen war und es war sehr stolz darauf.
Aber wie konnte es diesem armen Herzen helfen aus seinem Verlies zu kommen ?
So besorgte sich das Herz eine Drahtschere und versuchte den Stacheldraht zu
durchtrennen. Aber nach einiger Zeit verließen es die Kräfte.
Auch dieses Herz hatte keine Mühe gespart, für sich den stärksten Stacheldraht zu finden.

Obwohl das Herz das andere nicht sah und auch nicht hörte, sondern nur ahnen
konnte was das für ein Herz war, fühlte es eine starke Bindung zu ihm.
So grub es ein Loch im Boden unter dem Stacheldraht, um den anderen wenigstens
nah zu sein. So stand es vor seinem Haus, vor der gleichen dicken Stahltür wie einst
seiner und begann zu reden.
Tagelang, Nächtelang stand es einfach nur da und redete.
Es erzählte von seinem Schicksal. Erzählte ihm, was ihm alles in seinem Leben
widerfahren war und es hörte ein schluchzen hinter der dicken Tür. Unermüdlich
sprach das Herz weiter. Über die lustigen Sachen, die es mit seinem 1. “Freund“
erlebt hatte, über die Wärme , die es bei seiner Familie erfahren hatte und es
vernahm ein leises glucksen von innen. Erst leise, bis es immer lauter sich in ein
gellendes Lachen verwandelte. Plötzlich sprach das Herz hinter der Stahltür zu ihm.
Es wollte hinaus zu ihm, und es sehen.
Es wollte mit ihm gehen und mehr von dem Lachen und Weinen.
Es wollte sich an seine Schulter lehnen, sich an es drücken und es nie wieder verlassen.
Das Herz war glücklich endlich so jemanden gefunden zu haben, aber was sollte es
nur tun ?
Wie auch bei ihm früher, wusste das andere Herz nicht mehr wo es den Schlüssel
versteckt hatte.
So fasste das Herz den Entschluss loszugehen um den Schlüssel zu suchen.
Nur wo sollte es anfangen ? Es lief ziellos umher, suchte hinter Büschen, auf
Bäumen, tauchte in Seen danach; fragte alle die seinen Weg kreuzten, aber
niemand wusste Rat und nirgends fand es den Schlüssel.

So ging es mit schwerem Herzen zurück zu der kleinen Hütte. Krabbelte durch das
Loch unterm Zaun um die schlechte Nachricht zu überbringen.
Doch zu seinem Erstaunen, fand es die schwere Stahltür geöffnet.
Wie war das möglich gewesen ? -dachte das Herz.
Plötzlich hörte es eine freundliche und liebevolle Stimme hinter sich.
Da sah es ein kleines blassrosa Herz stehen mit glühenden Wangen.
“ Ich habe hier auf Dich gewartet “ sagte das kleine Herz. “ Ich habe erkannt, dass
man es im Leben nur aus eigener Kraft schaffen kann, aus seinem Gefängnis zu
entkommen. Doch so viel Kraft konnte ich nur durch Dich erlangen.
Durch deine Liebe zu mir und meiner Liebe zu Dir habe ich den Schlüssel zur Tür
meines Herzens gefunden, der mir gleichzeitig die Tür meines Verlieses öffnete “
Sie nahmen sich an die Hand und gingen von nun an alle Wege gemeinsam, ihr
Herzschlag im gleichen Rhythmus bis an ihr Lebensende.



Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

13.03.2009 17:22
#2 RE: Rhythmus des Lebens Zitat · antworten



Der Zug des Lebens

Das Leben ist wie eine Reise im Zug: Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle, bei
manchen Aufenthalten angenehme Überraschungen und tiefe Traurigkeit bei anderen.
Wenn wir geboren werden, und in den Zug einsteigen treffen wir Menschen, von
Denen wir glauben, dass sie uns während unserer ganzen Reise begleiten werden: unsere Eltern.
Leider ist die Wahrheit eine andere. Sie steigen bei einer Station aus und lassen uns ohne
ihre Liebe und Zuneigung, ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück.
Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein.
Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde und diese wunderbaren Menschen, die
wir lieben. Manche der Personen die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang.
Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise. Und es gibt wieder andere im Zug, die
immer da und bereit sind, denen zu helfen, die es brauchen. Manche hinterlassen beim
Aussteigen eine immer währende Sehnsucht.
Manche steigen ein, und wieder aus, und wir haben sie kaum bemerkt.
Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben, sich in
einen anderen Wagon setzen, und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen.
Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, die Mühsal auf uns zu nehmen,
sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durch zu kämpfen. Leider können wir uns
dann doch nicht zu ihnen setzen, da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist.
Macht nichts, so ist die Reise: voll von Herausforderungen, Träumen, Fantasien,
Hoffnungen und Abschieden. Aber ohne Rückkehr.
Also, machen wir die Reise auf die bestmögliche Weise.
Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen, und suchen wir das Beste
in jedem von ihnen. Erinnern wir uns daran, dass in jedem Abschnitt der Strecke
einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise unser Verständnis braucht.
Auch wir werden öfter schwanken und es wird jemanden geben, der uns versteht.
Das große Mysterium der Reise ist, dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen
werden, und genauso wenig, wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht
einmal der, der gleich neben uns sitzt.
Ich glaube, ich werde wehmütig sein, wenn ich aus dem Zug für immer aussteige.
Ich glaube ja.
Die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf, wird schmerzhaft sein.
Meine Kinder allein zu lassen, wird sehr traurig sein.
Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt, und ich habe das
Gefühl, sie ankommen zu sehen, mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten.
Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe, ihr
Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen.
Meine Freunde, schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende
die Mühe gelohnt hat. Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz
zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden
hinterlässt.
Denen, die Teil meines Zuges sind, wünsche ich Gute Reise !

(Verfasser unbekannt)

Ivonne Offline




Beiträge: 1.331

30.03.2009 13:03
#3 RE: Rhythmus des Lebens Zitat · antworten



Der Himmelsladen

Vor langer Zeit wanderte ich auf dem ‘Weg des Lebens’.
Da entdeckte ich ein Schild, auf dem stand: ‘Der Himmelsladen’.
Das weckte mein Interesse. Als ich näher kam, wurde die Tür geöffnet und ich trat ein.
Ein Engel gab mir einen Korb und sagte:
”Du darfst Dir nehmen, was Du Dir wünschst. Hier gibt es alles, was ein Mensch braucht."
Er fuhr fort: “Und solltest Du heute nicht alles tragen können, kannst Du den Rest
auch Morgen noch abholen.”
Das Erste, was ich in meinen Korb legte, waren ‘Liebe’ und ‘Geduld’.
Beide befanden sich nebeneinander im gleichen Regal.
Dann fand ich ‘Verständnis’. Es kam zu den zwei anderen Dingen.
‘Verständnis’ zu haben, ist im Leben sehr wichtig.
‘Seelenheil’ gab es überall und war sogar im Angebot.
Ich nahm genügend davon mit.
Auch an zwei Schachteln ‘Weisheit’ und zwei Säckchen ‘Glauben’ habe ich gedacht.
Nun kaufte ich mir noch Kraft’ und ‘Mut’.
Das eine ist nützlich, das andere hilfreich.
Als der Korb schon fast voll war, entdeckte ich die ‘Gnade’ und den ‘Segen’.
‘Frieden’ und ‘Freude’’ fand ich in kleinen Kisten.
Das ‘Glück’ hing von der Decke. Ein Stück habe ich mitgenommen.
Ich ging zum Ausgang, um zu bezahlen. Ich hatte alles Notwendige eingekauft.
An der Kasse fragte ich, wie viel das alles zusammen kostet.
Der Engel antwortete: “Es kostet nichts. All’ diese Dinge werden
Dich von heute an begleiten.”

(Verfasser unbekannt)


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